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Full text : Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

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Zar  Form  der  Cyklonen.

die  Abweichungen  der  Isobaren  von  koncentrischen  Kreisen  auf
einem  Gebiete  von  300  Seemeilen  Durchmesser  durch  ganz  scharfe
Beobachtungen  kaum  nachweisen  lassen.  Für  alle  praktischen
Zwecke  sind  dies  die  kreisförmigen,  koncentrischen  Isobaren  der
ersten  Cyklonenforscher.
Bedingungen  sind  offene  See  und  geringe  Geschwindigkeit.
Man  könnte  sich  darüber  wundern,  dafs  bei  Japan  eine  so  regelmäfsige
Form  vorkommt,  wie  sie  alle  bisherigen  synoptischen  Beobachtungen,  soviel
mir  bekannt,  vermissen  lassen.  Eine  befriedigende  Erklärung  scheint  mir  indessen ­
  nicht  schwer  zu  sein.
Die  Cyklonen  beschreiben  im  Allgemeinen  Parabeln  und  weisen  die
geringste  Geschwindigkeit  in  dem  Scheitel  derselben  auf. 6 )  Wenn  nun  geringe
Geschwindigkeit  eine  Bedingung  der  regelmäfsigen  Form  ist,  so  sind  Beobachtungen ­
  im  Scheitel  besser  als  in  irgend  einem  anderen  Theile  der  Bahn
geeignet,  die  äufserste  Grenze  der  Regelmäfsigkeit  nachzuweisen.  Da  aber  die
Breite  der  Scheitelzone  wenige  Breitengrade  nicht  übersteigt  und  die  ganze
Zone  im  Laufe  einer  Cyklonensaison  zwischen  20°  und  33°  Breite  hin  und  her
pendelt, 7 )  so  wird  dadurch  allein  schon  die  Zahl  der  verwerthbaren  Beobachtungen ­
  aufserordentlich  vermindert.
Von  dem  Beste  dürften  die  Schiffsbeobachtungen,  so  wichtig  und  werthvoll ­
  sie  auch  sind,  kaum  jemals  die  nöthige  Schärfe  besitzen,  um  innerhalb
eines  immerhin  kleinen  Cyklongebietes  so  genaue  Isobaren  zu  liefern,  wie  die
Tafel;  dazu  fehlen  meist,  selbst  gute  und  zahlreiche  Barometerbeobachtungen
vorausgesetzt,  genügend  genaue  Orts-  und  Zeitbestimmungen.
Wenn  eine  Zeit  lang  Cyklonenwetter  geherrscht  hat,  ist  der  Schiffsort
immer  unsicher.
Dann  werden  die  meteorologischen  Zeitangaben  nicht  nach  dem  Chronometer, ­
  sondern  der  Deckuhr  gemacht,  welche  gewöhnlich  einmal,  höchstens
zweimal  am  Tage  gestellt  wird.  Mit  unsicheren  Zeiten  mufs  man  also  ebenfalls
rechnen,  besonders  auf  Ost-  und  Westkursen.
Vereint  mit  einem  starken  stündlichen  Barometerfall  oder  steilen  Gradienten
genügen  diese  Fehlerquellen,  um  obige  Behauptung  zu  rechtfertigen.
Eine  Bestätigung  dieser  Ansicht  liegt  ferner  in  den  inneren  Widersprüchen, ­
  welche  bei  jeder  mit  den  Beobachtungen  vieler  Schiffe  unternommenen
Oyklonenuntersuchung  zu  Tage  treten.  Man  findet  z.  B.,  dafs  an  derselben
Stelle  gleichzeitig  ganz  verschiedene  Winde  wehen,  das  Centrum  an  zwei  Orten
zugleich  sein  sollte  und  dergleichen  Unmöglichkeiten  mehr. 8 )
In  unserem  Beispiele  haben  wir  hauptsächlich  12  Landstationen  benutzt,
um  die  Isobaren  zu  zeichnen;  wollte  man  die  in  See  liegende  Hälfte  des  Wirbels
nach  Schiffsbeobachtungen  ebenso  genau  wie  über  dem  Lande  darstellen,  so
dürften  dazu  nach  der  allerniedrigsten  Schätzung  doppelt  soviel  gute  Beobachtungen ­
  nöthig  sein,  also  24  Schiffe;  dementsprechend  für  einen  ganzen  Cyklon
von  gleicher  Ausdehnung  auf  offenem  Meere  48  Schiffe!  Dazu  ist  selbst  in  den
am  meisten  befahrenen  Meeren  nur  wenig  Aussicht  vorhanden  und  somit  das
günstigste  Beobachtungsfeld,  die  offene  See,  verschlossen.
Bei  den  kontinentalen  Beobachtungen  stofsen  wir  auf  eine  andere  Schwierigkeit. ­
  Es  wurde  oben  gezeigt,  wie  schnell  ein  regelmäfsiger  Cyklon  über  Land
entartet.  Das  ist  in  Japan  die  Regel  bei  allen  August-Cyklonen,  wahrscheinlich
die  Regel  bei  allen  Cyklonen.
Wenn  also  in  vorwiegend  kontinentalen  Beobachtungsnetzen  nicht  die
regelmäfsigste  Form  beobachtet  wurde,  so  ist  das  ebenfalls  erklärlich.
Dadurch  wird  die  Zahl  der  günstig  gelegenen  Stationsnetze  wieder  beträchtlich ­
  verringert,  und  es  bleiben  nur  übrig:  Insulare  Stationsnetze  innerhalb

Bei  der  Bildung  in  See  kommen  wohl  noch  geringere  Geschwindigkeiten  vor,  wir  sehen
aber  aus  gnten  Gründen  hier  von  diesen  Fällen  ab.
')  Vgl.  Anm.  3  und  „Pilot  Chart  of  the  North  Atlantic  Oeean“,  September  1889.  Hydrographie ­
  Office,  Washington  I>.  C.  Die  Scheitelzonen  liegen  nach  letzterer  Quelle  für  die  westindischen ­
  Cyklonen  wie  folgt:  Juni  und  Oktober  20°  bis  23°  N-Br,  Juli  und  September  27°  bis
29°  N-Br,  August  30°  bis  33°  N-Br.
8 )  Ueber  die  Ausgleichung  vieler  Beobachtungsreihen  vgl.  „Ann.  d.  Hydr.  etc.“  1882,  II.,
Seite  72:  Die  Bahnbestimmung  der  Wirbelstürme  durch  Normalörter.
            
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