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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Der Einflnfs des Windes auf die Temperaturvertheilung des Wassers. 
am folgenden Tage die kalte OboiHäciiciiscbicht wieder über über den ganzen 
Fjord verbreitet, und das nördliche End© war mit einer dünnen Eisdecke belegt. 
Fünf Tage später war durch einen inzwischen eingetretenen leichten 
Nordwind die ganze Oberflächenschicht ans dem Fjord heransgetriebcn; an der 
nördlichen Seite des Fjords war die Temperatur des Oberflächenwassers um 
6° F. (S’/s 9 0.) gestiegen, nach Süden zu allmählich abnehmend; Temperaturen 
unter 45° waren nur uoch am Ausgange des Fjords bis zu 2 Faden (5 m) 
Tiefe zu finden. Mit der Temperaturzuuahme wurde gleichzeitig das Wasser 
salzhaltiger und klarer, so dafs man im innersten Winkel des Fjords in 2 bis 
3 Faden (3(4 bis 5Vs m) Tiefe bis auf den Grund sehen konnte, während vor 
her an derselben Stelle das Wasser braun gefärbt und so süfs war, dafs es zum 
Kochen verwandt wurde. 
Wie hier sich die Erscheinung sofort dem Auge durch das Aussehen des 
Oberflächen wassers kennzeiolmet, so ist dies bei fast allen Fjorden der Fall, 
bei welchen die Kommunikation mit. dein Seewasser erschwert ist. Während 
für gewöhnlich Salzwasser die Tiefen füllt und über demselben eine Schiebt 
süfsen Wassers lagert, welche sich durch eine schmutziger© Färbung bemerkbar 
macht, tritt bei Stürmen so der einen oder der anderen Seite das salzige und 
klare Tiefenwasser an die Oberfläche. 
Mit dem besprochenen Vorgänge scheint auch die an den Küstenbädern 
gemachte Erfahrung übereinzustirnmen, dafs das Wasser bei stillem Wetter und 
ruhiger See kalt ist, dagegen bedeutend wärmer bei stürmischem Wetter und 
Seegang. Während man bisher die Ursache hierfür meistens in der thermo 
dynamischen Erwärmung des Wassers durch die bewegte See suchte, liegt nach 
dem Vorhergehenden die Erklärung durch die aufsaugende Wirkung der Winde 
an der Luvküste näher. An dieser Küste ist, wenn der Wind von Land weht, 
die See stets ruhig, und nur bei auflandigem Winde kanu eine hohe See auf- 
kommen. In den Wintermonaten mufs hier die umgekehrte Erscheinung auf- 
treten, d, 3i. das Wasser ist warm bei ruhiger See, kalt bei Seegang, weil dann 
das warme Wasser in der Tiefe, das kalte au der Oberfläche lagert, und bei 
ruhiger See, d. h. ablandigem Winde, das letztere von der Küste verdrängt wird 
und das erster© an die Oberfläche steigt. ß. 
Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte 
an der Hand der täglichen synoptischen Wetterkarten für den 
Nordatlantischen Oeean. 
Frühling 1885. 
(Fortsetzung.) 
Hierzu Tafel 3 und 4. 
Durch das Verschwinden des Hochdruckgebietes über Grönland und das 
Auftreten eines anderen über der Nordsee wird der Eintritt eiues neuen Zeit 
abschnittes gekennzeichnet, welcher die Tage vom 18. — 23. April nmlafst. 
Hoher Luftdruck sowohl über der Ostküste von Nordamerika, als über SW- 
Europa, zeichnet denselben vor seinen Nachbarn aus. Die kräftige Depression, 
die am 12.—16. April in der Nähe von Neufundland verweilte, bildete am 
17.—18., als das Maximum über Grönland sieh ausglieh, entweder ein Theil- 
minimum auf ihrer Nordostseite aus, dem sie sich darauf selbst, unter geringem Orts 
wechsel, als Theilminimum onterorduete, oder sie erhielt infolge des nunmehrigen 
Ueberwiegeiis der Luftströmung auf ihrer Südostseite einen starken Antrieb 
nach Nordost.. Welche dieser Auffassungen, deren erster© den gedruckten 
synoptischen Karten entspricht, in Karte V aber von uns darob die wahr 
scheinlicher erscheinende zweite ersetzt worden ist, die richtige ist, läfst sich
	        
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