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Ans dem Reiseberichte S. M. S. „Carola“.
Aus dem Reiseberichte S. M. S. „Carola“, Kommandant
Korv.-Kapt. Valette.
Heber die Reise voa Zanzibar nach Aden und zurück.
Am 11. Juli d. J., 3 h 15 m p. m., befand sich S. M. S. „Carola“ frei von
den Aufsenriffs bei Tanga, und es wurde der Kurs auf N0 s /'40 festgesetzt. Mit
diesom Kurse (bei welchem auf einen Strom aus NNO gerechnet wurde) sollte
Ternate Shoal (3° 16' N-Br) auf ca 50 Sm Abstand passirt werden.
Der folgende Tag war trübe und es konnte erst in der darauf folgenden
Nacht dor Schiffsort dureh Observation festgestellt werdoD. Das Besteck ergab,
dafs das Schiff stark nach Land zu versetzt worden war und es wurde deshalb
der Kurs auf ONO geändert. Das Insichtkommen des Landes am anderen Tage
bestätigte das Besteck.
Bis dahin wehte der Monsun aus Süd und südsüdöstlicher Richtung mit
Stärke 4, am 14. p. m. jedoch drehte derselbe auf SW und nahm an Stärke
bedeutend zu. — Von Ternate Shoal an wurde ein starker östlicher Ström be
obachtet; derselbe ist auch in diesen Annalen 1886 S. 395 erwähnt. Da bis
zum Dunkelwerden Ras Hafun nicht in Sicht kam, S. M. S. „Carola* sich also
östlicher befand als sie sein sollte, so wurde beschlossen, das Kap Guardafui
nach den in diesen Annalen 1887 S. 245 angegebenen Anweisungen des Kapitän
Weston Bay anzusteuern.
Beim Ansteuern des Kap Guardafui habe ich, entgegen der von Korv.-
Kapt. Jesehke in diesen Annalen 1888 S. 472 ausgesprochenen Ansicht, die
Ueberzeugung gewonnen, dafs mit dem Tiefloth und dem Messen der Wasser
temperatur sich beim unsichtigsten Wetter das Kap Guardafui sicher umschiffen
läfst. S. M. S. „Carola“ giDg Nachts bei diesigem Wetter und starkem Sturm
so lange mit NNWVsW-Kurs auf Land zu, bis das Land mit 117 m Wasser,
Grund Korallen, angelothet wurde, steuerte hierauf rw. Nord, lothete alle
Viertelstunde und stellte die Wässertemperatur fest. Als letztere die von
Kapt. Weston Bey angegebene Höhe von 27,8° C. erreicht hatte, wonach sich
das Schiff auf dem Breitenparallel von G-uardafui befinden sollte, gab auch
kurz darauf das Loth Tiefen von über 200 m an, ein Zeichen, dafs die Bank
nordöstlich vom Kap Guardafui passirt war und in den Golf von Aden ein
gelaufen werden konnte. Nachdem der Kurs uoeh eine Stunde beibehalten,
wurde derselbe auf NNWVsW geändert, und es kam auf diesem Kurse beim
Hellwerden das Kap Aluleh querab in ca 17 Stn Abstand in Sicht. — In Bezug
auf das Ansteuern nach Wind und Seegang schliefse ich mich der Ansicht des
Korv.-Kapt. Joschke an, dafs es höchst unsicher ist, sich darauf zu verlassen.
Der von Ras Hafun bis zum Kap Guardafui äufserst starke SW-Wind,
Stärke 9—10, hielt an bis zur Wetterscheide Ras Aluleh und ging nach kurzer
Stille in starken W-Wind, Stärke 8, über. Letzterer ist für diese Jahreszeit
auch in den Segelanweisungcn angegeben. Am 18. Juli, 3 h p. m., wurde auf
der Aufsenrhode von Aden in WzS ca 1 Sm vom Feuerschiff geankert.
Am folgenden Morgen ging S. M. S. „Carola u unter Zuhülfenahme eines
Lootsen über die Barre in den Binnenhafen, da, wie der Lootse meldete, nicht
18 sondern 20 Fufs Wasser auf der Barre wären (bei Hochwasser 24' engl. =
7,3 m). Die Kapitäne der in dieser Zeit nach Aden einkommenden Postdampfer
berichteten alle, dafs sie beim Kap Guardafui, östlich von Socotra, einen
ungemein starken Monsun angetroffen hätten.
Auf der Rückreise wurden die Witterung und die Stromverhältnisse im
Golf von Aden der Segelanweisung entsprechend gefundon; als S. M. S. „Carola“
sich der Südküste näherte, bekam sie eine der ohne jedes Anzeichen einsetzon-
den SW-Böon, welche mehrere Stunden bis zur Stärke 7 wehte, viel Sand und
Hitze mit sieh führte und eben so plötzlich, wie sie aufgetreten war, wieder
zu Ende ging. Der äufserst starke Monsun wurde auch jetzt noch angetroffen