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Vier teljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1885.
von Grönland sich südwärts nach dein grofsen transatlantischen Datnpforweg
verlegte; sowie ferner durch die aufserordentliche Kälte in Centraleuropa,
welche in dem grofsen Schneesturm zu Wien am 15. gipfelte, dessen Beschreibung
man in der Monatl. Uebersicht d. Witterung nach der Oesterr. Zeitschr. f. Met.,
1885, S. 228, wiedergegeben findet. In der Korrespondenz aus Bayern S. 12
der Monatl. Uebers. wird darauf aufmerksam gemacht, dafs der Kälterückfall
in diesem Mai nicht unter den gewöhnlichen Bedingungen — Aufklaren und
Nachtfrost — eintrat, sondern die Merkmale eines Junirückfalls trug: trübes
Wetter and Abkühlung durch Niederschläge. Die Temperaturkurve des Monats
zeigte in Süddeutschland eine langgedehnto Senkung unter die normalen Wertho,
welche die Tage vom 6. bis 25. umspannt und ihren tiefsten Werth am 15.
und 16. findet, ohne die sonst gewohnten jähen Sprünge.
Wie es bei Schneestürmen in Oesterreich und Ostdeutschland gewöhnlich
ist, so trat auch dieser in Begleitung eines barometrischen Minimums auf,
welches vom Mittelmeere zur Ostsee auf der sogenanten Zugstrafse Yb fort-
schritt. Solche Minima sind häufig vorher vom Kanal zum Mittelmeere gezogen;
diesmal kam die Depression von West her, und lag am Kanal noch am 12. ein
schwaches Maximum. In der Nähe der Alpen erlitt dabei die Depression eine
Umgestaltung, indem das ursprüngliche Centrum verschwand und ein neues am
Südosträude sich bildete, mit dessen mächtiger Entwickelung der erwähnte
Schneesturm zusammenhing.
Am 18.—19. Mai wurde das gröfso Hochdruck-Gebiet, welches bis dahin
westlich vom Kanal gelegen hatte, durch ein neues, von Amerika kommendes
aufgesogen, welches sich darauf ruckweise südostwärts verlegte und vom 21.
an südlich von den Azoren lag. Damit war die ganze Wetterlage eine andere
geworden; das Ende des Frühlings-Vierteljahres, der Zeitabschnitt vom
19.—31. Mai, weist abermals ziemlich tiefe Depressionen bei Schottland und
Irland, hohen Druck über Grönland und beim 30. Grade nördl. Br. auf. Die
Depressionen, welche sich in diesem Zeitraum im langen zwischenliegenden
Streifen vom Missouri bis zum Weifsen Meere tummelten, waren zwar nicht
durch besonders starke Entwickelung ausgezeichnet, die Verfolgung ihrer ge
wundenen Bahnen bietet aber Interesse durch die gegenseitige Beeinflussung
der einzelnen Wirbelcentren. Bei aufmerksamer Betrachtung der Karte VIII
wird man finden, dafs diese Windungen in den meisten Fällen zu ihrer Linken,
in der Richtung der Bahn gesehen, ein anderes Wirbelcentrnm haben, sei es
ein Theilminimum, sei es ein voll ausgebildetes. Man vergleiche z. B. die Bahnen
am 22.—23. bei den Britischen Inseln, am 24.—26. bei Norwegen u. s. w. Es
ist dieses Verhalten bekanntlich der Ausflufs eines allgemeineren Gesetzes, auf
dessen Aeufserungen wir in dieser Rundschau schon sehr häufig hinzuweisen
Gelegenheit genommen haben, und welches besagt, dafs die Wirbel mit der in
ihrer ganzen Masse (nicht nur am Erdboden) überwiegenden Strömung fort
wandern.
Durch die Entwickelung eines schwachen barometrischen Maximums in
Centraleuropa und die Nachbarschaft der Depression NW von Irland waren
die letzten Tage des Monats in Deutschland, im schroffen Gegensatz zur vorher
gehenden kalten Zeit, heifs und reich einerseits an Sonnenschein, andererseits
an Gewittern.
Werfen wir zum Schlufs einen Rückblick auf das Vierteljahr, unter
Benutzung der Karten der Monatsisobaren seiner drei Monate, welche den
„Täglichen synoptischen Karten“ beigelegt sind.
Im März 1885 war der mittlere Luftdruck bei den Azoren um mehr
als 5 mm über seinem Normalwerthe infolge der aufserordentlich hohen Maxirna,
welche seit dem 13. über der Mitte des Oceans lagerten; auf dem Meere
zwischen Finnmarken und Spitzbergen war er um ebensoviel zu niedrig, weil in
allen drei Dekaden tiefe Depressionen daselbst ihren Weg suchten. Osteuropa
hatte ein ungefähr normales Monatsmittel des Luftdrucks. Infolge dieser Ver-
theilung wurde der Nordon unseres Erdtkeiles von warmen westlichen, der
Südwesten von kalten nördlichen Winden vorherrschend überfluthet. — Der