Bemerkungen über die Durchsichtigkeit des Meerwassers.
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sind wir merkwürdigerweise heutigen Tages noch auf die 150 Jahre alten
Beobachtungen von Bouguer 1 ) angewiesen. Bouguer fand, dafs das Licht
beim Passiren einer 115 Par. Zoll langen, mit Seewasser gelullten Röhre, im
Mittel aas einer Reihe von Versuchen, sich im Verhältnis zum direkt auf
fallenden Licht schwächte wie 5 zu 14 und aus einer anderen Reihe wie 64
zu 169. Daraus ergiebt sich, in metrisches Mafs übertragen, also für a; = 3,113 m,
e im ersten Falle zu 0,331, im zweiten zu 0,312. Bouguer selbst erschien die
Durchlässigkeit des iu Croisic mit Sorgfalt genommenen und vor den Versuchen
von ihm durch ein leinenes Tuch filtrirten Seewassers auffallend gering, indem
er damit seine Beobachtungen in den Tropenmeeren verglich, wo er in Tiefen
von 100 bis 120 Fufs (30 bis 40 m) bei hohem Sonnenstände den weifsen Sand
grund erkannt hatte. Es mag in der T'nat auch die Bucht von Croisic mit
ihrem heftigen Wellenschlag, grofsen Fluthwechsel und schlickreichen Watton-
grinden keine geeignete Oertlichkeit zum Aufcehmen einer Seewasserprobe sein,
die selbst nach ihrer Filtration als Muster dienen soll. Aus über einander
gelegten Glasplatten hatte Bouguer ferner gefundeu, dafs das Sonnenlicht im
Verhältnifs 1 zu 247 ä geschwächt sein mufste, um seinem Auge absolut un
empfindbar zu werden. Diesen Werth für J: J 0 eingesetzt, erhält man als
Tiefe, wo die Sonne im Meerwasser von ähnlicher Transparenz wie dem von
Croisic erhaltenen, dem Auge durchaus kein spürbares Licht mehr zuführen
würde, nach den beiden obigen Werthen von s nur 83 bezw. 88 m. Wasser
aus dem Mittelläudischen Meere würde Bouguer entschieden viel günstigere
Wcrthe gegeben haben, wie aus den photographischen Versuchen zu seid leisen.
—. Andere Untersuchungen über den Absorptionskoöfficienten des Seewassers,
als die von Bouguer, sind aber bisher nicht ausgeführt; wir vermögen also
nur anzugeben, dafs der Werth von e, der in den einzelnen Meeren jedenfalls
schwanken wird, wahrscheinlich wohl meist unter 0,3 sein dürfte.
„Wäre das Seewasser ein ganz homogenes Mittel, so würde es voll
kommen schwarz erscheinen müssen, da das von oben her einfallende Licht sich
ohne jede Reflexion nach der Tiefe hin fortpflanzen und allmählich absorbirt
werden würde.“ s ) Da nun aber in den höheren Breiten das Meer grün oder,
wie namentlich in den Tropen, blaugrün oder blau gefärbt erscheint, so ist
daraus mit Recht zu schliefsen, dafs die Lichtstrahlen nicht nur einfach absorbirt,
sondern ein Theil derselben, und zwar besonders ein Theil der grünen und
blauen Strahlen des Sonnenlichts, reflektirt, die rothen und gelben aber vor
zugsweise verschluckt werden. Auch im durchfallenden Licht zeigt nach allen
Versuchen nicht nur chemisch reines (destillirtes), sondern auch Seewasser eine
bläuliche bis blaugrüne Farbe. Eben dasselbe ist aus den Versuchen Secchi’s
und der österreichischen Forscher mit bunten Scheiben im Mittelmeer zu
schliefsen. Aus alledem folgt, dafs das Seewasser vorzugsweise die Strahlen
der rothen Seite des Spektrums verschluckt, dagegen die der blauen Seite besser
durchläfst. Nach Versuchen von Dr. F. Boas mit mehrmals destillirtem Wasser
ergiebt sich für dieses dasselbe. Durch Röhren vou 125 cm Länge liefs er durch
rothes Glas gegangenes Licht, gelbes Natriumlicht und blaues, durch eine
Kupfervitriollösung gegangenes Licht fallen, und aus seinen Beobachtungen
lassen sich folgende Verhältnifswerthe von J: J 0 . sowie die zugehörigen Werthe
für £ ableiten:
1, rothes Dicht 2. gelbes Licht 3. blaues Licht
J-.J = 0,7113 0,7760 0,8639
t => 0,3405 0,2549 0,1463
Giebt mau dem rothen Licht eine Wellenlänge von 67, dem gelben eino
solche von 59 (Linie D\ dem blauen von 47, s ) so kann man auch für andere
Wellenlängen X den Koefficienten e in erster Annäherung finden aus der nach
obigen Daten berechneten Formel:
e = 0,0001 (0,825 X 2 + 3,05 X — 503).
0 Bouguejfi Optice, Yienuao 1762, pag. 30.
Boas a. a, 0. & 7.
3) Der Abkürzung wegen für 0,00047 u. s. \y.