Bemerkungen über die Durchsichtigkeit des Meerwassers.
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untere Grenze der Vegetation kaum tiefer, als bei 200 bis 250 m zu erwarten.
Die merkwürdige Eigenschaft des grünen Farbstoffes der Pflanzen, durch
Fluorescenz auch die grünen und blauen Strahlen in rothe umzuwandeln, kann
hieran bei der sehr schnellen Abnahme der gesäumten Lichtintensität mit der
Tiefe und dem oben konstatirten ziemlich beträchtlichen Lichtbedürfriifs selbst
der schattenliebenden, braun oder roth pigmentirfen Algen, nicht viol ändern.
Was in grofsen Tiefen, von Diatomeen abgesehen, an pflanzlichen Wesen vor
kommt, kann nur parasitisch auf Thieren leben und damit ganz unabhängig von
jedem Lieht sein.
Die in allen Meeresschichten und -Tiefen nachgewtesene Thierwelt
bietet in ihren sogenannten Tiefseeformen (der abyssischen Fauna) zur Be-
mtheilung der vorliegenden Frage ganz besonders viel anregende Thatsachen,
welche Verrill 1 ) mit Geschick zusammengestellt hat. Er woist zunächst
darauf bin, dafs neben sehr zahlreichen blinden Tiefseethieren doch auch
nicht wenige mit Augen ausgestattet sind, also doch sehen müssen. Dazu
sind diese Augen zum Theil sehr grofs, zum Theil auch sehr hoch entwickelt, und
es ist bekannt, dafs sie sonst überall solchen Thieren verlören gehen, welche
in absoluter Dunkelheit leben müssen (wie den Bewohnern der Höhlenteiche).
Freilich ist nicht immer ausgeschlossen, dafs diese augenbegabten Tiefseethiere
auch in die höheren Schichten hinaufgehen, wenigstens in das Gebiet eines
gewissen diffusen Lichtes bei Tage. Aber auch die unbeweglichen Thiere haben
Eigenschaften, welche auf die Anwesenheit von Lieht am Meeresboden schliefsen
lassen: sie sind vielfach sehr lebhaft gefärbt. Und zwar übevwiegen durchaus
die Farbentöne der rothen Seite des Spektrums: purpur, orange, braunroth.
Schon gelbe Färbung ist selten, grün und blau noch mehr. Da, wie wir sahen,
das Seewasser die Strahlen der rothen Seite des Spektrums schnell und stark
absorbirt, so werden roth gefärbte Thiere am Meeresgründe von ihren mit
Augen begabten Feinden nur ebenso dunkel gefärbt gesehen werden, als wären
sie braun oder schwärzlich, wie die Mehrzahl der Tiefenformen. Diese rothe
Farbe bietet ihnen also den gleichen Schutz und ist zu diesem Zwecke sozusagen
angezüchtet. Wäre die Färbung Zufall, so müfste man sich wundern, keine
blau und violett gefärbten Tiefseethiere anzntreffen. Die Thiere werden also
gesehen, und die Augen ihrer Feinde sind wirklich zu fürchten. Woher aber
aas Licht, ohne das kein Sehen denkbar ist?
Einige Zoologen sind nun geneigt, die Lichtquelle in der Phosphorescenz
vieler Thierfonnen zu suchen, deren Licht überdies wesentlich aus grüuen
Strahlen zusammengesetzt ist, also rothgefärbte Körper nur wenig beleuchten
kann. Solche selbstleuchtenden Lebewesen sind in allen Tiefeuschichten von
der Oberfläche bis zum Boden herab wirklich nachgewiesen. Verrill meint
nuu, diese Thiere liefsen ihr Licht nur dann erstrahlen, wenn sie gereizt würden,
es sei überdies auch ein zu sehwaches Licht, was indefs nach den Erfahrungen
der C/wiffew^rr-Expedition, wie nach denen Chun’s bei nächtlichem Fischen in
mittleren Niveaus zwischen der Oberfläche und dem Bodeu zu bezweifeln ist.
Jedenfalls wird es örtlich stärker sein, als der kleine Best von Sonnenlicht,
der überhaupt in diese Tiefen dringen kann. Ueberdies kommt dazu, dafs wir
über die Lichtempfindlichkeit der Augen solcher Tiefseeformen absolut nichts
wissen. Wir können uns aber sehr wohl denken, dafs ihre Sehnerven auch für
die in relativ gröfster Intensität in die Tiefe gelangten ultravioletten Strahlen,
welche dem menschlichen Auge unsichtbar sind, besonders empfindlich organisirt
seien; es wäre dies nicht ohne Beispiel in der Thierweit. Lubbock 2 ) hat
durch Versuche an solchen Ameisen, welche die Dunkelheit lieben, festgestellt,
dafs ihnen das ultraviolette Licht heller und unangenehmer erscheint, als das
purpurrothe. Da nun überall in der Natur eine zweckmäfsigo Anpassung aller
Organe an die vorhandenen äufsoren Bedingungen gefunden wird, so wäre es
nicht zu verwundern, wenn eich die Augen der Tiefseethiere etwa besonders auf
die Empfindung der violetten und ultravioletten Strahlen eingerichtet hätten.
J) Science vol. 4, 1884, p. 8—10. Auch Marshall, Die Tiefsee und ihr Leben, Leipzig
1888, S, 80. Keller, Das Thierleben in grofsen Meerestiefea, Basel 1883, S. 20 f.
s ) Lubbock, Ameisen, Bienen und Wespen (Internat. Bibliothek Bd. &?), Leipzig 1883,
S. 153 ff.