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Vierteljahrs-Wetter-Kundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1885—86.
fallender Weise zurück. Die Folge davon war, dafs bis zum 1. Dezember
„George Washington“ nach 23° N-Br in 28° W-Lg, „Olbers“ nach 26,4° N-Br in
26,8° W-Lg vorrückte, während gleichzeitig „Bertha“ nur nach 43,5° N-Br in
18,7° W-Lg gelangen konnte. Die Lage des den Passat bedingenden Hoch
druckgebietes war damals für die im östlichen und südlichen Theile des Atlantik
stehenden Schüfe eine ziemlich günstige. Es erstreckte sich dasselbe, wie
Karte I zeigt, von der westlichen Hälfte des Oceans her in ostnordöstlicher
Richtung gelagert, bis übers Mittelmeer hinaus und verursachte bei den beiden
ersten dieser Schüfe einen mäfsigen beständigen Passat, während „Bertha
welche sich noch an der nördlichen Seite jenes Gebietes befand, von lange an
haltenden kräftigen Süd Westwinden zurückgehalten wurde. Die Folge davon
war, dafs, als dieses Schiff am 18. Dezember in 24° N-Br und 28° W-Lg den
Passat endlich antraf, gleichzeitig „George Washington“ schon nach 29° N-Br in
73,5° W-Lg und „Olbers“ nach 29,7° N-Br in 71° W-Lg vorgerückt war. Bei
diesen beiden Schiffen endete um diese Zeit der Passat schon, während derselbe,
wie erwähnt, bei „Bertha“ erst begann. Dies Schiff fand später, obgleich die
Lage und Gestalt des Hochdruckgebietes sich, ebenso wie es in der ersten
Hälfte des Dezember der Fall gewesen war, häufig veränderte, doch einen
ziemlich befriedigenden Passat. Derselbe wurde am 28. Dezember, als sich
„Bertha“ bei 22° N-Br und 54° W-Lg an der südwestlichen Seite des Hoch
druckgebietes der Karte III unter dem Einflüsse eines sich vom 25. bis zum
28. Dezember von den Bahama - Inseln nach dem St. Lorenz - Golf bewegenden
Tiefdruckgebietes stand, durch frischen Südwestwind gestört. Derselbe erreichte
hier nur die Stärke 5, bei den beiden Mitseglern indessen, welche sich damals
im Bereiche derselben Erscheinung, aber näher dem Mittelpunkte und auf der
linken Seite der Bahn derselben befanden, herrschte vom 25. bis zum 27. De
zember ein sehr heftiger Nordsturm. Als sich dieser gemäfsigt hatte, erreichten
„George Washington“ und „Olbers“ nach wenigen Tagen ihr Ziel. „Bertha“
segelte dagegen noch wieder für längere Zeit bei nordöstlichem Winde und
hatte schliefslieh auf dem letzten, nördlich von 30° N-Br gelegenen Reise
abschnitte auch noch mehrere heftige Stürme zu überstehen. Der bedeutendste
war jener, der am 9. Januar unweit 34° N-Br in 70° W-Lg beobachtet wurde.
Derselbe war eine Folge des Auftretens jenes Tiefdruckgebietes der Karte V,
welches sich damals über dem nordöstlichen Theile der Union nach Nordosten
bewegte. Da „Bertha“ durch die herrschenden stürmischen Westwinde nach
Osten hin verdrängt wurde, erforderte die Zurücklegung des letzten Reise
abschnittes noch eine verhältnifsmäfsig lange Zeit. Erst am 19. Januar konnte
im Hafen von New-York geankert werden.
Am 17. Januar war nach New-York der Mitsegler „Hugo“ gelangt,
welcher, der direkten Route folgend, in 27 Tagen die kürzeste der vorliegenden
Reisen über den Ocean vollendet hatte. Als dieses Schiff am 22. Dezember
den St. Georgs-Kanal verliefe, befand sich „Bertha“ schon in 22° N-Br und
36° W-Lg. „Hugo“ wurde damals und während der nächstfolgenden Tage von
kräftigen Ostwinden begünstigt, die einem Tiefdruckgebiet angehörten, das sich
im letzten Drittel des Dezember auf ganz unregelmäfsiger Bahn vom Golf von
Biscaya aus nach Westen bewegte. (Siehe Karte III.) Nachdem „Hugo“, in
rascher Fahrt nach Westen vorrückend, aufserhalb des Einflusses dieser Depression
gekommen war, gelangte er wieder in den Bereich des ebenso günstige Ver
hältnisse bedingenden Hochdruckgebietes, welches damals über dem nordöst
lichen Theile Nordamerikas lagerte. (Siehe Karte IV.) Die Folge dieser fort
gesetzt günstigen Umstände war, dafs „Hugo“ sich schon am 5. Januar 1886
in 40° N-Br und 68° W-Lg, also nur wenige Hundert Meilen von New-York
entfernt, befand. In Zeit von 14 Tagen hatte das Schiff fast die ganze Fahrt
über den Ocean vollendet. „Bertha“ befand sich am letzteren Tage noch in
28° N-Br und 69,5° W-Lg. Nach dieser Zeit wurde „Hugo“ aber durch ganz
ungewöhnlich ungünstige Verhältnisse zurückgehalten. Anhaltend stürmische
Westwinde verhinderten nun jeden Fortgang. Am 9. Januar überstand auch
dies Schiff jenen, schon bei „Bertha“ erwähnten heftigen Sturm der Karte V,
dessen Mittelpunkte „Hugo“ sehr nahe gekommen zu sein scheint. Nachdem
bei ihm der Sturm aus Ost seine gröfste Stärke erreicht hatte und der Luft
druck bis auf 729 mm gesunken war, drehte der eben vorher flauer gewordene