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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Bemerkungen über die Durchsichtigkeit des Meerwassors. 
In desiillirtem Wasser würden also die violetten und über violetten Strahlen 
am langsamsten absorbirt werden, und zwar wird e für die Linien; 
(i an dev Grenze zwischen Indigo und Violett (?. = 42,95 ~ 0/1146 
N im Ueberväolett (X s 35,8) 0,0633 
Ä , » <j m* m , . , . = 0,0385 
dagegen Ä im äufsersten Roth (1 «*»• 76) , . . . = 0,4494. 
Die Strahlen geringer Wellenlänge sind aber die chemisch wirksameren; 
daher ist der Schlufs berechtigt, dafs unter den am tiefsten in das Wasser ein 
dringenden Lichtstrahlen die photographisch wirksamen mehr und mehr über 
wiegen werden. Von gröfseren Tiefen aus gesehen, würde die Sonne folglich 
eine bläuliche Färbung zeigen, also eine dem wirklichen Sonnenlichte wieder 
ähnlichere, als wir sie am Boden dos Luftmeeres erhalten, da die Luft ganz 
iui Gegensätze zum Wasser die Strahlen grofser Wellenlänge (die rothen und 
gelben) besser durchläfst, die blauen und violetten aber zum Theil auslöscht. 
Am tiefsten würden ln das Wasser die ultravioletten Strahlen oiudringen. Im 
Seewasser werden die Absorptionsvorgänge, wie aus den Farbenerscheinungen 
zu sehliefsen, im Wesentlichen wohl ähnlich sein denen im destillirten Wasser, 
so dafs auch für Seewasser obige Werthe von e als erste Annäherung gelten 
dürfen, so lange wirkliche Versuche in dieser Hinsicht nicht vorliegen. Die 
oben angeführten photographischen Versuche würden somit in der That wesent 
lich das noch in den betreffenden gröfsten Tiefen vorhandene Lieht zum Aus 
druck bringen, da die Strahlen geringer Brechbarkeit und grofser Wellenlänge 
beim Vordringen in das Wasser in einem solchen Mafse schnell absorbirt wer 
den, dafs ihre Intensität gegenüber derjenigen der blauen, violetten und über 
violetten Strahlen kaum mehr in Betracht kommt. 1 ) 
Bei diesen Betrachtungen ist nur von der Absorption, nicht aber auch 
von der Reflexion der ins Wasser eindringenden Lichtstrahlen verschiedener 
Wellenlänge die JRede gewesen. Diese Reflexion aber ist ein nicht zu unter 
schätzendes Moment für die BeleuehtungsVerhältnisse der oberen wie der tieferen 
Wasserschiehten. In den oberen namentlich wird dadurch ein gewisses diffuses 
Licht erzeugt, ähnlich wie das Tageslicht in der Atmosphäre, welches, gleich 
falls durch unendlich wiederholte Reflexionen zerstreut, es ermöglicht, dafs auch 
nur seitwärts geöffnete Räume, wie unsere Wohnzimmer, helles Licht erhalten, 
auch wenn Sonnenstrahlen nicht hineinfallen. Eine ähnliche Zerstreuung des 
Lichts wird auch für das Seewasser aoznnehmen sein. Bei diesem tritt dann 
noch hauptsächlich als reflektirende Schicht die untere Seite der Oberfläche 
selbst auf, welche, wie man sich beim Tauchen überzeugen kann, von unten 
gesehen, namentlich bei Wellenbewegung, wie ein Spiegel glänzt, also das von 
unten nach oben hin reflektirte Licht zum Theil wieder zurückwirft. Durch die 
Reflexion wird abor immerhin auch ein gewisses, nicht näher anzugebendes 
Quantum von Licht den tieferen Schichten entzogen, da es ja gerade der fort- 
pflanzungsfähigste Theil des weifsen Sonnenlichts ist, welcher vorzugsweise vom 
Meerwasser reflektirt wird. 
Ferner kommt dazu der Umstand, dafs durch die Uebereinanderlagerueg 
verschieden warmer Schichten im Meer die Absorption wieder geändert werden 
dürfte, wenn sich Seewasser in dieser Hinsicht ähnlich verhält wie destillirtes 
•) Eine einfache Erwägung zeigt, ilafs die Tiefen, in welchen die gleiche Intensität für Licht 
von verschiedenen Wellenlängen gefunden wird, sich umgekehrt verhalten wie die Absorptäons- 
koBfficienten. Setzen wiv also für die oben benutzten sieben verschiedenen Farben des Spektrums 
die Tiefe, welche irgend einer Intensität für die gelbe Linie jD (Wellenlänge = 59) zukoniiut, = 1, 
so werden die betreffenden Tiefen für die änderen Farben sieh so »»ordnen« 
Wellenlänge X =* 
76 
67 
59 
47 
42,9 
35,3 
31,0 
Roth 
Geil?* 
№u 
BJspyMtett 
Geber violett 
Relative Tiefe = 
0,57 
0/75' 
1 
1,74 
2,2 
40 
6,8 
Wenn also eine Intensität des gelben Lichts, welche im Verbältnifs zur anfänglichen steht 
wie 1 zu 100 Milliarden (1:10 sl ), gefunden wird in der Tiefe von fast genau 100 ui, so wird die 
gleiche Intensität des Blauviolett erst in 220 in, des äufsersten tJebertiölett (Linie Ii) erst in 680 m 
angetroftej».
	        
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