Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Winter 1885—86.
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pflanzung desselben auf den Ocean nahm der Luftdruck auf dein westlichen
Tkeile des letzteren sehr zu, während er östlich von den Azoren sank und hier
wieder Depressionen erschienen. Hierdurch erhielt der Zeitabschnitt vom
11. —19. Februar seinen besonderen Charakter. An der NW-Seite dieses
Hochdruckgebiets wunderten nacheinander zwei Wirbel über Nordamerika nord-
ostwärts, welche mit rasch zunehmender Intensität sich beide gegen NW, nach
der Baffinsbai, wandten. Europa blieb von Depressionscentren frei und wurde
nur am NW- und S-Rande von ihren Windsystemen gestreift.
Abweichend von den vorhergehenden, war der letzte Zeitabschnitt
vom 20. — 28. Februar über dem Westen und der Mitte des Oceans ein
aufserordentlich unruhiger. Von einer Reihe cyklonaler Wirbel, welche vom
amerikanischen Festlande auf den Occan übortraten und hier sich rasch sehr
verstärkten, wanderte der erste nordwärts nach Grönland, die beiden folgenden
scheinen rasch zuerst unter sich und darauf mit dem letzten verschmolzen zu
sein, welcher nun ziemlich stationär bis weit in den März hinein in der Um
gebung der Neufundland-Banken lag. Aeliulich wie in den ersten Tagen des
Jahres 1884, bildete der ektropische Theil des Nordatlantischen Oceans in
diesen Tagen, namentlich vom 24. au, einen weiten Kessel niederen Luftdrucks,
welcher nach Süden von dem zum schmalen Bande zusammengeschrumpften und
bis zum Wendekreise südwärts geschobenen Hochdruckgebiet der Rossbreiten
begrenzt wurde und nur hier und da bald nach SW, bald nach SE oder nach
NW sich öffnete. Zur Ergänzung der in den Karten gelieferten Information
führen wir einige Notizen über die zwischenliegenden Zeiträume aus den
Schiffsjournalen an.
Am 19. Februar. S. 24 (41° W, 42° N). Um 2 a Wind SSE 7, um 4 a NW 7, Barometer
dann 750/9. — D. 61 (35° W 46° N). Um 3 p Wind umspringend nach W 10. — D. 24 (30° W,
49° N). Um 3 p sprang der Wind plötzlich um nach N1J. — S. 93 (30° W, 49° N). Wind um
4 a ENE 5, um 8 a NNE 7, um 10 a ESE 8, um 2 p ESE 10, um 4 p SSW 10, um 8 p NW 10, um
10 p NNE 12; niedrigster Luftdr. = 728,0 um 6 p. — D. 13. Um 10 p niedrigster Luftdr. 730,0
bei SW 10; um 11 p W 11, um 12 p NW 11.
Am 20. Februar. D. 32 (61° W, 41° N). Um 8 p Wind ENE 3, Barometer 740,5. —
D. 63. Um 12 p W6 und 738,2.
Am 21. Februar. S. 23 (49° W, 41° N). Um 12a niedrigster Luftdr. 746,3. — S. 22
(39° W, 38° N). Um 12 p Wind SSW 10. — S. 93 (33° W, 48° N). Um 12 p Wind SSW 10,
Barometer 746,5.
Am 22. Februar. S. 22 (36° W, 40° N). Um 2a Wind SSW 10, Barometer 754,4; um
6 a NW 9, Gewitter. — S. 94 (33° W, 47° N). Um 4 a SSE 10 und 751,0.
Am 23. Februar. D. 13 (49° W, 44° N). Um 8p Wind Sl, schön. — S. 23 (43° W,
43° N). Wind um 12 a SSE 8, um 2 p SW 7, um 4 p Windstille, um 6 p N 10 und um 12 p N11;
zur letzteren Zeit Barometer 744,1. — S. 22 (35° W, 41° N). Um 12 p Wind SSE 10, Bar. 744,5.
Am 24. Februar. D. 13 (56° W, 43° N). Nachts zunehmender S-Wind, um 4 a Stärke 7,
von da ab bis 7 a heftiger Regen, um 5t/2 a sprang der Wind nach N6 um; Mittags voller Sturm,
p. m. Schneeschauer. — D. 28 (52° W, 44° N). Um 8 p Wind NW 8. — S. 23 (42° W, 41° N).
Barometer bis 12 a steigend; Wind bis 4 p WNW9, dann WzS 5 bei fallendem Barometer. —
S. 22 (33° W, 43° N). Der ganz schwach werdende Wind verändert sich durch E und N nach NW.
Am 25. Februar. S. 27 (55° W, 38° N). Um 12 a niedrigster Luftdruck, 737,8; um 12 p
Barometer 742,8, Wind WNW 11, Elmsfeuer. — D. 39 (48° W, 48° N). Um 8 p Wind ENE 5,
Barometer 739,5. — D. 62 (43° W, 44° N). Um 8 p Wind W 3, Barometer 736,6. — S. 23 (39° W,
42° N). Um 12 a niedrigster Luftdruck 740,0, Wind SW 5, Blitz und Donner.
Am 26. Februar. S. 29 (74° W, 35° N). Um 0 h a. m. Barometer 752,5, Wind SW 7.—
D. 21. Um 8 p Barometer 736,0, Wind W 5. — D. 39 (48° W, 46° N). Um 8 p Barometer 745,1,
Wind NNW 4.
Am 27. Februar. D. 39 (54° W, 44° N). Um 8p Windstille, Barometer 733,1. — S. 55
(40° W, 46° N). Wind um 6 a ENE 8, um 10 a WNW 2, um 2 p W 8, um 10 p SSE 7. — S. 96
(36° W, 45° N). Um 0» a. m. ESE 10 und 736,5, um 4 a S 8.
Ein Rückblick auf die vorherrschende Druckvertheilung der drei Mo
nate auf Grund der den „synoptischen Karten“ beigegebenen Monatsisobaren
zeigt uns grofse Abweichungen von den normalen Verhältnissen. Im Dezember
war der Luftdruck über SW-Europa anomal hoch, an der Loire-Mündung, wo
er am höchsten war (770 mm), 8 mm höher als normal. Von den drei Gebieten
normal niedrigsten Druckes im Norden war jenes bei Island nur schwach, jenes
am Nordkap hingegen übermäfsig entwickelt, so dafs der mittlere Gradient
über Westeuropa viel stärker, als normal, und statt nach NW nach NzE ge
richtet war, wodurch westliche Luftströmungen ein starkes Uebergewicht erhalten
mufsten. Die allgemeine Druckvertheilung gleicht am meisten jener des ersten