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Ann. d. Hydr. etc., XVII. Jalirg. (1889), Heft XII.
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Die Kompensation der von elektrischen Beleuchtungsanlagen
erzeugten Deviation.
Von K. Dobroif.
Hierzu Tafel 18 und 19.
Einleitung. Ira Jahre 1886 erhielt die Kaiserlich russische Yacht
„Dershcma“ eine elektrische Beleuchtungseinrichtung.
Diese Beleuchtungsanlage rief auf dem zumeist gebrauchten Steuerkompasse
oine Deviation (bis 25°) hervor, die je nach der eingeschalteten Anzahl der
Glühlampen einen sehr veränderlichen Werth hatte; besonders zeigte sich der
schädlicho Einfiufs dann, wenn die Dynamomaschinen angelassen oder die Zahl
der brennenden Lampen plötzlich verändert wurde —• die Kompafsrose kam
dadurch in grofse Schwankungen und beruhigte sich erst nach längerer Zeit.
Die von der elektrischen Beleuchtungsanlage hervorgerufene Deviation
mit gewöhnlichen Mitteln (Magneten etc.) aufzuheben, war unmöglich; einen
anderen Ort für die Aufstellung der Dynamomaschine oder des Steuerhauses
mit dem Kompasse zu finden, was das Einfachste gewesen wäre, gestatteten die
Räumlichkeiten der Yacht nicht, so blieb nichts anderes übrig, als den Einfiufs
der Dynamomaschinen auf den Kompafs genauer zu untersuchen und womöglich
Mittel* zu finden, um diese schädlichen Einwirkungen auf den Steuerkompafs
der Kaiserlich russischen Yacht „Dershawa“ aufzuheben.
Da ich mich schon früher mit ähnlichen Arbeiten beschäftigt hatte, so
forderte mich der Herr Oberst de Collongue auf, bei dieser ihm vom Marine-
Ministerium übertragenen Arbeit behülflieh zu sein.
Nach mehreren mifslungenen Versuchen gelang es uns, an einem vom
Wetter begünstigten Tage, im August 1886, eine Reihe von Beobachtungen
anzustellen, aus denen es sich erwies, dafs auf den Kompafs zwei verschiedene
magnetische Kräfte, eine veränderliche und eine gewissermafsen beständige
Kraft, die theilweise direkt den Dynamomaschinen und den Magistralkabeln der
Beleuchtungsanlage, theilweise der durch Induktion in den Dampfmaschinen, dem
Dampfsteuerappai'ate, sowie in dem naheliegenden Schiffseisen hervorgerufenen
magnetischen Kraft zuzuschreiben war, einwirken.
Die veränderliche magnetische Kraft entsprach der in der Gesammtkette
(der Dynamomaschinen und der Magistralkabel) geleisteten magnetischen Ar
beit und war demnächst der von den Dynamomaschinen geleisteten Stromstärke
(Ampère) proportional. Die beständige Kraft konnte als durch den Strom im
Nebenschlufs (shunt) der Dynamomaschinen erzeugt angesehen werden, dieselbe
hing demzufolge von der Gröfse der elektromotorischen Kraft (Spannung,
Volt) ab.
Die von der elektrischen Beleuchtungsanlage erzeugte Deviation konnte
erst im Jahre 1887 kompensirt werden, da die Yacht Ende August 1886 nach
Kopenhagen entsendet wurde und dieselbe gleich nach der Rückkehr den Befehl
zur Abrüstung erhielt.
Zur Aufhebung wurden Elektromagnete, die von den Dynamos ihren
Strom erhielten, verwendet, und zwar wurde versuchsweise nur die Deviation,
welche von der linken Dynamomaschine hervorgerufen wurde, aufgehoben. Der
veränderlichen Kraft wurde vermittelst eines Elektromagneten von geringem
Widerstande entgegengearbeitet, der in eine Abzweigung der Magistrale ein
geschaltet war. Die beständige Kraft wurde durch einen Elektromagneten von