Vierteljahrs-Wetter-Rundschau «1er Deutschen Seewarte, Frühling 1885.
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Luftdruck an der Westküste Grönlands war zwar nicht viel niedriger als ge
wöhnlich, durch die abnorme Höhe des Druckes bei den Azoren und im Innern
von Nordamerika trat jedoch die Depression über der Davisstrafse viel stärker
hervor, als im März normal ist.
Auf der Mittelkarte des April 1885 sind, im Gegensatz zum März, die
beiden Gebiete niederen Druckes im Europäischen Eismeere und an der Davis
strafse nur wenig entwickelt, um so mehr aber das zwischenliegende südlich
von Island. Heber diesem Meerestkeile bewegten sieh während der zweiten
Hälfte des Monats stark ausgebildete cyklonale LuftwirbeL Das Hochdruck-
Gebiet der Rossbreiten ist ebenso stark ausgebildet, wie im März, nur etwas
südlicher gelegen. Der niedrige Luftdruck io Central- und Siideuropa ist nicht
mit der hohen Temperatur des Monats in Centraleuropa in Verbindung zu
bringen, weil ersterer vorwiegend der ersten, letztere der zweiten Hälfte des
Monats angehörten.
Die Isobarenkarte des M a i endlich weist als auffälligsten Zug den
hohen Luftdruck über Ostgrönland auf, welcher schon vom 6. bis 17. April
geherrscht hatte, aber in den Mittelwerthen jenes Monats nicht zur Geltung
gekommen war. Obwohl im Maximum selbst Beobachtungen fehlen, ist seine
Lage durch jene der isländischen Stationen und der Station der dänischen
ostgrönländischen Expedition in 6572° N-Br genügend festgestellt. In Europa
dagegen war das Monatsmittol des Luftdrucks allgemein zu niedrig, besonders
in der nördlichen Nordsee, wo diesesmal der niedrigste Druck der ganzen
Monatskarte sich findet. Das Hochdruck-Gebiet der Rossbreiten ist etwas
schwächer entwickelt, als normal.
Schliefslioh mögen wiederum einige Notizen aus Schiffsjournalen über
interessante Erscheinungen Platz finden.
22. April. S. 86 (30° W, 47° Kf). Um 9 ja Elmsfeuer während einer heftigen Hagelböe.
23. April. D. 38 (24° W, 49° N), üm 8 p Wind N11, Barometer 739,7.
24. April. D. 30 (16° W, 50° N). Um 12a niedrigster Luftdruck, 727,2, bei SE6; um
4 p Wind NE 7, am 12 p N10; Blitzen; orkanartige Hagelböen.
5. Mai. S. 82 (47° W, 36° N). Um 10 p Gewitter und Elmsfeuer. — S. 114 (23° W,
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iS. Mal. D. 46 (49° W,’ 42® N). Um 8p Wind ESE9, Barometer 736,5. — S, 114
(28° W, 56° N). Von 1 bis U/2 a schwaches Nordlicht.
7. Mai. D. 68 (49° W, 40° X). Um 8 p Wind IvSK 4, Barometer 742,5; der Wind war
während des Tages bei heftigem Regen von N durch W nach ESE u(»gelaufen.
9. Mai. S. 86 (67® W, 39° N). Um 10 p Elmsfeuer bei Gewitter und strömendem Regen.
11. Mai. S. 77 (68° W, 40° N). Um 10 p Nordlicht.
12. Mai. S. 114 (40° W, 51° N). Um 2 a schwaches Nordlicht. — S. 68 (17° W, 47° N),
Abends starkes Nordlicht.
13. Mai. ». 77 (40° W, 45° N). Von 11 bis 12 p Nordlicht. — S. 68 (19° W, 46° N).
Abends starkes Nordlicht. — S. 75 (16° W, 47° N). Kurz vor Mitternacht Nordlicht.
14. Mai. S. 118 (69° W, 40° N). Wind um 6 p SSW 9, um 8 p SSW 10, um 12 p
SWsiS 10. —- D. 75 (45° W, 43° N). Nachts vom 13. zura 14. schwaches Nordlicht. — D. 78.
desgl. — 8. 68 (17° W, 46° N). Morgens früh Nordlicht. — S. 75 (12° W, 48° N) desgl.
18. Mai. S. 82 (70° W, 36° X;. Um 3'/* a niedrigster Luftdruck, 751,7, bei SK 8; um
4 a NW/.W 7. -
19. Mai. D. 76 (18° W, 19® N). Es wurde gelber Wiistenstaub bemerkt.
26. Mai. S. 33 (55° W, 40° N). Um 3a prachtvolles Nordlicht.
(Schlufs folgt.)
Kleine Notizen. 1 )
1. (D. S.) Südlieht-Erseheinungen. a) An Bord der deutschen
Bark »Pallas«, Kapt. J. H. Stege, beobachtete man auf der Roise von London
nach Townmüle am 28. Juli 1886 kurz nach Mitternacht auf etwa 43,0° S-Br
und 115,8° O-Lg ein helles Südiickt. Der Himmel war schwach bewölkt, und
es wehte ein starker NW-Wind; am westlichen Horizont wetterleuchtete es.
t) Die mit (D. S.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewarte eingesendet.
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