470 Die Kompensation der von elektrischen Beleuchtungsanlagen erzeugten Deviation.
Die Koefficienten der Deviation während der elektrischen Beleuchtung:
A ss -f P 47', B — —0° 26', 0^—5° 47', D = + 5 0 39', B = + 0° 27'.
Ohne Beleuchtung:
A = + 2° 56', B — + 0° 43', C = —Ö° 59', D = + 5° 44', B = 1° 07'.
Die Beobachtungen des Herrn Jakowleff ergaben, dafs bei der Ver
änderung der Stromstärke die Deviation dieselbe blieb. Demnach kann man
annehmen, dafs die nachgebliebene Deviation hauptsächlich der „beständigen
Kraft“ zuzuschreiben sei. Da die Aufhebung des Einflusses der linken Dynamo
maschine nach den im Jahre 1886 angestellten Beobachtungen vorgenommen
wurde, und die genauere Einstellung des sehr primitiv hergestellten provisorischen
Kompensators viel zu wünschen übrig liefs, so konnte man die nachgebliebene
Deviation den unumgänglichen Veränderungen der neuen Aufstellung der Dynamo
maschinen im Frühjahr 1887 sowie zum Theil der primitiven Kompensations-
Vorrichtung zuschreiben. Jedenfalls durfte man an nehmen dafs die Aufgabe,
wenn auch in der ersten Annäherung, gelöst sei.
Erst im Jahre 1888 wurde eia nach der auf Tafel 19 beigefügten Zeichnung
angefertigter Kompensator auf der Kaiserlich russischen Yacht „Derskawa“
angebracht. Die Aufhebung der von den Dynamomaschinen erzeugten Deviation
war nach der Angabe des ältesten Steuermanns der Yacht, des Herrn Marine-
Lieutenants Jakowleff, eine vollständige.
Bei der Aufstellung von Dynamomaschinen auf Schiffen bat man haupt
sächlich zu berücksichtigen, dafs dieselben nicht in unmittelbarer Nähe von
grofsen Eigenmassen zu stehen kommen. Eine bestimmte Entfernung anzugeben,
in welcher dieselben vom Kosmpafs aufgestellt worden müssen, damit keine
bemerkbare Deviation hervorgerufen wird, ist fast unmöglich. Es hängt viel
von den örtlichen Umständen ab, denn z. B. auf einer Fregatte, wo unter
anderen die nächste Dynamomaschine (Leistungsfähigkeit derselben = 8200 Volt-
ampère) in einer Entfernung von etwa 8 m vom Ko mp als aufgestellt war, wurde
der Kompafs fast untauglich, weil zwischen dem letzteren und der Dynamo
maschine eine stählerne Welle sieh befand, die so stark inducirt wurde, dafs
kleinere Eisentheile, Schlüssel etc. an derselben hängen blieben. — Nach der
Entfernung der Welle wurde keine Deviation auf dem Kompasse wahrgenommen.
Die inducirten Eisenmassen sind gefährlicher für den Kompafs als die
Dynamomaschinen selbst, da der permanente Magnetismus der Massen sich
leicht verändern kann. In der Nähe von Kompassen vorübergeführte Kabel
sind weniger gefährlich, da sie in der Praxis meist paarweise gelegt werden,
so dafs die Hin- und Rückleitungen in einer Leiste zu liegen kommen und ihre
Wirkung sich dadurch kompensirt.
Die Glühlampen selbst, wenn die Leitungen richtig gelegt sind, üben
keinen Einflufs auf den Kompafs aus. In der Kaiserlich russischen Flotte sind
auf einigen Schiffen die Kompasse mit grofsen Vortheilen durch Glühlampen
beleuchtet worden.
Es sind in letzter Zeit hier Versuche gemacht worden, den Einflufs der
Dynamomaschinen auf Kompasse durch Eisenplatten zu kompensiren, die zwischen
die Dynamomaschinen und die Kompasse gelegt wurden.
Meiner Ansicht nach kann kein Erfolg von diesen Versuchen erwartet
werden, da man kein Eisen finden kann, welches einen genügend grofsen
Induktions- oder Magnctisirungskoöfficienten besitzt.
Man würde, um eine nennenswerthe Verringerung der Deviation herhei-
zuführen, sehr grofse Eisenmassen anhringen müssen, dieses würden die be
schränkten Räumlichkeiten der Schiffe verbieten, und zweitens würden die Kosten
weit die des hier beschriebenen Kompensators übersteigen.
Vielleicht ruft man gerade durch das Anhringen von Eisenmassen in der
Nähe von Dynamomaschinen eine sehr veränderliche semicirkuläre Deviation
hervor, jedenfalls kann diese Frage nur durch die Praxis endgültig entschieden
werden.