Kleine Notizen.
459
Eine Brandung war weder zu sehen noch zu hören, obschon etwas östliche
Dünung vorhanden war. Ich will nicht behaupten, dafs diese Erscheinung
unbedingt auf das Vorhandensein eines Riffes hindeutet; allein ich möchte doch
den Schiffsführern anrathen, diese Gegend bei unsichtigem Wetter mit Vorsicht
zu passiren. Treibstoffe im Wasser waren nicht vorhanden, auch fand im
Uebrigen kein Meeresleuchten statt. Nachdem wir die hellen Stellen umsegelt
hatten, boten dieselben, von der anderen Seite gesehen, denselben Anblick dar.
Das Ganze sah der Verfärbung der Meeresoberfläche über einer Bank oder einem
Riff ungemein ähnlich.“
6. (D. 8.) Erkrankung nach dem Genasse von Fischen. Kapt.
C. Oltmann von der deutschen Bark „Pacific“ macht auf der Reise von Manila
nach dem Kanal die folgende Aufzeichnung in seinem meteorologischen Journal:
„Am 7. Februar 1888 passirten wir um Mittag auf 11,4° S-Br und 101,6°
Q-Lg eine grofse Schaar Bonitos, die die Oberfläche des Meeres derart in Be
wegung setzten, dafs es wie Brandung aussah. Es gelang uns, innerhalb
lYi Stunden 30 der Fische zu fangen. Nach dem Genufs derselben am Mittage
des zweiten Tages erkrankten einige der Leute, obgleich wir beim Kochen den
alten Gebrauch, ein Stück Silber in den Topf zu thun, um die schlechte Be
schaffenheit der Fische an dessen Aussehen zu erkennen, nicht verabsäumt
hatten. Man ersieht daraus, dafs dieses nicht immer eine sichere Warnung
gewährt, wenn das Fleisch der Fische, wie manchmal der Fall, ungesund ist.“
7. (D. S.) Flaschenposten, a) Eingesandt von dem Fischer Jaques
Girand aus Sables d’Olonne, Vendée. Dieser Zettel wurde über Bord geworfen
von der deutschen Bark „Caroline Befm% Kapt. H. Rickert, auf der Reise
von Corinto nach dem Weserleuchtthurm, am 27. Juni 1889 auf 48° 6' N-Br
und 8° 25' W-Lg und gefunden von dem anfangs genannten Fischer, auf dem
Meere treibend, am 27. August 1889 an der Westküste von Frankreich, ungefähr
15 Sm nördlich von der lusel <£’ Yeu.
Unter den bekannten Voraussetzungen hat die Flasche in 61 Tagen
etwa 245 Sm nach 0S0 5 /&0 zurückgelegt.
b) Durch Vermittelung des Konsulats des Deutschen Reichs in Bahia
und des Redakteurs der daselbst erscheinenden Zeitung „Diario de Nolicias“
ist der See warte ein Flaschenpostzettel zugegangen, welcher von dem deutschen
Vollschiffe „KatharineKapt. B. Spille, auf der Reise von Cardiff nach
Simons Town, am 7. Juli 1889 auf 15° 53' S-Br und 32° 15' W-Lg über Bord
geworfen und von dem Plantagenbesitzcr Herrn D. Luiz Balthasar da
Silveira am 12. August 1889 an der Ostküste von Brasilien bei der Insel
Patipe, auf dem Strande, in ungefähr 15° 41' S-Br und 38° 56' W-Lg auf
gefunden wurde.
Die mit etwas Sand beschwerte Flasche bat unter den bekannten Voraus
setzungen in 36 Tagen 386 Sm nach W l /sN zurückgelegt.
c) Ein Flaschenpostzettel, eingesandt von dem Hafenmeister in Antigua
(Westindien), Herrn James Bums, über Bord geworfen von der deutschen
Bark „Spéculant“, Kapt. 0. Kampehl, auf der Reise von Buenos Après nach
New York, am 17. April 1889 auf 16° 20' N-Br und 54° 30' W-Lg und
gefunden von dem Fischermann J. D. Sweeney am 20. August 1889, nachdem
die Flasche nach dessen Ansicht bereits einige Tage auf dem Strande gelegen
hatte, in der Halfmoon-Bai an der Südostküste von Antigua, auf 17° 2' N-Br
und 61° 42' W-Lg.
Nach den obigen Angaben hat die Flasche in etwa 125 Tagen 416 Sm
naeh W‘/sN zurückgelegt.
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn
Königliche Hofbuchhandlung und Hofhnchdruckerei
Berlin, Kocbstrafse 68—70»