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Bemerkungen über die Durchsichtigkeit des Meer Wassers.
Ziehen wir nun ans diesen Betrachtungen das Facät, so ist, wie man
sieht, leider nur die eine ganz allgemein auszudrückende Folgerung gesichert,
däfs nämlich Licht, wenn auch von so geringer Intensität, daß dagegen unser
Sternenlicht in Neumondnächten noch sehr hell genannt werden müßte, und
zwar wesentlich zusammengesetzt aus den Strahlen der violetten Seite des
Spektrums, bis in die gröisten irdischen Meerestiefen. eindringen kann, die
rothen und gelben Strahlen dagegen sehen nahe der Oberfläche zum gröisten
Theile absorbirt werden.
Zu ähnlichen unbestimmte» Folgerungen kommt man auch, wenn man die
Verbreitung der Pflanzen und Thiere in den Meerestiefen sich vergegenwärtigt.
Nach einer von Sir Wyville Thomson ausgesprochenen, seitdem öfter
wiederholten Behauptung hat die CW^mpör-Expeditiou irgend welches Pflanzen
leben unter 200 Faden oder 385m Tiefe nirgends gefunden; ob diese Grenze
indefs durch systematische Untersuchung festgestellt worden, ist nicht gesagt,
ist aber zu bezweifeln. Im Golf von Neapel ist bei dem Fischen mit dem
Scbarrnetz noch in 120 bis ISO m Tiefe in klarem Wasser bei Kapri, Ventotene
und Ponza im Hochsommer eine reichliche Algenflora gefunden worden. Wo
dieselbe im Golf ihre unterste Grenze findet, kann vorläufig nicht angegeben
werden. Dafs aber in den Tiefen von 80 bis 100 m die Lichtintensität in den
ruhigen und warmen Sommermonaten bei hochstehender Sonne noch eine be
trächtliche sein muß, folgt daraus, dafs der Botaniker G. Berthold an solchen
Algen hei Kapri deutlich krankhafte Erscheinungen »achweise» konnte, wie sie
bei diesen schattenliebenden Formen nur durch ungewohnt starke Bestrahlung
auf treten. 1 ) Die in 70 bis 80 m herrschende Beleuchtung vergleicht Berthold
derjenigen des ziemlich intensiven diffusen Sonnenlichtes;. Die rothen Flondeen,
die hier wesentlich, aber nicht ausschließlich, in Betracht kommen, gedeihen
nur im Winter und Frühling auf den flacheren Stellen im Golf von Neapel
oberhalb 50 m, während die intensive Sonnenstrahlung im Sommer sie abtötet, wo
sie nicht an beschatteten Seiten der Felsblöcke oder unter dem Schutze der
größeren Algen sieh davor bergen können. Andererseits aber bedürfen doch
auch diese Schattenformen noch eines gewissen, nicht geringen Mafses von
Lichtinteusität, um ihre vegetativen Funktionen zu erfüllen, was sieh in dunkleren
Grotten nachwcisen läßt, in denen sie schon in geringer Entfernung vom Ein
gang spärlich weiden und endlich bei noch (für menschliche Augen) relativ
starken Helligkeitsgraden vollständig verschwinden. Die hier zuletzt verkommen
der Algen sind aber zum Tbeil identisch oder nähe verwandt mit den in den
äußersten Tiefen (120 bis 130 m) vom Scharrnetz her aufgehoben.
In den Meeren höherer Breiten findet die Vegetation, d. b. auch hier
wieder eine individuen- und formenreiche Algenfiora, in entschieden geringeren
Tiefen ihre Grenze. Nach Kjellman 2 ) geht sowohl im Nordmeer an den
Küsten von Nowaja Semlja, wie im Skagerrak unterhalb 20 Faden oder rund
40 m die Algenfiora schnell zu Ende. Auch hier sind die Schichten von 5 m
abwärts besonders reich an den in dea tieferen Niveaus auch im Golf von
Neapel auftretenden roth gefärbten Florideen. In der Ostsee sind nach den
systematischen Untersuchungen Reinke’s, über welche derselbe demnächst aus
führlicher berichten wird, wenigstens westlich von Gjedser alle Gebiete des
Bodens von Algen besiedelt, welche festen Grund haben; in der ganzen west
lichen Ostsee kommen aher Tiefen von mehr als 40 m nicht vor. Wie tief in
der östlichen Ostsee, die Algen gehen, ist noch unbekannt.
Jedenfalls fehlt der eigentlichen Tiefsee (über 1000 m) jede normale,
d. h. auf die Assimilation mit Hülfe von Chlorophyll angewiesene Vegetation
durchaus. Da für Wachsthum und normale Ernährung der Pflanzen das Lieht
absolut unentbehrlich ist, namentlich aber die orangenen und gelben Strahlen
für das grüne, die grünen aber für das rothe Chlorophyll am erwünschtesten
zu sein scheinen, so ist nach den oben dargelegten wahrscheinlichen A.bsörptions-
vorgäugen auch in sehr durchsichtigen Meeren, wie im Mittelländischen, die
1) Vgl. den Bericht von Prof. Dr. G. Berthold in den Mitth. d. Zoolog. Station zu Neapel,
Bd. III, 1882, S. 400 ff., und Pringhemi’s Jahrbücher für wiss. Botanik, Bd, 13, 1882, 706, sowie
briefliche Mittheilungen.
fc) Bihang tili K. Svenska Vet. Akadem. Handlingar, V, 1878, No. 6.