Literarisches.
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Literarisches.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
ln dem Verlage von Ernst und Korn in Berlin ist soeben das Werk:
„Tafeln der Hyperbelfunktionen und der Kreisfunktionen“, heraus
gegeben von Dr. W. Ligowski, Professor an der Kaiserlichen Marine-Akademie
und Schule in Kiel, erschienen. 1 * ) Der durch seine Taschenbücher der Mathe
matik und Mechanik sowie durch seine nautisch-astronomischen Tafeln längst
in weiten Kreisen bekannte Herr Verfasser bietet hiermit dem Rechner ein
Tafelwerk, welches sich sowohl durch zweckmäfsige Anordnung als auch durch
saubere typographische Ausführung auszeichnet, und welches sicher dazu bei
tragen wird, die praktische Verwerthung der Hyperbelfunktionen, hauptsächlich
in der Nautik und Architektonik, wesentlich zu fördern.
In der Einleitung giebt der Verfasser eine Anweisung für die Inter
polation der Hyperbelfunktionen in den einzelnen Theilen des Werkes. Es
kann, ohne den Tafeln eine unbequem grofse Ausdehnung zu geben, das Intervall
bei den Hyperbelfunktionen nicht in allen Fällen so klein gewählt werden, dafs
die Interpolation der Funktionen stets proportional dem Argumente ausgeführt
werden kann; vielmehr ist man häufig gezwungen, bei der Interpolation inner
halb der Tafelwerthe noch von Näherungsformeln Gebrauch zu machen. Der
Verfasser giebt nun für diese Fälle in der Einleitung aufser den Formeln selbst
in sehr dankenswerther Weise eine Kritik des durch dieselben verbürgten
Grades der Genauigkeit. Vielfach werden auch nicht nur eine, sondern mehrere
Näherungsformeln angeführt, unter welchen der Rechner je nach der beabsichtigten
Schärfe der Interpolation die Auswahl treffen kann. Alle Rechnungsmethoden
werden durch Zahlenbeispiele erläutert.
In dem ersten Abschnitte des Tafelwerkes werden die Logarithmen der
hyperbolischen Sinus, Cosinus und Tangenten gegeben, und zwar für die Argu
mente 0 bis 2 in Intervallen von 0,001, für die Argumente von 2 bis 6 in
Intervallen von 0,01. Die Funktionen selbst sind bis zum Argumente 2 auf
5 Dezimalen, für die Argumente von 2 bis 5 auf 6 Dezimalen und für die
Argumente von 5 bis 6 auf 7 Dezimalen berechnet. — Bis zum Argumente 6
ist aufserdem für jeden Tafelwerth die Gröfse des sogenannten transcendenten
Winkels <f beigefügt, welcher mit dem Argumente der Hyperbelfunktionen xp
durch die Relation
verbunden ist und durch die Formeln
<&inip = tg <p, So\xp = sec </>, £g xp = siny
sofort die Ermittelung der numerischen Werthe der Hyperbelfunktionen mit
Hülfe trigonometrischer Tafeln gestattet. — Für xp — 6 bis xp — 9 sind zunächst
l) Da die Theorie der Hyperbelfunktionen nicht allgemein bekannt sein dürfte, so möge als
kurze Charakteristik derselben Folgendes erwähnt werden: Die hyperbolischen Sinus und Cosinus
(zur Unterscheidung mit „Sin“ und „©of“ bezeichnet) können au der gleichseitigen Hyperbel mit
dem Radius 1 in ähnlicher Weise geometrisch dargestellt werden, wie die entsprechenden trigono
metrischen Funktionen an einem Kreise mit dem Radius 1. Die hyperbolischen Tangenten,
Cotangenten, Secanten und Cosecanten werden ebenso wie in der Trigonometrie durch die Gleichungen
~ , Sill *p
20 v “ ©of <p ’
(ec rjj
Gof
definirt. — Als Argument der Hyperbelfunktionen ist die Fläche gewählt worden, welche durch zwei
symmetrisch zur X-Achse gelegene Radii Veetores und durch den Curvenzug begrenzt wird. Man
überzeugt sich leicht, dafs man auch in der Trigonometrie ohne Aenderung der numerischen Werthe
die doppelte Sektorenfläche an Stelle des Bogens als Argument einführen kann. —• Durch diese
Wahl ergeben sich für die Funktionen die Reihenentwickelungen
©in tf> = i/j -f-
'P 3 , V*
3/ + 5/
^4
Welche sich von den entsprechenden trigonometrischen Reihen nur durch das Vorzeichen der
ungeraden Glieder unterscheiden.