accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

43B 
Die Küste von Atacama, Chile. 
bis zu Höhen von 600 bis 1000 m und hierauf allmählicher zur Andenregion 
an, wo sie Höhen von 4000 bis 5000 m erreicht. In ihr finden sich aufser 
beträchtlichen Lagern von salpetersaurem Natron und anderen werthvollen 
Salzen, reiche Silber- und Kupforgänge, von denen die letzteren in der Nähe 
der Küste und an manchen Stellen fast unmittelbar am Meeresufer eine ergiebige 
Ausbeute gewähren. Diesen Mineralreichthümern hat die Küste ihre Wichtigkeit 
zu verdanken. Ohne dieselben würde sie, mit Ausnahme der Häfen, welche 
den Handel mit Bolivia vermitteln, wahrscheinlich nur wegen ihres Reichihums 
an Fischen und Robben aufgesuebt werden, weil sie unfruchtbar und fast ganz 
ohne Wasser ist. In einigen nach dem Meere hin auslaufenden Schluchten und 
Thälern trifft man wohl Quellen an, doch sind dieselben entweder salzhaltig 
oder so spärlich, dafs sie nur eine dürftige Vegetation ernähren können. 
Von den in der Nähe der Küste wachsenden Pflanzen verdient ein Säulen 
kaktus, der Copado (öereus peruvianus?) erwähnt zu werden, weil das zähe, 
holzige Innere seines Stammes zum Hiittenbau und zu Einzäunungen benutzt 
wird und auch ein gutes Brennmaterial liefert. Dieser Kaktus ist von dunkel 
grüner Farbe und hat einen geraden, ziemlich dicken Stamm von oft über 6 m 
Höhe, an welchem viele senkrechte Seitenstämme mit rotheD, 25 cm langen 
Blüthen sitzen. 
Die SäugetMere sind nur durch wenige Arten vertreten. Die bemerkens- 
wertbesten sind das Guanako, die Chinchilla und der Seelöwe (Otaria). Das 
Guanako lebt in den höheren Theilen des Berges Moreno, dessen Gipfel sehr 
oft in dichte Nebel gehüllt ist, die an den Erdboden genügende Feuchtigkeit 
zum Gedeihen einiger Futterkräuter abgeben. Die Chinchilla, eine Art Hasen 
maus, welche ihres ungemein weichen zarten Pelzes wegen gejagt wird, begnügt 
sieh mit Wurzeln und kleinen Gewächsen. Sie ist ziemlich häufig in den 
Küstenbergen. Der Seelöwe wird an manchen Stellen der Küste angetroffen, 
aber nicht mehr in so grofser Zahl wie früher, weil ihm seines werthvollen 
Felles wegen sehr nachgestellt wird. Seevögel und auch einige Landvogelarten, 
namentlich Geier, beleben dio Küste, deren Gewässer sehr reich an schmack 
haften Fischen und Schalthieren sind. 
Das Klima wird durch den längs der Küste nördlich setzenden Meeres 
strom sehr gemildert; es ist zwar feucht aber durchaus nicht ungesund. Ende 
mische Krankheiten kommen nicht vor und epidemische, mit Ausnahme der im 
Frühling sporadisch auftretenden Blattern, haben bisher an keinem Orte der 
Küste geherrscht. Das Gelbfieber äst nie weiter südlich als bis zur Breite der 
Loa-Mündung vorgedrungen. 
Nach den bisher an verschiedenen OrteD der Küste gemachten Beobach 
tungen sind die Schwankungen der Temperatur keine beträchtlichen. Das 
Maximum derselben übersteigt selten 27° 0., da8 Minimum beträgt ca 14° und 
die mittlere Jahrestemperatur ungefähr 19° C. Auf deu Hochebenen der Wüste 
sind plötzliche Teroperaturänderungen, namentlich im Herbst (März bis Mai) 
und Winter (Juni bis August) sehr häufig und bedeutend. Am Tage ist es 
dort sehr heifs und des Nachts empfindlich kalt. 
Der mittlere jährliche Barometerstand ist an der Küste ungefähr 764,4 mm, 
die mittlere jährliche Amplitude ca 8 mm und die mittlere tägliche Schwankung 
ungefähr 2,0 mm, 
Regen, mit Ausnahme leichter Staubregen, findet selten, vielleicht zwei 
oder dreimal im Jahre statt und ist meistens von kurzer Dauer. Auf deu 
Hochebenen sind dichte Nebel, Camachacas genannt, häufig und wegen ihrer 
Dichtigkeit von dem Wanderer gefürchtet. Sie senken sieb oft auf die Küste 
herab und erstrecken sich auch seewärts bis zu 5 Sm vom Lande. Doch sind 
sie hier von kurzer Dauer und verschwinden, sobald die Sonne eine gewisse 
Höhe erreicht hat. 
An der Küste wechseln Land- und Seewinde ziemlich regelmäfsig. 
Sie wehen jedoch nicht direkt vom Lande zum Meere, beziehungsweise von 
diesem zu jenem, sondern erfahren eine Ablenkung, welche durch die Richtung 
und Gestaltung der Küste bedingt wird. Die Richtung, aus welcher der Land 
wind, Terral genannt, weht, ist eine südsüdöstliche, und die des Seewindes, 
Virazon genannt, eine südsüdwestliche. Der erstem beginnt gewöhnlich kurze 
Zeit nach Sonnenuntergang, weht während der ganzen Nacht und des Morgens
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.