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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

4 Zusammenhang zwischen d. Windgeschwindigkeit n. d. Dimensionen d. Meereswellen etc. 
Windes, bereits in verhältnifsmäfsig geringem Abstande von der Küste der Pall 
sein werde, so dafs dieser Einflufs des Seeraums für die Wellen des freien 
Meeres, welche wir hier betrachten, als geringfügig vernachlässigt werden kann. 
Anders verhält es sich 2. mit dem Einflüsse, welchen die Ausdehnung der 
Wasserfläche in der Richtung des Windes auf die überhaupt mögliche Maximal 
entwickelung der Wellen ausübt, dieser scheint recht erheblich zu sein, insofern 
man die geringeren Dimensionen der in begrenzten Gewässern entstehenden 
Wellen hauptsächlich diesem Umstande zuschreiben darf. In Ermangelung 
besserer Keuntnifs dürfte die folgendo Hypothese als die wahrscheinlichste und 
naturgemäfseste gelten, um zu einer numerischen Auswerthung dieses Einflusses 
zu gelangen. Es sei D in Seemeilen die Entfernung des Orts, wo der Wind 
die Wasserfläche trifft, von der nächsten, in der Richtung der Fortpflanzung des 
Windes und der Wellen gelegenen Schranke (in begrenzten Gewässern also der 
Abstand der begrenzenden Küsten in der Richtung des Windes gemessen), oder, 
allgemeiner gesprochen, es sei D die Länge der Windbahn in Seemeilen. Ferner 
sei w' — — 1,94 w m die Geschwindigkeit des Windes in Seemeilen 
1853" 
D 
pro Stunde, dann wird der Wind — = t' Stunden gebrauchen, um bis zu der 
gegenüberliegenden Schranke zu gelangen, und wir nehmen nun an, dafs die 
Maximalhöhe und Länge der Wellen derjenigen gleich sei, welche dieselben bei 
der gleichen Windstärke und unbegrenztem Seeraum in der Zeit t' erreichen 
würden, d. h. wir setzen: 
b Wm 
hm 
a Wm 
1,94 Wrn 
D 
K 
, , 1,94 Wm 
1 + —D 
Wir erhalten also endlich für die Dimensionen der Wellen, welche bei 
einem Seeraum von D Seemeilen in der Richtung des Windes und t Stunden 
nach Beginn des Windes erreicht werden, die Formeln: 
(5) h = 7 
a Wm 
l,94wm ß )^ 1 + 
1 = 
b Wm 
D 
f)’ ( 
1 + 
1,94 w m 
D 
»)(»■*) 
Hierzu sind noch ein paar Bemerkungen zu machen. 1. Unter Seeraum 
ist nicht nur die Entfernung des Orts, wo die Einwirkung des Windes auf die 
Wasserfläche beginnt, von einer festen Schranke zu verstehen, sondern in den 
Fällen, w'o es sich um beständige Winde, die innerhalb einer gewissen Zone 
wehen, bei denen man also t = oo oder mindestens sehr grofs zu setzen hat, 
d. h. im Falle der Passate und Monsune, auch die Länge der Windbahn innerhalb 
des überwehten Gebietes. In allen andern Fällen im freien Oceau fällt der 
Einflufs des Seeraums weg, und wir haben nur den der Zeit zu berücksichtigen, 
man wird also D = oo zu setzen haben. 2. In Wirklichkeit wird der Wind 
niemals ganz plötzlich mit seiner vollen Stärke eiusetzen, sondern er wird 
allmählich, bald mehr bald weniger rasch, bis zu seinem Maximum w m anwachsen. 
Wir setzen daher w = ——— und würden also eigentlich in (5) w m = w (1 -f- M 
! + T 
zu setzen haben, wenn w die zur Zeit t beobachtete Windgeschwindigkeit be 
deutet. Die Gröfse y würde in jedem Falle besonders zu bestimmen sein; wir 
wollen aber den Ausdruck für die Wellendimensioneu nicht noch mehr kom- 
plicireu und behalten daher die Formel (5) bei, nehmen also an, dafs der Wind 
plötzlich mit seinor vollen Stärke w,„ zu wehen anfängt, und bemessen die Zeit t 
so, dafs die Wirkung von w m in der Zeit t der von w = —in der Zeit t' 
» + £ 
gleich ist. 
Wir wollen nun suchen, für die Konstanten a, b, a und ß der Formel (5) 
Zahlenwerthe zu erhalten, durch welche wir in den Stand gesetzt werden, die 
Ergebnisse der Beobachtung mit denen der Rechnung nach (5) zu vergleichen.
	        
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