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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Vierteljahrs-Wetter-Eundschan der Deutschen Seewarte, Winter 1886—86. JJJ 
Am 12. war auch in den Vereinigten Staaten hoher Luftdruck eingetreten, 
•welcher am 13.—14. mit jenem auf dem Ocean verschmolz; hierdurch erhält 
das Ende des auf Karte V dargestellten Zeitraumes, der Zeitabschnitt vom 
13.—16. Januar, seine besondere Signatur. Das neuerliche Sinken des Luft 
druckes auf dem 60. Grad westlicher Länge, wo nunmehr kräftige Depressionen 
bei Bermuda und besonders in Labrador sich zeigten, kann als Markscheide 
für einen neuen, interessanten Zeitabschnitt genommen werden, der vom 17. 
bis 26. Januar reicht und auf Karte VI dargostellt ist. Während desselben 
finden wir meistens ein Gebiet hohen Druckes in Grönland, durch eine schmale 
meridionale Brücke mit dem reducirten Maximum der Rossbreiten verbunden. 
Auf der europäischen Seite begann dieser Zeitabschnitt mit einer selt 
samen schleifenförmigen Bahn einer kurzlebigen Depression N von Schottland 
und mit Kälte auf den britischen Inseln, Wärme in Deutschland und Nordeuropa. 
Aber vom 20.—24. Januar, nachdem das schon seit dem 9. fast ununterbrochen 
in Centraleuropa bestehende Gebiet niederen Druckes durch Zunahme des Luft 
drucks in Skandinavien auch nach Norden einen Abschlufs erhalten hatte, 
stellte sich jene merkwürdige Rotation der Wirbelcentren um ein erst in Frank 
reich, dann in Deutschland liegendes Kältecentrum ein, welche in einem Anhang 
zum Monatsbericht der Seewarte von diesem Monat genauer beschrieben ist. 
Nach ausgebreiteten Schneefällen, welche ganz Centraleuropa mit einer Schnee 
decke überzogen hatten und sich in diesen Tagen noch wiederholten, bildete 
sich schon am 20. über dem westeuropäischen Festlande ein inselförmiges 
Gebiet stärkeren Frostes aus, welches von der kalten Luft des stationären 
Druckmaximums in Osteuropa, wie dies im Winter so oft vorkommt, durch 
mildere Luft in Ostdeutschland und Polen getrennt war — ein Vorgang, an dem 
sowohl die Behinderung der horizontalen Luftcirkulation durch die Gebirge, 
als die Begünstigung niedersinkender Bewegung durch die Nähe der aufsteigen 
den Luftströme auf den wärmeren Meeren ihren Antheil haben dürften. Intensiv, 
nämlich — 5° bis —17°, wurde der Frost erst, als im Laufe des 21. der 
Himmel über einem Theile von Deutschland auf mehr als 24 Stunden klar wurde. 
Ziehen wir Verbindungslinien zwischen den gleichzeitigen Positionen der 
in diesen Tagen in Mehrzahl über Europa auftretenden barometrischen Minima, 
so sehen wir diese Linien entgegen den Zeigern einer Uhr sich drehen; die 
Minima umkreisen wie Doppelsterne einen gemeinsamen Schwerpunkt, als welcher 
in diesem Falle, wie in der Regel, das Gebiet funktionirt, in welches im Niveau 
von einem oder mehreren Tausend Metern über Meer der niedrigste Luftdruck 
fällt. Wie bei der Nordkappe der Erde, als Ganzes genommen, in den untersten 
Schichten der Atmosphäre im Contralraum eine geringe Druckerhöhung sich 
zeigt, so auch in diesem Falle; aber diese Druckerhöhung ist in beiden Fällen 
nur durch die Dichtigkeit der kalten Luft daselbst bedingt und fällt in gröfseren 
Höhen fort. A. a. 0. haben wir die mittlere Druckvertheilung dieser Tage 
längs dem Meridian von Hamburg für das Meeresniveau und für die Höhe von 
2500 m über dem Meere durch ein Diagramm anschaulich gemacht, welches wir 
hier, da es lehrreich sein dürfte, wiederholen. 
Die Luftdruckwerthe sind auf die Schwere des 45. Parallels reducirt, die 
Temperaturmittel sind nicht wegen der täglichen Periode korrigirt, entfernen 
sich jedoch nicht sehr von wahren Mitteln. Das folgende Diagramm stellt die 
obigen Werthe graphisch dar. 
In der stark ausgezogenen Kurve des Luftdrucks im Meeresniveau sieht 
man deutlich die Spaltung des grofsen Gebietes mit niedrigerem Luftdruck 
durch die Erhebung im Alpengebiete; die gestrichelte Temperaturkurve zeigt, 
dafs auf dem allgemeinen Abfall von Süd nach Nord dieses Gebiet und dessen 
nördliches Vorland ein sehr ausgesprochenes, sekundäres Kältethal bilden; in 
folge davon ist, durch die raschere Druckabnahme nach aufwärts in kalter Luft, 
jene Erhebung im Alpengebiet in der oberen Luftdruckkurve verschwunden, 
deren einfaches Minimum südlich von Kassel liegt, und ist zugleich das Ver- 
hältnifs der angrenzenden Maxima ein anderes als unten, indem unten der kalte 
Norden, oben der warme Süden den höheren Druck aufweist. 
Den Abschlufs dieses Zeitabschnittes bildete eine stärkere, vom Ocean 
kommende Depression, welche, obwohl Druck und Temperatur in Centraleuropa 
noch ziemlich niedrig waren, schon vor dessen Erreichung am 25. die analoge
	        
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