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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Aus dem Reiseberichte S. M. S. „Olga“. 
Gegen 10 Uhr am Abend wurde das bis dahin klare Wetter diesig, 
leichter Nordwind setzte ein, die Temperatur des Wassers fiel innerhalb einer 
Stunde von 2b,2° 0. auf 20,8°, die der Luft von 26° auf 21°. Der Wind führte 
einen auffallend starken Geruch nach verwesendem Seetang etc. mit sich. 
Da diese Anzeichen darauf sehliefsen liefsen, dafs sich das Schiff nicht 
mehr in ostwärts setzender Strömung und wahrscheinlich westlich des Meridians 
von Ras Hafun befand, ferner gegen 1 Uhr schwerer Nebel einfiel, wurde mit 
langsam gehender Maschine 15 Sin nach Ost gedampft, bis gegen 5 h 30 m a. m. 
den 24. September das Wetter aufklarte. Um Land auszumächen, wurde NW 
gesteuert, und kam um 7 h 30“, nachdem 18 Sm abgelaufen waren, Ras Hafun 
recht voraus in 15 Sm Abstand in Sieht. Die oben erwähnte Annahme fand 
hiermit ihre Bestätigung. 
Die (Socoira-Strafse passirte S. M. S. „Olga“ ohne jede Stromversetzung, 
im Golf von Aden wurde auf dem 12. Breitengrade bis 49° O-Lg östlicher, 
20 Sm, und von dort ab südsüdwestlicher, 11 Sm im Et aal setzender Strom 
vorgefunden. 
Nach der in diesen Annalen 1888 Seite 245 gegebenen Anweisung wurde 
in der Sttafse stündlich die W assortemperatur gemessen, um die Zuverlässigkeit 
dieser Ortsbestimmung zu prüfen, und das dort im Allgemeinen Gesagte be 
stätigt gefunden. 
Beim Passiren des Kap Guardafui in einem Abstande von 15 Sm hörte 
jedoch die allmähliche Zunahme der Temperatur auf, das Thermometer stieg 
vielmehr ganz plötzlich von 26° auf 30° C. Ein warmer Oststrom setzte dicht 
unter der Nordküsto von Guardafui entlang, während nach den Segelanweisungen 
dort Weststrom laufen soll. 
Der Einflufs des Windes auf die Temperaturvertheilung des Wassers. 
Es ist in diesen Annalen mehrfach darauf hingewiesen worden, einen wie 
grofsen Antheil die Winde nicht nur an der horizontalen, sondern auch an der 
vertikalen Wassercirkulation der Oeeane nehmen, dafs speciell die an vielen 
Leeküsten der Kontinente oder den Luvseiten der Wasserbecken auftretenden 
niedrigen Oberflächentemperaturen des Wassers der Wirkung der Winde insofern 
ihre Entstehung verdanken, als dieselben einen Abflufs grofser Wassermassen 
nach Lee erzeugen, welcher zum Theil durch das aus der Tiefe aufsteigende 
kältere Wasser Ersatz findet (vgl. Annalen 1887, Seite 25, 202). 
Zur weiteren Verfolgung dieser Präge hat Herr John Murray eiuo 
Reihe von Temperaturbeobachtungen angestellt, deren im „Scottish Geographical 
Magazine“ (Heft 8, 1888) mitgetheilte Resultate eine schöne Bestätigung der 
gemachten Annahme liefern. Die Beobachtungen wurden in Fjorden an der 
Westküste Schottlands ausgeführt, in welchen infolge ihrer Abgeschlossenheit 
und des dadurch erschwerten Wasserersatzes durch horizontalen Zuflufs die 
Erscheinung um so mehr zu Tage treten rnufste, zum Theil waren es Süfswasser- 
Fjorde, am Kaledonischen Kanal gelegen, Loch Lochy, Loch Oich, Loch Hess, 
zum Theil Seewasser-Fjorde im südlichen Theile Schottlands, Loch Striven, Loch 
Fine, Loch Etive u. a. 
Im Loch Lochy, welcher sich ca 9 Sm weit in der Richtung NO—SW 
erstreckt und Tiefen bis über 70 Faden (128 m) enthält, wurden die ersten 
Messungen am 27. April 1887, an welchem Tage nach einem zwei Tage an 
haltenden Südwest-Sturm Stille eingetreten war, vorgenommen. Wenngleich die 
Unterschiede der gemessenen Temperaturen geringe wax-en, 41,7° und 44° F. 
(5,5° und 6,7° C.), so lassen doch dieselben, sowie das nach denselben ent 
worfene, die Temperaturvertheilung darstellende Diagramm 1 ) deutlich eine An- 
1) Eine Tafel mit Diagrammen ist der Originalarbeit von Murray im „Scottish Geographical 
Magazine“ No. 7, 1888, heigefügt.
	        
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