462 Die Kompensation der von elektrischen Beleuchtungsanlagen erzeugten Deviation.
grofsem Widerstande kompensirt, der parallel dem Nebenschlafs (shunt) der
Dynamomaschine mit derselben verbunden war.
Zufolge der guten Resultate, die wir erhielten, wurde im Jahre 1888 in
den Werkstätten des Marine-Ministeriums nach meinen Vorschlägen ein Kom
pensator angefertigt, der die Aufhebung der von den beiden Dynamomaschinen
hervorgerufenen Deviation gestattete.
Die Beobachtungen der von der elektrischen Beleuchtungsanlage hervor
gerufenen Deviation und die Kompensation derselben sind in dem nachfolgenden
Aufsätze näher beschrieben. Die Beobachtungen sowie die nöthigen Rechnungen
sind unter der ausschliefslichen Leitung des Herrn Oberst de Collongue vor
genommen worden, die Aufhebung und der technische Theil fielen mir zu.
Die Beleuchtungsanlage und die Kompasse der Kaiserlich
russischen Yacht „Dershawa“. Die elektrische Beleuchtungsanlage der
„Derakawa? besteht aus zwei zweipoligen Compound-Dynamomaschinen, System
Schuckert (Nürnberg),; jede derselben entwickelt bei 450 Umdrehungen (pro
Minute) einen Maximalstrom von 55 Volt und 150 Ampère, Beide Dynamo
maschinen sind mit den zugehörigen Dampfmaschinen direkt gekuppelt; um die
Gleichmäfsigkeit des Ganges der Dampfmaschinen zu erhöhen, tragen die ge
kuppelten Axen massive Schwungräder. Der zum Betriebe nöthige Dampf wird
von etwa 10 m entfernt stehenden Bellevillo-Kesseln geliefert.
Die Dynamos nebst den Dampfmaschinen sind in einem Verschlage unter
der Kommandobrücke aufgestellt, so dafs die Axen der Dynamomaschinen
parallel der Kielrichtung liegen, und die Entfernung derselben von einander
etwa 2 m beträgt. Genau über dem Verschlage für Dynamo- und Dampf
maschinen, auf der Kommandobrücke, ist das Steuerhaus mit dem Dampfsteuer
apparate und dem Steuerkompasse aufgestellt; die Entfernung zwischen den
Dynamos und dem Steuerkompasse ist gleich 3 m.
Die Anordnung der Leitungen ist folgende: ein Magästralkabel (mit beiden
Dynamomaschinen verbunden) läuft durch das ganze Schiff, welches in acht
Beleuchtungsrayons eingetheilt ist, von jedem Rayon führt eine Rückleitung zum
Hauptkommutator, welcher auf der linken Seite des Vorschlages angebracht ist.
Dieses Leitungsschema gestattet demzufolge das Einschalten eines beliebigen
Beleuchtungsrayons in den Stromkreis der rechten oder linken Dynamomaschine.
Um die ganze Yacht zu beleuchten, genügt eine Dynamomaschine; die andere
dient nur als Ersatzmaschine.
Der oben erwähnte Steuerkompafg ’) hat eine zehnzöllige leichte Kompals-
rose 8 ) und ist mit einem Deviationskoropeiisator, System de Collongue, ver
sehen. 8 )
Zu den nöthigen Kurs- und Deviations-Berichtigungen wurde ein Regel-
kompafs (mit einem Deviationskompensator), auf den die Dynamomaschinen
keinen Einflufs ausübten, verwandt. Die magnetischen Messungen wurden mit
dem Collongue’sohen Deflektor vorgenommon.
Die Beobachtungen des Einflusses der elektrischen Beleuch
tungsanlage auf den Steuerkompafs der Yacht. Um die Einwirkung
der Dynamomaschine auf den Steuerkompafs kennen zu lernen, hätten die Unter
suchungen bei vollständig festliegendem Schiffe vorgenommen werden sollen,
was bei der Yacht „D&rshawa“ nicht zu erreichen war, da dieselbe auf der
Kronstädter Rhede vor Anker lag; so waren wir gezwungen, die Deviationen
und Horizontalkräfte 4 ) vor und nach der Einwirkung der Dynamomaschine auf
den Steuerkompafs zu beobachten. Die Resultate waren folgende:
>) A»f der Yacht „DenlMim“ sind zwei Regel- und drei Steuerkompasse angebracht.
2) In der Kaiserlich russischen Flotte werden StenerkdmpaSse mit leichten Kompaßrosen,
deren Gestell aus Aluminium und Seidenfiden angefertigt Ist, versehen; dieselben weichen nur
wenig von der Konstruktion der Xhomson’schen ab. Da Kompafsross» mit Seidenfäden für Regel
kompasse sieh als nicht zweckentsprechend erwiesen haben, >0 werden letztere nur mit Kompaßrosen
ausgerüstet, deren Gestell ganz aus Aluminium angefertigt ist.
3) Anfserdem war der Steuerkompafs mit einer abnehmbaren Peilvorrichtung versehen; doch
konnten nicht alle Peilungen vom Steuerkompasse vorgenommen werden, da das Steuerhaus den
Horizont beschränkte.
3) Da uös nur eine durch das Wetter beschränkte Zeit zur Verfügung stand, Bö wurde der
Einfluß nnr einer, der linken, Dynamomaschine auf den Steuerkompafs untersucht; desgleichen wur
den keine Messungen der Vertikaikräfte vorgenommen.