Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewaite, Winter 1885—86. 141
Die vorstehenden Tabellen, welche nach den Journalen der in den
synoptischen Wetterkarten aufgeführten deutschen Segelschiffe zusainmengestelll
worden sind, sollen dazu dienen, den Einflufs der in den verschiedenen Ab
schnitten des besprochenen Vierteljahres herrschenden Wetterlage auf den Ver
lauf dor Schiffsreisen darzulegen. Letztere sind zu diesem Behufe chronologisch
geordnet und in vier Gruppen zusammengefafst worden. In der ersten Gruppe
— Reisen von Ost nach West — sind die Segelschiffe aufgeführt, die im De
zember 1885, Januar und Februar 1886 auf der Fahrt von einem europäischen
Hafen nach einem Hafen an der Ostküste von Nordamerika, am Golf von
Mexiko und in Westindien begriffen waren. Die zweite Gruppe — Reisen von
West nach Ost — enthält die in entgegengesetzter Richtung fahrenden Schiffe;
die dritte — Reisen von Nord nach Süd — die Schiffe auf der Fahrt von
Europa oder Nordamerika nach dem Südatlantischen Ocean, für die als Reise
ziel der Aequator angenommen worden ist, oder nach dem Busen von Guinea;
die vierte — Reisen von Süd nach Nord — die Schiffe, welche vom Süd
atlantischen Ocean oder vom Busen von Guinea kommend nach Europa oder
Nordamerika segelten. Zur näheren Kennzeichnung des Verlaufes der Reisen
ist jeder der vier Wege in solche Abschnitte, als den durchschnittlichen Wind
verhältnissen der durchsegelten Meeresstriche am meisten entsprechend erschienen,
zerlegt, und für die diese Abschnitte bildenden Meridiane und Parallelkreise
jedesmal das Datum und der Ort des Ueberschreitens, sowie auch die Zeit an
gegeben worden, welche das Schiff benöthigte, um von einem Schnittpunkte
zum nächsten zu gelangen. Die hauptsächlichsten Ergebnissse der Zusammen
stellung lassen sich in Kürze, wie folgt, zusammenfassen:
1. Reisen von Ost nach West.
Unter den 19 Reisen, welche während des Winters 1885/86 nach Westen
hin über den Nordatlantischen Ocean von für die Seewarte beobachtenden
Schiffen ausgeführt wurden, befinden sich 14, welche von Europa nach einem
im nördlichen Theile der Vereinigten Staaten gelegenen Hafen gemacht wurden,
3 Schiffe vollendeten Reisen zwischen dem Mittelmeer und Philadelphia und je
eins segelte vom Kanal nach Port Royal oder nach St. Thomas. Die mittlere
Reisedauer der ersteren Gruppe von Schiffen betrug 41 Tage, die von der
Strafse von Gibraltar herkommenden Schiffe vollendeten ihre Fahrten in durch
schnittlich 46 Tagen, während die Reise nach Port Royal 44, die nach St. Thomas
38 Tage in Anspruch nahm. Der bei weitem gröfsere Theil dieser Schiffe
suchte das Passatgebiet auf und legte in ihm die erforderliche Längo zurück.
Eine Ausnahme machten nur „Hugo“, „Andromeda“ und „Else“, welche der
direkten Route den Vorzug gaben, und „Anna“, wie „Marie Louise“, die einen
grofsen Theil des Weges in der Nähe von 35° N-Br vollendeten. Die von
Nordeuropa ausgehenden, nach dem nördlichen Theile der Union bestimmten
Schiffe, welche das Passatgebiet aufsuchten, hatten eine mittlere Reisedauer von
43 Tagen, die drei der direkten Route folgenden Schiffe gebrauchten im Durch
schnitt 34 Tage für ihre Reisen, und jene, die mittlere Route benutzenden
Schiffe erreichten ihr Ziel nach 36tägiger Fahrt. Die beiden längsten Reisen,
welche die Tabelle enthält, die 63tägige der „Bertha“ und die in 52 Tagen
vollendete der „Magdalenewaren beide Passatreisen. Ihre ungewöhnlich lange
Dauer wird in dem einen Falle durch die sehr lange Zeit, welche „Bertha“
benöthigte, um den Passat zu erreichen, wie im anderen Falle durch die Zeit,
welche für „Magdalene“ erforderlich war, um den letzten, westlich von 70°
W-Lg gelegenen Reiseabschnitt zurückzulegen, erklärt. Die kürzeste Reise von
allen Schiffen der Liste machte „Hugo“, welcher die Fahrt Tuskar—New-York
auf direkter Route in 27 Tagen ausführte.
„George Washington“, „Olbers“ und „Bertha“, die drei ersten der auf-
geführton Schiffe, verliefsen den Kanal noch in der letzten Hälfte des November.
Es geschah dies bei kräftigen Ostwinden, bei denen sich auf südwestlichem
Kurse ein guter Fortgang erzielen liefs. Sie gelangten dabei alle so weit nach
Westen, dafs sie, als sich nach einigen Tagen stürmische Westwinde einstellten,
auch diese in befriedigender Weise ausnutzen konnten. Bei „Bertha“ war dies
indessen, obgleich auch bei ihr der Wind zunächst oft aus raumer Richtung
kam, weniger der Fall, und blieb sie daher gegen ihre beiden Mitsegler in auf