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Bemerkungen über die Durchsichtigkeit des Meerwassers.
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klarem .Himmel und Sonnenständen von 35°, 58° und 59°! Bei Rothesay finden
sich bei gleichen Sonnenständen am klaren Himmel und bei Regenwetter ohne
jeden ersichtlichen Zusammenhang 10 und 12 m. Es ist also daraus zu ent
nehmen, dafs die Sonnenhöhe auf die Beleuchtung der Scheibe insoweit keinen
Einflnfs hat, dafs die Sichttiefen dadurch merklich verändert würden.
Nicht anders sind die Folgerungen, welche man aus den oben nach
Wilkes äufgefübrten Beobachtungen an Bord des „Peacock“ ziehen kann
(s. S. 64). ln der ersten Reihe sind die Sichttiefen nahezu die gleichen bei
30°, 19°, 17°, 4°; bei 38° und 48 e wieder gleich (29 m}, bei 50° und 47°
übereinstimmend 31 m. Die zweite Reihe zeigt gleiche Sichttiefen bei 53,5°,
69°, 78°, and bei alledem ist noch in Rechnung zu ziehen, dafs die oben an
geführten Werthe bei Wilkes in Faden gegeben sind, und zwar in ganzen
Faden, ohne Bruchtheile, folglich nach Reduktion in Meteraafs die Sichttiefen
genauer ausgedrückt erscheinen, als sie in Wirklichkeit gemessen sein können.
— Auch bei Seeclri’s Beobachtungen ergaben sich an nahezu demselben Beob-
aehtungsorte die gleichen Sichttiefen für verschiedene Sonnenhöhen (S. 66).
Dagegen fand Forel bei seinen jedenfalls technisch hoch stehenden Versuchen
mit weifsen Scheiben im Genfer See nur im Winter eine gewisse Abhängigkeit
der Sichttiefen von den Sonnenhöhen, im Sommer dagegen, wo die Durch
sichtigkeit des Wassers im See eine erheblich geringere ist, keine solche,’)
Da Forel mit Scheiben von nur 2.5 cm Durchmesser arbeitete, so ist bei der
zwei- bis dreifach gröfseren Sichttiefe, welche er im Winter erlangte (10 bis
15,4 m, gegen 5 bis 8 m im Sommer), nicht ausgeschlossen, dafs die Vor-
Zerrungen des Scheibenbildes, wie sie bei Secc-hi beschrieben sind, bei dem so
verkleinerten Gesichtswinkel nur scheinbar oder nur zufällig eine solche Ab
hängigkeit von den Unterschieden in der BeleuchterngsintcBsität zu Stande
kommen liefseu. Einzelheiten sind übrigens von Forel an einem mir zugäng
lichen Orte nieht veröflentlicht. Jedenfalls ist festgestellt, dafs im Sommer bei
allen Graden der Tagesbeleuchtung, ob schlechtes oder gutes Wetter war, die
Sichttiefen die gleichen blieben.
In der That entspricht diese Unabhängigkeit auch einem für das mensch
liche Sehen gültigen Gesetze, worauf schon von Dr. Fr. Boas in seiner wenig
bekannten, aber sehr verdienstvollen Doktor-Dissertation liingewiesen wurde.*)
Die photometrischen Messungen nämlich haben ergeben, dafs das menschliche
Auge wie die anderen Sinnesorgane die Unterschiede zweier Reize nur dann
empfindet, wenn das Verhältnifs dieser Reizintensitäten ein nahe konstantes
Mafs überschreitet. So vermöchte Helmholtz noch Unterschiede der Helligkeit
von '/i33 sicher, 1 /m verwaschen zu erkennen, und zwar bei hellem Tageslicht,
Gröfsere Beobachtungsreihen zeigen, dafs unser Auge für Helligkeitsunterschiede
am empfindlichsten ist bei gewissen mittleren Graden der Lichtstärke, deren
Grenzen etwa liegen zwischen der Helligkeit, bei der man ohne Schwierigkeit
lesen kann, und der einer weifsen Scheibe, welche voll vom Sonnenlicht getroffen
wird. Für diese Grenzen ergiebt sich als Differenz der Helligkeit, welche noch
unterschieden werden kann, nahezu der oben angeführte Bruchtheil der jedes
maligen ganzen Helligkeit, also i jm bei Helmholtz (bei anderen Autoritäten
ist diese Konstante etwas gröfser, was hier nichts zur Sache thut). Innerhalb
dieser Grenzen liegt nun auch die Beleuchtung der versenkten weifsen Scheibe,
mag die Sonne hoch oder tief stehen, der ßewöikungsgrad grofs oder klein
sein.®) Die versenkte Scheibe entschwindet also dem Auge nicht etwa darum,
weil das Licht auf dem Wege zur Scheibe und zurück völlig vom Wasser
absorbirt wird, als vielmehr darum, weil wir den Unterschied der Helligkeit
und Farbe der Scheibe und des Wassers nicht mehr merken. Denn nicht nur
die Scheibe, auch die benachbarten Wassertheilchen reflektiren das Licht, welches
unser Auge als Farbe empfindet. Sobald nun die Scheibe, wie Secehi’s an-
!) Archivée des Sciences physiques etc, Band 59, No. 234, Juni 1877.
2 ) Beiträge zur Ei'kenntnift der Farbe des Wassers. Kiel 1881.
3) An bewölkten Tagen konmen nach Bunsen und Roscoe’s Versuchen Unt-ersobiede in
der Helligkeit innerhalb kurzer Zeitintervalle vor, welche sich (in ihren Wirkungen anf chemisch,
empfindliche Stoffe) verhalten wie 1:3. So waren am 30. Juli 1862 diese Intensitäten um IO' 1 J0 tCt
2240, ob 11k 0m h 782, um 12 h 30 m = 2870 (PölgfBelwff's Annalen der Physik und Chemie,
Bd. 117, 1862, S. 561).