Vierteljalirs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte, Frühling 1885. 83
aus Mangel an Beobachtungen nicht entscheiden; jedenfalls aber verfolgte das
nordöstliche Thcilstück der Depression vom 18. an als gut ausgebildeter Wirbel
seinen Weg nach der Barents-See zu, während das südöstliche, nun schwächer
ausgebildete, unter unregelmäfsigen Umbildungen SW von Island liegen blieb,
bis es am 22.—23. von einer der so häufigen intensiven Randbildungen in
seinem SW-Viertel verschlungen wurde. Während der raschen Ausbildung und
Annäherung dieses neuen Wirbels schmolz der hohe Luftdruck in Centraleuropa
dahin und erschienen in der allgemeinen Südströmung auf ihrer Vorderseite
schwache Theilminima, welche in Deutschland zuerst am 22. beifses Wetter,
dann, am 23., schwöre Gewitter mit grofsen Drucksohwankungen und nach
folgender Abkühlung, endlich, als das Centrum der Depression sich wieder nach
NW entfernte und seinerseits von einer Neubildung an seiner Südseite ver
schlungen wurde, abwechselnd Hitze und Regengüsse bewirkten (vgl. Monatliche
Uebersieht der Seewarte, S. 2—3).
Die Wetterlage dieses Zeitabschnitts vom 24.—30. April wird im
Gebiete des Nord atlantischen Oceans von dem niedrigen Drucke nordwestlich
von Irland und dem stationären Hochdruckgebiet bei den Azoren beherrscht.
Südöstlich von den Bcrmuden liegt eine flache Depression, durch welche die
Windverhältnisse der westlichen Hälfte des Oceans sich ziemlich anomal ge
stalten, und welche erst in den letzten Tagen des Monats sich rasch nordost-
wärts zu entfernen scheint, Ueber dem Amerikanischen Festland sehen wir
während dessen drei barometrische Maxima rasch hinter einander ostwärts vor-
rücken, die aber alle bei Erreichung der Küste sich ausgleiehe». Die Bewegung
dieser Maxima war eine allzu rasche, als dafs ihre Anwesenheit in der mittleren
Lage der Isobare 765 auf Karte V einen Ausdruck finden könnte, welche viel
mehr nur ein einziges rundliches Hochdruckgebiet bei und südlich von den
Azoren aufweist.
Auf der folgenden Karte VI, welehe den Zeitabschnitt vom 1, —10. Mai
darstellt, ist dieses Hochdruckgebiet noch mehr eingeschränkt und südwärts
verschoben, dagegen zeigt sich ihm gegenüber, übor Grönland, ganz ähnlich wie
auf Karte IV, ein zweites Gebiet anhaltend hohen Luftdrucks. Zwischen diesen
beiden, ihren Ort nur wenig ändernden barometrischen Maxima hindurch zieht
sich von den nordamerikanisehen Seen bis nach Russland ein Gebiet, auf dem
zahlreiche barometrische Minima ihr Wesen treiben, von denen jedoch nur eines,
am 6.—9., und zwar auf der Mitte des Oceans, starke Entwickelung zeigt. Auf
der grofsen Dampferstrafse zwischen dem Kanal und New-York waren die Winde
an den ersten drei Tagen, wo die Minima nördlich von derselben lagen, vor
herrschend westlich, an den letzten fünf, wo sie südlich davon fielen, östlich
(theilweise mit stürmischer Stärke), am 4. und 5. aber fiel die Axe des niedrigste»
Druckes mit der Dampferstrafse zusammen, so dafs der Wind auf den nördlicher
stehenden Schiffen meist östlich, auf den südlicher stehenden meist westlich war.
In Westeuropa sehen wir die Wirbel in diesen Tagen das so häufige
Schauspiel des gegenseitigen Umkreisens im Sinne gegen den Uhrzeiger dar
bieten, aber auch das minder häufige der unregelmäfsigen Theilungeu und
Wiederverschmelzungen. Das Wetter war, trotzdem in Deutschland südliche
Winde vorwalteten, anhaltend kühl, namentlich aber in Osteuropa sehr kalt, in
Nordrussland an den meisten Orten bis zum 9. Mai mit starkem Frost; um
7 1:1 a. m. zeigte das Thermometer in Mesen an diesen Tagen — 6° bis —13°,
und auch an den Stationen südlich vom Woifsen Meere meistens —2° bis—10°
Aehnliche Fröste herrschten am 6.—8. Mai in Manitoba, und diese niedrige
Temperatur daselbst dürfte die Ursache sein der unregelmäfsigen, zögernden
Bewegung des Minimums am 7.-8. am Oberen See, da sie den Einflufs des
barometrischen Maximums, das gleichzeitig in jenem kalten Gebiet lag, und
welches das Minimum südostwärts getrieben haben würde, auf die unteren Luft
schichten beschränkte und damit lähmte. Die gewundene Bahn des Minimums
ist nach der Bahnenkarte des Signal Office zu Washington in Karte VI ein
getragen und auf den Beobachtungstelegrammen von 8 zu 8 Stunden gegründet.
Der folgende Zeitabschnitt vom 11. —18. Mai zeichnete sich aus
durch die sehr nördliche Lage des höchsten Luftdrucks auf dem Ocean, welche
dadurch entstanden war, dafs der letzte Rest des schwachen Maximums südlich
von den Azoren, das wir auf Karte VI sehen, verschwand und dagegen jenes
Am. tl. Kycfr, otc., 1889, Hoffe II, Q