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Am Nachmittage des 1. August kam Timor in Sicht, worauf der Kurs auf die Rotti-
Strafsc gesetzt wurde. Um 9 Uhr Abends peilte Onina Point N, 1 Sm ent
fernt, um 10 Uhr die Nordspitze der Insel Lando S, 3 Sm entfernt. Um
Mitternacht passirten wir die Insel Tebui und hielten uns dann dicht unter der
Küste von Senuio. Mit Tagesanbruch am 2. August sichteten wir die Spitze
Kurong in ONO und kreuzten darauf bei leichten südöstlichen Winden, die von
Stillen unterbrochen wurden, in Sicht dieser Landspitze und der Insel Kern.
Von letzterer erstreckt sich ein Riff weit hinaus, weshalb hier beim Kreuzen in
der Nacht die gröfste Vorsicht nöthig ist. Um 1 Uhr Mittags frischte die
Briese auf und brachte uns gegen 5 Uhr nach der Rhede von Koepang, wo
selbst wir auf einer Wassertiefe von 12,6 m (7 Fad.) ankerten. Von dem Anker
platz peilt die Flaggenstange SSO.
Beim Ankern auf der Rhede von Koepang raufe man recht vorsichtig
sein und alles Erforderliche zeitig in Bereitschaft setzen, denn bis auf eine
Entfernung von nur \!* Sm vom Lande beträgt die Wassertiefe noch 23 m
(13 Fad.) und nimmt dann plötzlich ab. Bei nördlichen Winden ist die Lage
auf dem Ankerplätze keine ganz sichere. Die beste Anweisung für das Ankern
auf der Rhede von Koepang findet mau in den „Annalen der Hydrographie“,
Jahrgang 1880, Seite 253 und 254, wobei ich ¡miels zu bemerken habe, dafs
der Flaggenmast, an dem früher zur Nachtzeit eine Laterne brannte, einen
andern Platz erhalten hat und an seiner Steile ein Thurm erbaut ist, von dem
jetzt das Feuer gezeigt wird. Gutes Quellwasser erhält man in Koepang zum
Preise von 1 Gulden für 100 Liter frei an Bord. Das Wasser des Flusses soll
von keiner guten Beschaffenheit sein. Erfrischungen, wie Kartoff eln, Yams u. s.w.
waren in der kurzen Zeit unserer Anwesenheit nicht aufzutreiben, wohl aber
Hühner, Eier und Reis. Fleisch, Mehl uad Brot waren kaum mit Geld auf
zuwiegen.
Ich bemerke noch, dafs die AoiL-Straise meiner Ansicht nach bei sich
tiger Luft so gut in der Nacht, wie am Tage zu passiven ist, denn in einem
Abstande von 1 bis U/a Sm von der Küste Timon kaun man den weifsen
Sandstrand derselben und die Brandung deutlich ausmachen. Eben östlich von
Point Öisim trafen wir eine starke Stromkabbelung.
Am 4. August 1887 verliefsen wir um 6 Uhr Morgens die Rhede von
Koepang und setzten die Reise nach Hamburg weiter fort. Am 7. August um
15 Minuten vor 7 Uhr Abends auf etwa 14,3° S-Br und 114,0 O-Lg nahm die
Meeresoberfläche, bei abnehmendem Seegang, eine ganz weifse Farbe an —
so weit man sehen konnte — und behielt dieselbe bis 8 Uhr 20 Minuten. Es
machte den Eindruck eines Eisfeldes im Mondschein. Die weifsen Schaumköpfe
der Seen waren nicht za erkennen, und die Kimm erschien diesig. Wir drehten
bei, doch ergab eine angestellte Lothung mit 63 m (35 Fad.) keinen Grund.
In dem aufgeschöpften Wasser entdeckten wir eine grofse Anzahl kleiner, 1 bis
2 Zoll langer, dünner feiner Härchen, die stark leuchteten.
VI. Bemerkungen über Punta Delgada, St. Michael (Azoren).
Auf der Weiter fahrt ereiguete sich bis zum 21. November 1887 nichts
Bemerkenswerthes. An dem letztgenannten Tage aber und dem darauf folgenden
hatte das Schiff im Nordatlantischen Océan, in ungefähr 45° N-Br und 24“ W-Lg,
einen orkanartigen Sturm von N bis NNE mit furchtbar hoher See zu bestehen.
Dabei ging die Ladung nach Steuerbord über und das Schiff bekam einen der
artigen Leck, dafs mehrere Fufs Wasser im Raum standen, was die Veranlassung
war, dafs die Pumpen durch Guano verstopft wurden. Unter solchen Um
ständen war es geboten, die Azoren anzulaufen. Um 12 Uhr Mittags den
26. November segelten wir bei flauer nordwestlicher Briese in Sicht der Insel
St. Michael, ankerten um 1 Uhr aufserhalb des Wellenbrechers von Punta
Delgada und erhielten eine Stunde später einen Schleppdampfer, der uns unter
Lootscnbefehl in den Hafen brachte, woselbst wir das Schiff vertäuten.
Der Hafen von Punta Delgada ist zwar durch den Wellenbrecher gegen
Winde von W durch N bis E gut geschützt, doch den Winden von E durch S
bis WSW mehr oder weniger ausgesetzt und daher bei einem Sturm aus
letzteren Richtungen nicht völlig sicher. Bei einem schweren SW- bis WSW-
Sturin, am 27. Dezember 1887, lief die See 20 bis 30 Fufs hoch über den