62
Bemerkungen über cUe Durchsichtigkeit des Meerwassers.
Wellenbrecher hinweg und rifs Allee mit sich fort; selbst Steine im Gewicht
von 2 bis 3 Tonnen wurden von der Mauer herab geschleudert. Die Seen,
welche über den Wellenbrecher hinwegliefen, verursachten innerhalb desselben
starke Brandung und einen solchen Neerstrom und Grundsog, dafs die Schiffe
von ihren Vertäuungen losgerissen wurden und sämmtlich von den Mann
schaften verlassen werden inufsten. Das Trockendock gcrieth ebenfalls ins
Treiben. Letzteres ist übrigens schon alt und kaum noch fähig, ein Schiff von
800 bis 900 Tonnen aufzuuehmen. Sebiffsreparatureo, sowohl in Bisen als auch
in Holz, können hier ziemlich alle ausgeführt werden, aber nur gegen hohe
Preise. Schiffe, welche diesen Hafen in Havarie oder zur Verproviantirung
anlaufen, haben zwar keine eigentlichen Hafenabgaben zu entrichten, aber der
Schlepplohn ist sehr hoch. Der Lootsendienst wird sehr strikt gehandhabt.
An .frischem Proviant sind Kartoffeln, Brächte und Fleisch zu mäfsigen Preisen
zu haben, Dauerproviant aber ist sehr theuer. Trinkwasser wird mit Segel
booten zum Preise von 7 MLrS. für 1200 Gallonen längsseits gebracht.
Im Interesse meiner Kollegen habe ich hier noch eines eigenartigen
Betruges Erwähnung zu thun, der mir und verschiedenen deutschen Kapitänen
in Pmta De!gada widerfahren ist: Gewöhnlich kommt hier schon vor der
Einfahrt zum Hafen ein Mann an Bord, der sieh mit den Worten einführt
„I represeut the German Gonsul and I believe you will eonsigne vourself to
faiin“. Die meisten Kapitäne erklären sieh ganz arglos dazu bereit und werden
dann später in ein Haus geführt, dafs in keiner Beziehung zum deutschen
Konsul steht, aber ohne Bedenken die Schiffspapiere in Empfang nimmt. Erst
nach Verlauf von 1 bis 2 Tagen, nachdem alle Verträge mit diesem Hause ab
geschlossen sind, erfährt der Kapitän, dafs er irregeleitet wurde. Es ist daher
den hier einkommenden Kapitänen deutscher Schiffe dringend anzurathen, sich
nicht eher geschäftlich in irgend einer Weise zu binden, bis sie am Lande die
genügenden Erkundigungen eiogezogen haben.
Bemerkungen über die Durchsichtigkeit des IVIeerwassers.
Yen Prof. Dr. 0. Krümmel in Kiel.
Die Frage, wie tief das Tageslicht ins Meer eindringe, berührt die ver
schiedensten Interessen, Der Seemann gedenkt der Korallenriffe, die er im
tropischen klaren Wasser rechtzeitig bemerken und vermeiden kann; der Physiker
sucht die Absorption des Lichts in einem so durchsichtigen Medium festzustelle«,
der Botaniker vergleicht die Belichtung und damit Ernährung der Pflanzen am
Meeresboden, der Zoologe die Lebensweise der Thierwelt unter offenbar anderer
Beleuchtung in den Meerestiefen wie an der Meeresoberfläche. Wenn nun im
Folgenden der Versuch gemacht wird, möglichst alles Material zusammenzutragen,
was für die Beantwortung dieser Fragen von Bedeutung ist, so mag gleich
Anfangs betont sein, dafs diesem Problem der Meereskunde bislang nicht
gerade viel Aufmerksamkeit zugewandt ist, so dafs die Resultate, der Unvoll
kommenheit der Methoden entsprechend, nur wenig befriedigend sein können.
Dem praktischen Seemann ist die grofse Verschiedenheit in dem Grade
der Durchsichtigkeit der einzelnen Meere durchaus geläufig; er weäfs, dafs er
sehr wohl an tropischen Küsten das farbenreiche Thierleben am Meeresgründe
in Tiefen von 20 und mehr Metern beobachten, den Sehiffsanker vom weifsen
Sandgrnnde unterscheiden kann, nicht nur bei Sonnenschein, sondern unter
Umständen auch Nachts beim Lichte des Vollmondes. Die westindischen Ge
wässer, das Rothe Meer, einzelne Theile des australasiatischen Archipels er
scheinen in der Literatur besonders ausgezeichnet in dieser Hinsicht. Hors-
bonrgh sagt, dafs er einmal bei der Philippinen-Insel Hindoro die gefleckten