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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Bemerkungen, über die Durchsichtigkeit des Mcevwasscvs. 
sciiauliclie Beschreibung lehrt, so genau dieselbe Farbe erhält, wie das umgebende 
Wasser, wird das Auge sie vom letzteren nicht mehr unterscheiden können, 
und das tritt ein, sobald der Helligkeitamiterschied geringer als jener oben 
erwähnte geringe konstante ßruchtheil der ganzen Intensität wird: mag diese 
letztere nun bei den verschiedenen Abstufungen der Tageabeleuchtung gröfser 
oder kleiner sein, Daraus folgt, dafs die Sonnenhöhen und Bewölkungsgrade 
für die Tiefen, in welchen die Scheiben dem Auge entschwinden, sehr wohl 
gleichgültig sein können, wie solches die obigen Beobachtungen von A sehen - 
born und Wilkes anch ergeben. Nnr wenn Secchi hervorhebt, dafs seine 
grofse Scheibe von 2,36 m Durchmesser, bei auch nur geringer Verschleierung 
der Sonne, alsbald weniger gröfse Sichttiefen gezeigt haben soll, so ist, die 
Richtigkeit dieser Folgerung vorausgesetzt (was ich nicht zugebe), dabei viel 
leicht an eine Einschränkung jenes psychophysischen Gesetzes zu denken, welche 
Aubert ausgesprochen hat, 1 ) 'wonach nämlich die Gröfse des beleuchteten 
Objektes, und damit der Gesichtswinkel und die Gröfse des Netzhautbildes, 
neben dem Helligkeitsunterschied oder Kontrast gegenüber der Umgebung von 
Bedeutung seien, obwohl die sehr viel zahlreicheren Versuche von Kapt. Aschen 
born mit ebenfalls 2 m grofsen Scheiben ohne solche Einschränkung ihre Gel 
tung behalten. 
Man sieht aus alledem, wie beschränkt doch das menschliche Auge als 
Photometer ist: der Schlafs, dafs alle Lichtstrahlen auf dem Wege von der 
Meeresoberfläche zur versenkten Scheibe und vod da zurück zum Auge des 
Beobachters völlig verlöschen, ist ein ganz unbegründeter. Auf dieser Annahme 
beruhen aber die Berechnungen eines „Absorptions-“ öder „Extinktions- 
Koefficienten“ durch Secchi, Luksch und Wolf. Wir können also die sehr 
umständlichen Rechnungen derselben hier übergehen. 
Wegen dieser Unvollkommenheit des menschlichen Auges ist ein objektiverer 
Weg der Untersuchung vielleicht vorzuzieben, welchen Forel zuerst betreten 
hat, nachdem schon die ^Challenger* - Expedition einige mifslungene Versuche mit 
einem Siemens’sclien Apparate gemacht hatte, nämlich die photographische 
Methode. Da die Sonnenstrahlen empfindliches Chlorsilberpapier oder Brom 
silber-Gelatinepapier schwärzen, und zwar je nach ihrer Intensität stärker oder 
schwächer, so versenkte Forel zur Nachtzeit im Genfer See in verschiedene 
Tiefen zwischen 2 m bis über 100 m solche Platten und exponirte sie mehrere 
Tage, worauf sie abermals zur Nachtzeit aufgeholt und dann fixirt wurden. 
Da er einen Theil der Platten jedesmal durch einen fest übergelegten Streifen 
von ganz undurchsichtigem Material der Belichtung entzogen hatte, zeigte ein 
Vergleich mit diesem Streifen den Grad der Schwärzung an. Er fand so keine 
wahrnehmbare Lichtwirkung mehr: im Sommer in 45 m, im Winter in 100m. 
Auf seine Anregung hin haben dann die Schweizer Zoologen H. Fol und 
E. Sarasin mit erheblich verbesserten Vorrichtungen seit 1885 im Mittel 
ländischen Meere bei Nizza und Villafranca zwei Beobachtungsreihen ausgeführt, 
welche folgende Ergebnisse hatten: 2 ) 
Die erste Reihe wurde am 5. und 6. März 1885 Mittags beobachtet mit 
einem Apparat, der, so lange das Loth durch das Wasser fiel, die Platte ver 
deckt hielt, dieselbe aber selbstthätig entblöfste, sobald das Loth den Boden 
berührte und nicht mehr am Apparat zog. Der Reihe nach wurde der Apparat 
mit jedesmal neuen Platten in Tiefen von 200 bis 420 m bei einer ganzen 
Wassertiefe von 400 bis 600 m versenkt. Der Himmel war mit einziger Aus 
nahme der tiefsten Beobachtung Mar, die See still. Die ersten zwei Platten, 
260 bis 280 m tief versenkt, zeigten sehr intensive Schwärzung. In den gröfseren 
Tiefen, 350, 360, 38Öm, nahm dieselbe successive ab, bei 380 m schon kaum 
noch wahrnehmbar und jedenfalls schwächer, als bei einer in sternenheller, 
mondscheinloser Nacht exponirteu Platte. Die am tiefsten, in 405 bis 420 m, 
versenkten Platten wurden nicht im Geringsten geschwärzt befunden. Daraus 
scbliefsen Fol und Sarrasin, dafs die Grenze, bis zu der an einem Mittage 
im März das Licht in die See hei Nizza ein dringt, auf rund 400 m anzusetzen ist. 
0 Albert, Physiologie der Netzhaut-, Breslau 1884, S. 88. 
2 ) Der ausführlichste Bericht ist erschienen in den „Archive® des Sciences physiques 6t 
naturelles“, t. XIX, 15. Mai 1888, pag. 447.
	        
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