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Bemerkungen, über die Durchsichtigkeit des Mcevwasscvs.
sciiauliclie Beschreibung lehrt, so genau dieselbe Farbe erhält, wie das umgebende
Wasser, wird das Auge sie vom letzteren nicht mehr unterscheiden können,
und das tritt ein, sobald der Helligkeitamiterschied geringer als jener oben
erwähnte geringe konstante ßruchtheil der ganzen Intensität wird: mag diese
letztere nun bei den verschiedenen Abstufungen der Tageabeleuchtung gröfser
oder kleiner sein, Daraus folgt, dafs die Sonnenhöhen und Bewölkungsgrade
für die Tiefen, in welchen die Scheiben dem Auge entschwinden, sehr wohl
gleichgültig sein können, wie solches die obigen Beobachtungen von A sehen -
born und Wilkes anch ergeben. Nnr wenn Secchi hervorhebt, dafs seine
grofse Scheibe von 2,36 m Durchmesser, bei auch nur geringer Verschleierung
der Sonne, alsbald weniger gröfse Sichttiefen gezeigt haben soll, so ist, die
Richtigkeit dieser Folgerung vorausgesetzt (was ich nicht zugebe), dabei viel
leicht an eine Einschränkung jenes psychophysischen Gesetzes zu denken, welche
Aubert ausgesprochen hat, 1 ) 'wonach nämlich die Gröfse des beleuchteten
Objektes, und damit der Gesichtswinkel und die Gröfse des Netzhautbildes,
neben dem Helligkeitsunterschied oder Kontrast gegenüber der Umgebung von
Bedeutung seien, obwohl die sehr viel zahlreicheren Versuche von Kapt. Aschen
born mit ebenfalls 2 m grofsen Scheiben ohne solche Einschränkung ihre Gel
tung behalten.
Man sieht aus alledem, wie beschränkt doch das menschliche Auge als
Photometer ist: der Schlafs, dafs alle Lichtstrahlen auf dem Wege von der
Meeresoberfläche zur versenkten Scheibe und vod da zurück zum Auge des
Beobachters völlig verlöschen, ist ein ganz unbegründeter. Auf dieser Annahme
beruhen aber die Berechnungen eines „Absorptions-“ öder „Extinktions-
Koefficienten“ durch Secchi, Luksch und Wolf. Wir können also die sehr
umständlichen Rechnungen derselben hier übergehen.
Wegen dieser Unvollkommenheit des menschlichen Auges ist ein objektiverer
Weg der Untersuchung vielleicht vorzuzieben, welchen Forel zuerst betreten
hat, nachdem schon die ^Challenger* - Expedition einige mifslungene Versuche mit
einem Siemens’sclien Apparate gemacht hatte, nämlich die photographische
Methode. Da die Sonnenstrahlen empfindliches Chlorsilberpapier oder Brom
silber-Gelatinepapier schwärzen, und zwar je nach ihrer Intensität stärker oder
schwächer, so versenkte Forel zur Nachtzeit im Genfer See in verschiedene
Tiefen zwischen 2 m bis über 100 m solche Platten und exponirte sie mehrere
Tage, worauf sie abermals zur Nachtzeit aufgeholt und dann fixirt wurden.
Da er einen Theil der Platten jedesmal durch einen fest übergelegten Streifen
von ganz undurchsichtigem Material der Belichtung entzogen hatte, zeigte ein
Vergleich mit diesem Streifen den Grad der Schwärzung an. Er fand so keine
wahrnehmbare Lichtwirkung mehr: im Sommer in 45 m, im Winter in 100m.
Auf seine Anregung hin haben dann die Schweizer Zoologen H. Fol und
E. Sarasin mit erheblich verbesserten Vorrichtungen seit 1885 im Mittel
ländischen Meere bei Nizza und Villafranca zwei Beobachtungsreihen ausgeführt,
welche folgende Ergebnisse hatten: 2 )
Die erste Reihe wurde am 5. und 6. März 1885 Mittags beobachtet mit
einem Apparat, der, so lange das Loth durch das Wasser fiel, die Platte ver
deckt hielt, dieselbe aber selbstthätig entblöfste, sobald das Loth den Boden
berührte und nicht mehr am Apparat zog. Der Reihe nach wurde der Apparat
mit jedesmal neuen Platten in Tiefen von 200 bis 420 m bei einer ganzen
Wassertiefe von 400 bis 600 m versenkt. Der Himmel war mit einziger Aus
nahme der tiefsten Beobachtung Mar, die See still. Die ersten zwei Platten,
260 bis 280 m tief versenkt, zeigten sehr intensive Schwärzung. In den gröfseren
Tiefen, 350, 360, 38Öm, nahm dieselbe successive ab, bei 380 m schon kaum
noch wahrnehmbar und jedenfalls schwächer, als bei einer in sternenheller,
mondscheinloser Nacht exponirteu Platte. Die am tiefsten, in 405 bis 420 m,
versenkten Platten wurden nicht im Geringsten geschwärzt befunden. Daraus
scbliefsen Fol und Sarrasin, dafs die Grenze, bis zu der an einem Mittage
im März das Licht in die See hei Nizza ein dringt, auf rund 400 m anzusetzen ist.
0 Albert, Physiologie der Netzhaut-, Breslau 1884, S. 88.
2 ) Der ausführlichste Bericht ist erschienen in den „Archive® des Sciences physiques 6t
naturelles“, t. XIX, 15. Mai 1888, pag. 447.