Schmettert! nge auf dem Südatlantischen Ocean.
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Schmetterlinge auf dem Südatlantischen Ocean, in weiter
Entfernung vom Lande.
(Mittheilung von der Deutschen SeewarteJ
Au einer früheren Stelle dieser Annalen — Jahrgang 1886, Seite 71 —
wurde bereits die Thatsaehe erwähnt, dafs ebenso wie der Wüstenstaub der
Sahara und Staub anderen Herkommens mitunter auch Landvögel und Insekten,
besonders Schmetterlinge, durch deu Wind bis in weite Entfernungen land-
abwärts geführt werden und sich dann auf den Schiffen mederlassen. Sehr
häufig ist diese Erscheinung in den Küstengewässern Süd-Brasiliens und der
La Plata-Staaten. Sie tritt hier in Begleitung der Pamperos auf, und zwar
kommen die Vögel und Insekten, welche oft in grofsen Schwärmen das Schiff
bedecken, nicht erst mit dem aus West bis Südwest hereinbrechenden Sturm,
sondern schon mit der vorhergehenden Windstille, wenn das vorher fallende
Barometer seinen niedrigsten Stand erreicht hat. Die Insekten- und Landvögel-
sehwärme sind die Begleiter vom Lande her kommender Luftdruck-Depressionen.
Dafs sie zur Zeit der Windstille erscheinen, mag sich vielleicht daraus erklären,
dafs nur diejenigen, welche vom Winde, infolge dessen Inklination zum Minimum
hin, in das windstille Ceutrum der Depression geführt werden und hier die
Möglichkeit finden, sieh auf dem Schiffe niederzulassen, am Leben erhalten
bleiben, während die längere Zeit dem vollen Sturm ausgesetzten zu Grunde
gehen. Möglicherweise trägt auch noch der in der Umgebung des Minimums
vorhandene aufsteigende Luftstrom dazu bei, dafs die Flugthiere hier länger in
der Luft schwebend gehalten werden und nicht sobald im Wasser mnkomxnen.
Die Depressionen, welche an der Ostküste Süd-Amerikas die Pamperos
hervorrui'en, ziehen von dort vorwiegend in südöstlicher Richtung über den
Südatlantischen Ocean. Ein paar Beispiele, welche zeigen, bis zu welchen
ungemein grofsen Entfernungen mit diesen Schmetterlinge landabwärts geführt
werden können, liefern die nachstehenden Berichte aus meteorologischen Schiffs
journalen, die bei der Seewarte eingegangen sind.
Journal S. 2731. Vollselriff „Undine“, Kapt. R. Bielenberg,
von Antofagasta nach Dünkirchen.
Baro-
Datum
Stunde
Sehiffsort
Wind
meter-
stand
Bemerkungen
1887
mm
Febr. 11
Mittag
48,4 0 S-Br, 42,1° W-Lg
NzE4
753,7
Bedeckt; in der Nackt Wind
östlich holend.
» 12
4 )l a. m.
SE8
744,3
Stürmisch; Regen die ganze
Wache.
S h no.
K5
738,6
Regen; Wind gegen 8 1 ’ abflauend.
Mittag
46,9 0 .S-Br, 41,5° W-Lg
ESE 4
733,5
Sehr unstetiger Zug von ESE.
Um 2 1 /a l1 p. m. lief der Wind
nach NNB. Zuweilen still,
fortwährend Regen, öfters in
verschiedenen Richtungen in
der Kimm auf klarend. Das
Barometer steht seit 2 1 /s h p.
4 1 * p. m.
46,9° S-Br, 43,6° W-Lg
NNE2
732,5
Um 4 h nebelig; sahen eine grofee
Anzahl grofser Schmetter
linge, aus südlicher Richtung
kommend, auf dem Schiffe
Schutz suchen. Nach 4 h
leichter Zug aus SSW, wel
cher rasch an Stärke zunahni.
8 h p. m.
SSW 8
731,0
Heftige Windstöfse und schwere
Böen.
Mittern.
SSW 11
738,0
Bedeckt, schwerer Sturm.
» 13
4 h a. m.
SWzW 10-11
742.7
Sehr schwere Böen mit Regen.
8 11 a . m.
SWzW 7
747,7
Abnehmender Wind, Luft ah-
klarend.
Mittag
W6
749,6