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Zusätze zu den Segelanweisungen für die Küsten des Japanischen Meeres.
Der Hafen ist wegen Eises unzugänglich in der Regel von Mitte Dezember
bis Mitte April, doch bleibt die nördlich vom Ost-Eingange des östlichen
Bosphorus gelegene Patroclus-Bucht fast stets zugänglich; auch ist ein
Eisbrecher vorhanden, welcher durch starkes Eis in 3 bis 4 Tagen eine Bahn
bis zum Kap Galdobin herzustellen im Stande sein soll, im Nothfalle also
Kriegsschiffen bis dahin jedenfalls die Ausfahrt ermöglichen kann, von wo sie
sich dann bei dem dort mehr oder weniger unzusammenhängenden Eise ihren
Weg unter günstigen Verhältnissen selbst weiterbahnen könnten.
Die Haupt-Einfuhrgegenstände sind Weizenmehl, Zündhölzer, Waffen
(Amerika), Webestoffe, Spiritus, Farben, Möbel, Cement, Eisen und Eisenwaaren,
Glas, Galanteriewaaren (Europa, davon Farben, Cement, Nägel aus Deutsch
land), Tabak, Messingwaaren, Weine, Seife, Lichte, Kattun (Rufsland), Rinder
(Korea) und zwar 1884: 9000 Stück, 1887: 11 000 Stück für 850 000 Rubel,
1888: 12 000 Stück für 950 000 Rubel. Durch diese für den zur Zeit be
stehenden Viehstand Koreas und besonders der nördlichen Gegenden der
Halbinsel aufserordentliche Ausfuhr ist der erstere indefs so geschwächt worden,
dafs seitens der koreanischen Regierung Mafsregeln dagegen getroffen werden
mufsten. — Andererseits hofft man in Korea darauf, durch rationelleren Betrieb
der Viehzucht späterhin eine noch gröfsere Menge von Rindern ausführen
zu können.
Es wurden eingeführt:
1879 für 2 000 000 Rubel mit 43 Schiffen,
1882 „ 3 000 000 „ „70 „
1885 „ 5 000 000 „ „86
1886 „ 5 575 000 „ „92
1887 „ 5 737 000 „ „ 89
1888 „ 5 979 000 „ „91 „
von 68 000 Tonnengehalt,
„ 85 000 „
„ 83 000
„ 79 000
Ausgeführt wird hauptsächlich: Bauholz, Fische, Seekohl, Steinkohlen (auf
der Insel Sachalin durch Deportirte gefördert), Pelzwerk (junge Seebären und
wenige, aber äufserst kostbare Biber), Walnschthran und Fischbein, nach
Korea hin auch Webestoffe, 1888, einschliefslich anderer in geringer Menge
ausgeführter Gegenstände, für 880 000 Rubel.
Wladiwostok ist Freihafen; Abgaben wurden früher nur für Bier,
Branntwein, Tabak und Cigarren erhoben, seit Mai vorigen Jahres werden
indefs auch, und zwar zum Schutz einheimischer Produkte, Rohzucker, Wein,
Bier, Runkelrüben, Syrup, Konfekt, Eingemachtes, Lack und Zündhölzer verzollt.
Die auf fremdes Bier gelegte Abgabe von I6V2 Kopeken schliefst die
fernere Einfuhr desselben fast vollständig aus.
Die Zolleinnahme betrug 1887: 160 000, 1888: 293 000 Rubel.
Das ganze Amur-Gebiet ist schwach bevölkert; die einheimischen Be
wohner sind Nomaden, welche mehr im Norden Jagd betreiben, deren Er
zeugnisse — Felle — sie an chinesische Händler, hauptsächlich gegen Schnaps,
eintauschen, und zwar im Allgemeinen nicht direkt, sondern ähnlich wie in
West-Afrika derart, dafs sie eine gewisse Menge Schnaps auf Kredit erhalten
und in der nächstjährigen Saison hierfür Felle liefern.
Von den Eingewanderten sind die Mehrzahl Chinesen und Koreaner; erst
in den letzten Jahren wird versucht, an Stelle dieser Stämme, Russen über
Odessa einzuführeu; kurz vor dem Kanonenboot war ein Dampfer mit 2500
solcher eingetroffen. Diese Einwanderer sind fast ausnahmslos Ackerbauer,
welche von Wladiwostok ans ins Innere vertheilt werden.
Während die Chinesen fast den ganzen Handel auf dem Lande und die
Küsten- und Flufsschifffahrt, mit Ausnahme derjenigen auf dem Amur in Händen
haben, betreiben die Koreaner Ackerbau, thun dies aber in so unrationeller
Weise, dafs sie überall vollständig ausgesogenen Boden zurücklasson.
Wladiwostok selbst zählte im Jahre 1888 etwa 12 000 Einwohner,
nämlich: