accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 18 (1890)

100 
Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark »Gerd Heye“. 
Wenn das Schiff in den Nebenplätzen der Küste Nicaraguas zu laden 
hat, so mufs es für die Zeit seines Aufenthalts zwei Zolloffizianten an Bord 
nehmen, denen es nicht nur die Beköstigung zu liefern, sondern auch das Ge 
halt — 40 Dollar pro Monat — zu zahlen hat. Einige Schiffe erhalten aufser- 
dem einen Supercargo. Dazu hat man noch einen Wäger für die Holzladung 
und alle paar Tage den Ablader an Bord, die alle dem Schiffe auf der Kost 
liegen, und mufs dieses, um so viele Menschen zwei bis drei Monate lang mit 
durchfüttern zu können, schon gut mit Proviant ausgerüstet sein. 
In Corinto ist der Proviant sehr theuer. Salzfleisch so wie Mehl müssen 
von San Francisco gebracht werden und sind oftmals kaum erhältlich. Wenn 
man auch ohne Lootsen ein- oder aussegelt, mufs man doch das halbe Lootsen- 
geld bezahlen. 
Estero Beal.*) Mit 200 Tonnen Gelbholz und Ballast versegelten wir 
von Corinto nach dem Golf von Fonseca, wo wir südwestlich von Monipenny- 
Spitze auf 11 m (6 Fad.) Tiefe vor Anker gingen und den Ballast über Bord 
warfen. Dann segelten und trieben wir mit dem Strome den Estero Real hinauf 
nach unserem Ladeplatze Tampisco (Tampesque?). 
Der Estero Real ist ein grofser schöner Flufs, der noch bis Remolinas, 
dem obersten Ladeplatze, eine Tiefe von 9 bis 15 m (5 bis 8 Faden) hat. 
Am letzteren Orte, wie in Tampisco, ist er genügend breit, dafs Schiffe von 
50 m Länge, vor zwei Ankern vertäut, Platz zum Rundschwaien haben. 
Auf der Barre vor dem Flusse, die eine Breite von 4 bis 5 Sm hat, be 
trägt die geringste Wassertiofe bei Niedrigwasser 4 bis 4,5 m (274 bis 
2Vs Fad.); die Fluth steigt 1,8 bis 2 m. Im Flusse liegen zwei Klippen, die 
eine bei Playa Grande die andere bei Haciendas, beide auf der Südseite, denen 
man bei der starken Strömung nicht zu nahe kommen darf. Landmarken zur 
Bezeichnung der Lage der Klippen sind nicht vorhanden. Im Uebrigen bietet 
das Fahrwasser keine Schwierigkeiten. 
Auf den verschiedenen Ladeplätzen des Estero Real-, Dos Aguas, Dongeito, 
Tampisco und Remolinas, liegen die Schiffe in der vollständigen Wildnifs. Die 
Ufer sind an beiden Seiten bis in den Flufs hinein mit Manglebäumen besetzt, 
deren Wurzeln, ehe sie sich zum Stamme vereinigen, mehrere Fufs hoch aus 
dem Schlammboden emporragen und die Schaaren von Affen und Papageien 
zum Aufenthalt dienen. Die einzige Stelle, wo man landen und mit den 
Städten Corinto und Leon in Yerkehr treten kann, ist in Tampisco. Hier stehen 
zwei Häuser. Zu kaufen ist dort so gut wie nichts; für gute Worte und viel 
Geld überlassen einem die Leute wohl mal ein Kalb oder ein Schwein; bezahlt 
man ihnen aber nicht den vollen geforderten Preis, so liegt ihnen nichts daran, 
ihre Waare los zu werden. Nach Aussage unseres Abladers soll das Holz oben 
am Flusse, so weit es sich in der Nähe des Wassers befindet, schon nahezu 
alles gefällt sein. Später mufs es auf Wagen herangebracht werden, was mit 
grofsen Schwierigkeiten verknüpft sein wird. Die Arbeiter sind sehr faul. 
Sind sie für einige Tage für 1 Dollar den Tag beschäftigt gewesen, so haben 
sie für lange Zeit genug, denn ihre Familie hat nur Bananen und Mais zu ihrem 
Unterhalt nöthig. 
Den Rest ihrer Ladung nehmen die Schiffe gewöhnlich aufserhalb des 
Flusses auf einem Ankerplätze östlich von Kap Bolinas, wo sich eine Rinne 
mit 7 bis 9 m (4 bis 5 Fad.) Wassertiefe befindet. Das Holz wird dorthin von ver 
schiedenen Stellen gebracht. An diesem Orte ist auch ein Rancho, wo Vieh 
zucht getrieben wird, und kann man hier, wenn mehrere Schiffe anwesend sind, 
zuweilen frisches Fleisch erhalten, zuweilen auch einige Früchte; irgend etwas 
Anderes ist hier nicht zu haben. 
Während der Zeit, dafs wir bei Kap Bolinas ladeten, hatten wir fast 
an jedem Tage Abends oder Nachts schwere Gewitter, die von Nordost oder 
Südost herüberzogen, mit Regenböen. Letztere waren manchmal so stark, dafs 
das beladene Schiff sich bis 15° überlegte, doch hielt der heftige Wind ge 
wöhnlich nicht lange an. Interessant war das Leuchten der Blitze. Sie zeigten 
sich als dicke Strahlen, die sich ausbreiteten und unter Krachen nach ver 
schiedenen Richtungen auseinander stoben. Da die Gewitter des Oefteren über 
1 ) Siehe diese Annalen“ Jahrgang 1886 Seite 278, 1887 Seite 464 und 1889 Seite 24.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.