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Die Küste von Atacama, Chile.
bis zu Höhen von 600 bis 1000 m und hierauf allmählicher zur Andenregion
an, wo sie Höhen von 4000 bis 5000 m erreicht. In ihr finden sich aufser
beträchtlichen Lagern von salpetersaurem Natron und anderen werthvollen
Salzen, reiche Silber- und Kupforgänge, von denen die letzteren in der Nähe
der Küste und an manchen Stellen fast unmittelbar am Meeresufer eine ergiebige
Ausbeute gewähren. Diesen Mineralreichthümern hat die Küste ihre Wichtigkeit
zu verdanken. Ohne dieselben würde sie, mit Ausnahme der Häfen, welche
den Handel mit Bolivia vermitteln, wahrscheinlich nur wegen ihres Reichihums
an Fischen und Robben aufgesuebt werden, weil sie unfruchtbar und fast ganz
ohne Wasser ist. In einigen nach dem Meere hin auslaufenden Schluchten und
Thälern trifft man wohl Quellen an, doch sind dieselben entweder salzhaltig
oder so spärlich, dafs sie nur eine dürftige Vegetation ernähren können.
Von den in der Nähe der Küste wachsenden Pflanzen verdient ein Säulen
kaktus, der Copado (öereus peruvianus?) erwähnt zu werden, weil das zähe,
holzige Innere seines Stammes zum Hiittenbau und zu Einzäunungen benutzt
wird und auch ein gutes Brennmaterial liefert. Dieser Kaktus ist von dunkel
grüner Farbe und hat einen geraden, ziemlich dicken Stamm von oft über 6 m
Höhe, an welchem viele senkrechte Seitenstämme mit rotheD, 25 cm langen
Blüthen sitzen.
Die SäugetMere sind nur durch wenige Arten vertreten. Die bemerkens-
wertbesten sind das Guanako, die Chinchilla und der Seelöwe (Otaria). Das
Guanako lebt in den höheren Theilen des Berges Moreno, dessen Gipfel sehr
oft in dichte Nebel gehüllt ist, die an den Erdboden genügende Feuchtigkeit
zum Gedeihen einiger Futterkräuter abgeben. Die Chinchilla, eine Art Hasen
maus, welche ihres ungemein weichen zarten Pelzes wegen gejagt wird, begnügt
sieh mit Wurzeln und kleinen Gewächsen. Sie ist ziemlich häufig in den
Küstenbergen. Der Seelöwe wird an manchen Stellen der Küste angetroffen,
aber nicht mehr in so grofser Zahl wie früher, weil ihm seines werthvollen
Felles wegen sehr nachgestellt wird. Seevögel und auch einige Landvogelarten,
namentlich Geier, beleben dio Küste, deren Gewässer sehr reich an schmack
haften Fischen und Schalthieren sind.
Das Klima wird durch den längs der Küste nördlich setzenden Meeres
strom sehr gemildert; es ist zwar feucht aber durchaus nicht ungesund. Ende
mische Krankheiten kommen nicht vor und epidemische, mit Ausnahme der im
Frühling sporadisch auftretenden Blattern, haben bisher an keinem Orte der
Küste geherrscht. Das Gelbfieber äst nie weiter südlich als bis zur Breite der
Loa-Mündung vorgedrungen.
Nach den bisher an verschiedenen OrteD der Küste gemachten Beobach
tungen sind die Schwankungen der Temperatur keine beträchtlichen. Das
Maximum derselben übersteigt selten 27° 0., da8 Minimum beträgt ca 14° und
die mittlere Jahrestemperatur ungefähr 19° C. Auf deu Hochebenen der Wüste
sind plötzliche Teroperaturänderungen, namentlich im Herbst (März bis Mai)
und Winter (Juni bis August) sehr häufig und bedeutend. Am Tage ist es
dort sehr heifs und des Nachts empfindlich kalt.
Der mittlere jährliche Barometerstand ist an der Küste ungefähr 764,4 mm,
die mittlere jährliche Amplitude ca 8 mm und die mittlere tägliche Schwankung
ungefähr 2,0 mm,
Regen, mit Ausnahme leichter Staubregen, findet selten, vielleicht zwei
oder dreimal im Jahre statt und ist meistens von kurzer Dauer. Auf deu
Hochebenen sind dichte Nebel, Camachacas genannt, häufig und wegen ihrer
Dichtigkeit von dem Wanderer gefürchtet. Sie senken sieb oft auf die Küste
herab und erstrecken sich auch seewärts bis zu 5 Sm vom Lande. Doch sind
sie hier von kurzer Dauer und verschwinden, sobald die Sonne eine gewisse
Höhe erreicht hat.
An der Küste wechseln Land- und Seewinde ziemlich regelmäfsig.
Sie wehen jedoch nicht direkt vom Lande zum Meere, beziehungsweise von
diesem zu jenem, sondern erfahren eine Ablenkung, welche durch die Richtung
und Gestaltung der Küste bedingt wird. Die Richtung, aus welcher der Land
wind, Terral genannt, weht, ist eine südsüdöstliche, und die des Seewindes,
Virazon genannt, eine südsüdwestliche. Der erstem beginnt gewöhnlich kurze
Zeit nach Sonnenuntergang, weht während der ganzen Nacht und des Morgens