94
Áus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Levuka“.
Strom nicht bemerkt worden. Zwischen der Insel Santa Clara und der Spitze
Arena machte sich die Gezeitenströmung fühlbar, die je weiter in den Golf von
Guayaquil hinein, desto stärker auftrat.
Die Höhen auf der Insel Puna sind 20 bis 25 Sm weit sichtbar, und
dienen namentlich der Berg Zampo Palo und der Hügel Mala den Schiffen als
gute Peilgegenstände. Die ganze Südküste dieser Insel ist bis zttr Spitze
Española niedrig und bis zur Hochwasserlinie dicht mit Wald bewachsen. Die
Spitze Salinas kommt von Deck aus erst auf einem Abstande von 6 Sm in
Sicht, die Spitze Arena, welche höher ist, schon auf 12 Sm. Der weifse vier
eckige Thurm auf der letzgenannten Landspitze, von dem ein vorzügliches,
rothes Drehfeuer gezeigt wird, steht frei von den Bäumen und ist 10 Sm weit
zu sehen. Ich benutzte zur Einsegelung in den Guayaquil-Plufo das östliche
Fahrwasser, in welchem man seinen Schiffsort durch Kreuzpeilungen ebenso
sicher wie in dem westlichen Fahrwasser niederlegen kann. Die geringste von
uns angelothete Wassertiefe betrug 6V* Fad. (11,4 m). Dwars von Punta Arena
beobachteten wir bei tauber Gezeit einen Ebbestrom von 3 Kn.; zwischen dem
Nordende der Mala-Bank und der Spitze Mondragon erreichte die Fluth
gar eine Geschwindigkeit von 4*/» bis 5 Kn. Das feste, weifse Fener von
Española Point wurde von uns auf eine Entfernung von 15 Sm gesichtet.
Als wir uns um 12 Uhr Nachts der Spitze Mondragon genähert
hatten, schralte der bis dahin südliche Wind weg, die Fluth setzte stark auf
Pürta-Untiefe zu, und wir waren deshalb geuöthigt, auf einer Wassertiefe von
12,8 in (7 Fad.), über Sand- und Muddgrund, mit Mondragon-Spilze in NWzW
mw. zu ankern. Hier setzte die Fluth nach NzW, die Ebbe nach S, beide mit
einer Geschwindigkeit von 4 Kn. Mit Tagesanbruch am 13. Oktober heilsten
wir die Lootsenflagge, aber obwohl im Lauf des Vormittags drei einkommende
Dampfer von Puna aus mit Lootsen besetzt wurden, kam doch keiner zu uns
hinaus. Um 2 Uhr Nachmittags lichteten wir bei der einsetzenden Seebriese
unseren Anker und segelten nach dem Dorfe Puna, woselbst etwa s /i Sm vom
Lande, den dortigen Feuerthurm in der Peilung mw S'/vW, auf einer Wasser
tiefe von 13,7 in (7*/a Fad.) geankert wurde. Hier hat man die Zollvisite zu
erwarten, welche den Lootsen und einen Zollbeamten mitbringt. Letzterer
bleibt während der ganzen Anwesenheit des Schiffes in Guayaquil an Bord. Bei
einer Stückgutladung haben sogar zwei Zollbeamte die Wache au Bord, und
beide müssen vom Schiffe beköstigt werden. Trotzdem hat man Alles unter
sicherem Verschlufs zu halten, da Diebstähle nicht selten Vorkommen, wenn
nicht anders ausführbar, selbst mit Benutzung von Nachschlüsseln.
Das Hinaufsegeln von Puna nach Guayaquil bietet des vorherrschenden
Südwindes wegen in der Regel keine Schwierigkeit. Auf der Barre fanden wir
einsegelnd, bei tauber Gezeit und Dreiviertelfluth, 5,5 m (18 Fufa), beim Hinaug-
kreuzen später, bei Hochwasser und Springzeit, 7,0 m (23 Fufs) Wassertiefe.
Der Gezeitenstrom läuft bei Guayaquil mit einer grofsen Geschwindigkeit;
zur Zeit des Neu- und Vollmondes erreicht dieselbe mehr als 6 Sm in der
Stunde. Eine auffällige Erscheinung während unseres Aufenthalts dort war die
bedeutend gröfsere Stärke des Fluth- als des Ebbestroms. Da beide von
gleicher Dauer waren, kann ich mir keine Erklärung über den Verbleib des
überschüssigen einströmenden Wassers machen. Durch die Verdunstung allein
kann es doch schwerlich abgeführt werden.
Das Klima war in Guayaquil von Mitte Oktober bis Mitte November 1888
sehr angenehm. Am Nachmittag setzte gewöhnlich zwischen 2 und 4 Uhr frische
südliche Briese (die Seebriese) ein, die die ganze Nacht hindurch anhielt und
die Luft während der letzteren so weit abkühlte, dafs man sie fast kalt nennen
konnte. Um 10 Uhr Vormittags wurde es gewöhnlich für die Dauer einiger
Stunden windstill. In dieser Zeit, bevor die Seebriese von Neuem einsetzte,
konnte es manchmal sehr heifs werden, doch war die Luft, auf dem Flusse
wenigstens, keineswegs drückend.
Die Lage von vier der im Golf von Guayaquil vorhandenen Tonnen habe
ich durch sorgfältige Kreuzpeilungen, wie folgt, bestimmt: Tonne I, an der
Aufsenkante der bei Niedrigwasser trocken laufenden Bank Arena, liegt l 1 /* Sm
mw ONO vom Leuchtthurm auf der gleichnamigen Landspitze. Zur Bezeichnung
der ü/flda-Bank dienen drei Tonnen; von diesen liegt die südlichste 4% Sm