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Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Agustina 1
unseres Hierseins manchmal mit bedeutender Stärke auftraten, gewährt die
Insel keinen Schutz auf dem Ankerplatz, und es läuft dort danu eine hohe wilde
See, die selbst gefahrbringend für die Boote werden kann. Sobald der Wind
östlich von SE holt, nimmt die See auf dem Ankerplatz und bei der Landungs-
stello wieder ab. Auf irgend welche Hülfe vom Lande beim Laden darf nicht
gerechnet werden; zu meiner Zeit waren nur 18 Arbeiter auf der Insel, welche
stramm zu arbeiten hatten, um den Guano big zur Landungsbrüeke zu, schaffen.
Es ist hier nur ein Mal in 24 Stunden Hoch- und Niedrigwasser, und
der Eintritt derselben ist anscheinend an keine Begelmäfsigkeit gebunden. In
der ersten Zeit unseres Hierseins trat das Hochwasser um 11 Uhr Vormittags
ein; statt aber, wie dieses sonst überall der Fall ist, sich zu verspäten, stellte
es sieh von einem Tage zum andern etwas früher ein, der Art, dafs wir gegen
das Ende unseres Aufenthaltes den höchsten Wasserstand schon um 8 Uhr
Morgens hatten. Die Richtung der Gezeitenströmung ist südlich und nördlich;
die von uns vermittelst der Logge bestimmte Geschwindigkeit derselben betrug
von V 2 bis zu 2'/* Kn. Während der Zeit vom 11. bis 18. Juni war der süd
liche Strom ganz aufgehoben. Anfangs stieg und fiel das Wasser 2 bis 3 Fufs;
spätere Beobachtungen, die bis zum 22. Juni reichten, ergaben einen mittleren
Hub des Wassers von 2,1 bis 2,4 m (7 bis 8 Fufs). Die Springzeit scheint hier
ganz ohne Einfluß zu sein, da wir häufig um diese Zeit das niedrigste Wasser
hatten. Das gröfste Steigen und Fallen des Wassers wurde bei schönem Wetter
und Winden von SE bis NE beobachtet. Beispielsweise hatten wir am 1. und
2. Juli, bei schönem Wetter und leichter östlicher Briese, so aufserordentlich
niedriges Wasser, dafs wir schon um 3 Uhr Nachmittags gezwungen wurden,
das Laden einzustellen.
Auf einer Entfernung von drei Kabellängen von der Brücke, wohin wir,
um rasch Ladung längsseits bringen zu können, das Schiff am 19. Mai gelegt
hatten, betrug die Wassertiefe bei niedrigem Stande 7,2 m (4 Fad.), wobei der
hintere Anker auf 8 m (4 1 /* Fad.) und der vordere auf 7,2 m (4 Fad.) stand.
Als wir später der gröfseren Sicherheit wegen das Schiff weiter ab legten,
fanden wir in 1 Sm Abstand von der Brücke 8,5 m (4% Fad.) und in l'/iSm
Abstand 11 m (5*/a Fad.) Tiefe bei Niedrigwasser. In einem SE-Sturm ver
loren wir am 13, Juni einen Anker mit 45 Fad. Kette, welchen wir fünf Tage
später wieder auffischen konnten.
Trinkwasser für den Schiffsbedarf findet sich auf Rocky Island nicht
vor; es ist zwar eine kleine Quelle vorhanden, die aber nur spärlich uud noch
dazu brackisches Wasser liefert. Dahingegen soll an der Nordwestseite der
Insel Mornington, welche 11 Sm SSO von Rocky Island liegt, zwischen den
White Clij/s und Low and woody Point gutes, frisches Wasser in genügender
Menge Vorkommen; allein die dortigen Bewohner sind den Weifsen feindlich
gesinnt, weshalb man sieh denselben nur gut bewaffnet nahem darf. Fisehe,
Schildkröten und Eier sind in Rocky Island in Menge zu bekommen.
Normantown, am Norman River, der sich in den südlichen Theil des
Golfs von Karpentaria ergiefst, gelegen, ist seit der Entdeckung der 120 eng
lische Meilen entfernten Goldfelder in den letzten zwei bis drei Jahren sehr
emporgekommen. Es sind kürzlich mehrfach Schiffe mit Eisenbahnschienen
nach Normantown befrachtet worden. Eine englische Bark, welche Anfang März
1887 nach Normantown kam, war gechartert worden, im Monat April etwa
eine Ladung Guano in Rocky Island einzunehmen, war aber bei nnserm Abgänge
dort •— am 24. Juli 1887 — noch nicht hier angekommen. Der Kapitän des
vorerwähnten Dampfers, der am 16. Juni in Rocky Island war, theilte mir mit,
dafs die Bark mit einem Tiefgange von 4 m (14 Fnfs) über die Barre von
Normantown ging, um schneller mit der Entlöschung fertig werden zu können.
Als sie aber wieder fertig zum Ausgeben war, mufste sie mit einem Tiefgange
von 11 Fufs 6 Zoll liegen bleiben, weil der Wasserstand auf der Barre nur
10 Fufs 6 Zoll betrug. Die Bark war verpflichtet gewesen, ihre Ladung 50 Sm
stromaufwärts zu landen und hatte eigens zu diesem Zweck eiserne Leichter
von 30 Tonnen Gröfse mitgebracht. Das Löschen der Ladung und das Geber-
nehmen des Ballastes gingen selbstredend, da Hülfe vom Lande nicht zu er
halten war, nur langsam von statten. Nach Ansieht des Lootsen würde die
Bark wahrscheinlich wieder von ihrem Ballast löschen müssen, da sie höchstens