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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

Aus dem Heiseberichte der deutschen Bark „Gerd Heye“. 
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3' 
uns hängen blieben, war der Donner manchmal so stark wie der Knall aus 
einer Kanone. Selten habe ich solch schwere Gewitter erlebt. 
Eine eigenthümliche Erscheinung war, dafs die Gewitterwolken nie über 
den grofsen Vulkan Coseguina hinweg zogen. Die Wolken stauten sich an dem 
Berge auf, wandten sich allmählich nordwärts, bis sie das Land passirt hatten, 
und jagten dann in nordwestlicher Richtung fort. 
In Tampisco hatten wir einmal gegen 9 Uhr Abends, bei ganz ruhiger, 
aber schwüler Luft, ein heftiges Erdbeben. Das Schiff erschütterte stark, die 
Ankerketten rasselten, das Ufer brach stellenweise ein und fiel mit den darauf 
stehenden Bäumen ins Wasser. Bei Kap Bolinas, in einer geradlinigen Ent 
fernung von 22 Sm, hatte man die Erschütterung erst um 11 Uhr Nachts 
wahrgenommen. 
Im Golf von Fonseca verändert der Wind häufig seine Richtung, so dafs 
man leicht Gelegenheit zum Ein- wie Aussegeln findet; auch kann man fast 
überall ankern. 
Durch die Sonnenwärme hervorgerufene Aenderung der Kompafs- 
Deviation. 
An Bord des französischen Dampfers „Magellan“ wurden während der 
Reise 1887—1888 tägliche periodische Schwankungen der Deviation beobachtet, 
welche nach einem Berichte des Lieut. z. See M. Morier 1 ) auf derselben 
magnetischen Hemisphäre und bei demselben Kurse stets in demselben Sinne 
erfolgten und eine Gröfse bis zu 3*/* 0 erreichten. Die Vermuthung, dafs diese 
Schwankungen der Erwärmung der eisernen Bordwände durch die Sonne zu 
zuschreiben seien, wurde durch sehr sorgfältig ausgeführte Beobachtungen auf 
der Route von St. Helena nach Frankreich bestätigt. Diese Strecke war für 
derartige Beobachtungen besonders günstig, weil während der Fahrt in den 
Tropen der Kurs nur wenig geändei’t wurde und zwischen Nord und NNW 
schwankte, so dafs die Sonne am Vormittag die Steuerbord-Bordwand und Nach 
mittags die Backbord-Bordwand beschien und erwärmte. Gleichmäfsige schwache 
Winde, glatte See und meist klarer Himmel vermehrten die günstigen Be 
dingungen für Anstellung der Beobachtungen. Die letzteren wurden mit der 
gröfstmöglichen Sorgfalt ausgeführt und zu den Peilungen nur Gestirne mit 
weniger als 30° Höhe benutzt. Der Kompafs, Konstruktion Thomson, befand 
sich auf Achterdeck und 7Vs m von den Bordwänden entfernt. 
Aus den Beobachtungen, von denen wir nur die hauptsächlichsten zur 
Bestätigung der nachfolgenden Resultate folgen lassen, leitet Lieut. Morier 
die folgenden Sätze ab: 
1. Die (östlichen) Deviationen sind am Morgen stets geringer, als 
am Abend. 
2. Sie nehmen im Laufe eines Vormittags mit der gröfseren Erwärmung 
der Steuerbord-Bordwand durch die Sonne allmählich ab. 
3. Umgekehrt nehmen dieselben am Nachmittag, wenn die Sonne nach 
Backbord geht und diese Seite des Schiffes erhitzt, zu. 
4. Die anormalen Deviationen verschwinden etwas nach Sonnenuntergang. 
5. Die zwischen den Deviationen des Vor- und Nachmittags gefundenen 
Differenzen sind um so gröfser, je höher die Temperatur und je klarer der 
Himmel. 
x) Revue Maritime et Coloniale. November 1889.
	        
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