accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

490 
Schmetterlinge auf dem Siicfatlantischen Ocean. 
Der Ort, wo der Schmetterlingsschwarm an Bord flog, liegt von dem 
nächsten Punkte der südamerikanisehen Küste — Kap Corrientes in Argentinien — 
880 Sm in SOVsO-Bichtung entfernt. Einzelne Exemplare des Schwarms flogen 
jedoch noch erheblich weiter, wie aus dem Journal — S. 2716 -— der Bark 
9 Dtme% Kapt. P. H. Israel, hervorgeht, demzufolge um dieselbe Zeit wie bei 
„Undine“, 4 h p, m. des 12. Februar, bei jenem Schiffe ein grofser Schmetterling 
in 48,5° S-Br und 39° W-Lg an Bord flog. Der Abstand letzteren Punktes 
von Kap Corrientes beträgt rund 1000 Sm, eine Entfernung so grofs etwa wie 
die von Hamburg nach Tunis oder von Berlin nach Madrid. Nur noch ungefähr 
300 Sm in südlicher Richtung weiter getrieben, würde der Schwarm Süd-Georgien 
erreicht haben. Die Windänderung verlief an Bord von „Dione“ fast genau so 
wie bei „Undine“) auch war zur Zeit, als der Schmetterling an Bord kam, die 
das Depressionscentrum begleitende Mallung ebenfalls schon eingetreten. Der 
Eintritt des Minimums — 731,1 mm — und das Umspringen des Windes nach 
SW erfolgte jedoch, entsprechend der Stellung des Schiffes 120 Sm weiter 
südostwärts, 9 Stunden später, gegen P a. №. des 13. Februar. 
Gleichzeitige Beobachtungen in der Nähe der südamerikanischen Küste 
lassen es unzweifelhaft erscheinen, dafs die in Rede stehende Depression in 
der That vom Lande herüber gekommen war. Die Bark „Parnass“, Kapitän 
J. Früdden, — J. S. 2758 — von Hamburg nach Valparaiso bestimmt, hatte 
auf der Höhe der Mündung des Rio de la Plata am 9. und 10. Februar 1887 
den Wind von NE 8 allmählich südlicher drehend und abflauend bis SE 2, bei 
bedeckter Luft und mit Regenschauern und bei langsam bis 752,7 mm abnehmen 
dem Luftdruck. Um 1P p. m. am 10. Februar, also zwei Tage früher als an 
Bord von „Undine“ und „Dione“, als sich „Parnass“ in 36,5° S-Br und 53,1° 
W-Lg, in 130 Sm Abstand von der Küste von Uruguay befand, setzte der Wind 
plötzlich mit Stärke 7 von SSW ein und wuchs bald zum Sturme an, der im 
Laufe des 11. Februar, nachdem die Windrichtung westlicher geworden war, 
eine Unmasse Pflanzenstoffe mit sich führte. 
Noch deutlicher ergiebt sich das Herkommen der draufsen auf dem Ocean 
angetroffenen Schmetterlinge aus dem Journal des Dampfschiffes „Köln“, Kapt. 
K. von Goessei, das, auf der Reise von St. Vincent nach Montevideo begriffen, 
am 10. Februar ungefähr 6 : ’ nördlich von „Parnass“ unweit der Küste der 
Provinz Rio Grande do Sul stand. Der Bericht lautet: 
„1887 Februar 10 gegen 5 h p. m. im Süd westen drohend auf kommende 
Luft. Om 6*/P p. m. fällt eine schwere Regenböe aus W ein. Vor derselben 
kommen viele Schmetterlinge und Libellen an Bord. Wilde, kreuzweise laufende 
See, das Schiff arbeitet schwer.“ 
Der Ort des Schiffes, wo dasselbe von dem Insektenschwarui befallen 
wurde, war 31° S-Br und 49,4° W-Lg, 60 Sm von der Küste. Der niedrigste 
Barometerstand — 745,8 mm — und das Einsetzen des Windes aus SSW trat 
bei „Köln“ nahezu um dieselbe Zeit, wie an Bord von „Parnass“, am 10. Fe 
bruar um IQ 1 /** p. m. ein. ^ 
Wird angenommen, dafs die Schmetterlinge auf dem „Köln“ und die auf 
der „Undine“ demselben Schwarm angehörten, was in Anbetracht aller Um 
stände wohl gerechtfertigt erscheint, so ergiebt sich, dafs derselbe von dem 
„Köln“ zunächst gelegenen Punkte der Küste aus nicht weniger als 1070 Sin, 
ja das einzelne Exemplar, welches sich an Bord von „Dione“ verirrte, 1200 Sm 
weit nach SSO über See geführt wurde. Die ohne Unterbrechung und natürlich 
auch ohne Nahrung zugebrachte Zeit des Fluges berechnet sich unter derselben 
Annahme zu reichlich 48 Stunden und der stündlich in gerader Richtung zurück 
gelegte Weg zu 22 Sm. 
Ein zweites hier zu erwähnendes Beispiel wird in dem Journal S. 2740 
der Bark „Paul ThormannKapt. M. Martens, berichtet. Bei diesem Schiffe 
kam am Morgen des 29. November 1886, als sich dasselbe auf der Reise von 
Liverpool nach Mauritius im Südatlantischen Ocean auf 31,4° S-Br und 20° W-Lg 
befand, ein Schmetterling an Bord geflogen, der eingefangen wurde und 19 cm 
über den ausgespannten Flügeln mafs. 
Der Schiffsort liegt von dem nächsten Festlandpunkte — Kap St. Therme 
in Brasilien — S0z0 3 /40 1260 Sm entfernt. Bei dem Vorkommen eines 
Schmetterlings so weit draufsen im Ocean, nahezu mittewegs zwischen der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.