Durch die Sonnenwärme hervorgerufene Aenderung der Kompafs-Deviation.
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Lieut. Morier erklärt die Erscheinung dadurch, dafs durch Erwärmung
der eisernen Schiffswand dieselbe an Magnetismus verliert und dadurch eine
Veränderung der Ablenkung der Kompafsnadel hervorgerufen wird. Nach seiner
Ansicht tritt dieser Verlust an Magnetismus ein in demjenigen Theile, welcher
erzeugt wird durch die Vertikal-Induktion des Erdmagnetismus, und macht
seinen Einflufs auf die halbkreisförmige Deviation geltend. Von den Koefficienten
der letzteren wird C verändert; derselbe setzt sich bekanntlich aus zwei Theilen
zusammen,
und
IS,
X H
; die erstere Gröfse drückt den genannten,
durch die erdmagnetische Vertikal-Induktion erzeugten Theilbetrag aus, die
letztere den Betrag des permanenten Magnetismus. Die erdmagnetische Induktion
wirkt auf die eisernen Schiffswände (in nördlicher Breite, wie im vorliegenden
Falle) derart, dafs oben ein Südpol, unten ein Nordpol entsteht, von denen der
erstere dem Kompafs näher und eine Ablenkung seiner Nadel hervorruft. Wird
nun die Steuerbord-Seite erwärmt, so wird der Magnetismus derselben schwächer,
was sich in einer Ablenkung der Nadel nach der auderen Seite, nach Backbord,
bemerkbar machen mufs; auf der „Magellan“ war dies der Fall am Vormittag,
wo eine Abnahme der östlichen Deviation beobachtet wurde, welche mit der
zunehmenden Erwärmung der Steuerbord-Seite gröfser wurde. Nachdem die
Sonne die Steuerbord-Seite am Mittag verlassen und die Backbord-Bordwand
bestrahlte, trat ein Rückgang in der Bewegung der Kompafsnadel ein, und mit
der Erwärmung dieser Seite fand nun am Nachmittag die umgekehrte Er
scheinung statt, wie am Vormittag, d. h. es erfolgte eine Ablenkung der Nadel
nach Steuerbord, eine Vergröfserung der östlichen Deviation.
Diese gegebene Erklärung dürfte für die beobachteten Erscheinungen
hinreichen — durch Erwärmung der Steuerbord-Bordwand wird C verkleinert,
durch Erwärmung der Backbord-Seite wird C vergröfsert —, doch erscheint
uns die Annahme, dafs der durch Vertikal-Induktion entstandene Theil des
Magnetismus -j 1 f. tg & durch Erwärmung abnimmt, nicht einwandsfrei; nach
unserer Ansicht mufs im Gegentheil gerade dieser Theil des Magnetismus zu
nehmen, da die Induktionsfähigkeit des Eisens mit der Wärme zunimmt — für
gewöhnliche Lufttemperatur nach Lamont für jeden Grad Wärmezunahme
" S„
um T /»oooo —; dagegen wird der permanente Magnetismus
V X H )
durch die
Erwärmung der Bordwand eine Verminderung erfahren, und zwar bei den
niedrigen Temperaturgraden, um die es sich hier immer nur handeln kann,
vorübergehender Art. Wenn wir nun weiter voraussetzen — über die absoluten
Werthe dieser Veränderungen des permanenten Magnetismus ist noch wenig
bekannt —, dafs die Verminderung dieses Theiles des Magnetismus auf der
„Magellan“ gröfser war, als der Verlust an inducirtem Magnetismus, so läfst
sich im Uebrigen die oben gegebene Erklärung vollkommen aufrecht erhalten.
R.
Zur Form der Cyklonen.
(Mit Tafel 1.)
Von E. Enipplng, Tokio.
Die vorherrschende Form der Cyklonen ist die Ellipse. In den Ver
einigten Staaten beträgt nach Loomis die kleine Achse 51 pCt. der grofsen,
in Europa nach van Bebber') 56 pCt., auf dem Atlantischen Ocean 59 pCt.
im Mittel vieler Beobachtungen. Innerhalb der gemäfsigten Zone scheint sich
also die Ellipse auf dem Meere dem Kreise mehr zu nähern, als über den
Kontinenten.
*) van Bebber, Handbuch der ausübenden Witterungskunde 188C, II. S. 221.