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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

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Aus cSem Reiseberichte der deutschen Bark „Aeolus“. 
Bekanntlich treten an der hiesigen Küste in den Monaten August bis Oktober 
häufig stürmische südlicho Winde auf. Dieselben beginnen in der Regel aus 
SE und enden von SW. Da die Küste dud nahezu nordwestlich verläuft, so 
ist es beim Einsetzen der stürmischen Winde leicht, unter Segel zu kommen 
und von der Küste abzuliegen. Die in der trockenen Jahreszeit vorherrschen 
den nordwestlichen Winde verursachen auf der Rhede keinen nenncnswerthen 
Seegang. Die AnsegeluDg ist sehr leicht, der hohe Berg San Juan bietet dazu 
eine gute Landmarke. Schiffe, die von Süden kommen, haben ihren Kurs auf 
diesen Berg zu setzen, nachdem derselbe in Sicht gekommen ist. Weitersegelnd 
■wird man die Klippen Piedra Bianca de Tietra zeitig genug voraus entdecken. 
Man ankert in der schlechten Jahreszeit ungefähr OSO von denselben, während 
es in der guten Jahreszeit zulässig ist, dieselben in die Peilung WSW zu 
bringen, also etwas weiter nach innen zu segeln, bevor der Anker fallen 
gelassen wird. Wenn das Wetter es gestattet, kommt der Lootso weit genug 
draufsen an Bord. Er bedient sieh dazu eines gewöhnlichen kleinen Bootes, 
welches als Erkennungszeichen eine weifse Flagge führt. Ein von West oder 
Nord ansegelndes Schiff hat eine vortreffliche Segelmarke an Piedra Bianca del 
Mar, welche es nahebei zu passiren hat. 
Der Strom ist in der Bucht von San Blas gewöhnlich von dem wehenden 
Winde abhängig; indessen habe ich nicht selten einen nördlichen Strom bei 
leichter nordwestlicher und westlicher Briese beobachtet. Meiner Ansicht nach 
setzt der Strom für gewöhnlich längs der Küste von Süden her in nordwest 
licher Richtung bis Piedra Bianca del Mar und stöfst hier auf den von Nord 
westen kommenden. Auf zwei Reisen von Norden habe ich diesen Stromwechsel 
beobachten können. Nachdem wir, begünstigt von einem südlichen Strom, 
Piedra Bianca del Mar rasch erreicht hatten, trafen wir 2 Sm östlich von 
diesen Klippen auf einen nördlichen Strom. Die verschiedenen Strömungen 
waren an der verschiedenen Färbung des Wassers erkenntlich. Nordwestlich 
von den Klippen war das Wasser klar, während es südlich und südöstlich da 
von, soweit das Auge reichte, eine gelbliche Farbe hatte. Ich schrieb diese 
Erscheinung damals der Verschiedenheit in den Wassertiefen zu, doch ist dieses 
wohl nicht zutreffend, denn das klare Wasser ist gleichzeitig das flachste, 
während da, wo es gelb aussiebt, die gröfsten Tiefen Vorkommen. Auf unserer 
letzten Reise hatten wir in der Nähe von San Blas eine Strom Versetzung von 
12 Sm nach W in 12 Stunden. 
Auf der Rhede von San Blas bewachsen die Schiffsböden äufserst rasch 
mit Muscheln, was besonders für eiserne Schiffe von grofsem Nachtheil ist. 
Der Bohrwurm kommt überall an der ganzen Küste vor. Die rascheste Post 
verbindung mit Europa von San Blas ist diejenige via El Paso über Land bis 
New-York und weiter. Die Hauptausfuhrartikel sind aufser Cedernholz Silber 
erz, nach Deutschland und San Francisko, und etwas Rosenholz nach letzt 
genanntem Platz; ferner im Küstenverkehr Zucker, Miscal (letzteres ein aus der 
Kaktnspflauze bereitetes und dem peruanischen Pisco ähnlich schmeckendes 
Getränk), baumwollenes Zeug, Cigarren und Hüte. Die Einfuhr besteht in 
Industrieerzeugnissen und Baumwolle, welch letztere auf den im Innern belegenen 
Fabriken verarbeitet wird. 
Das Klima von San Blas kann von November bis Mai oder Juni als 
gesund bezeichnet werden, aber in den anderen Monaten treten Fieber auf, die 
ihre Ursache in den die Stadt umgebenden Sümpfen haben. Eine arge Plage 
sind dazu die Musquitos und Sandfliegen; der Stich der letzteren kann sehr 
gefährlich werden. 
Alle Lebensmittel, die eingeführt werden, bedingen hohe Preise; Rind 
fleisch kostet 10 Cents pro 7» Kilo, An Gemüsen kommen vor; Salat, Tomaten, 
Bobnen, woifser Kohl und Zwiebeln; letztere sind namentlich von Februar bis 
Mai billig. Austern und Fische werden in grofsen Mengen gefangen. 
Camichin. Von San Blas versegelte „Aeolw* nach dem an derselben 
Küste etwa 22 Sm nördlicher — 11 bis 12 Sm nördlich von Piedra Bianca del 
Mar — belegenen Orte Camichin, einem Stapelplatz für Cedernholz. Ohne einen 
Lootsen kann man diesen Ort nicht aufflnden, denn er besteht nur aus zwei 
Hütten, einer kleinen und einer etwas gröfseren. Die gewöhnliche Bezeichnung 
des Platzes ist Barra de Camichin. Die Barre des Flusses gleichen Namens
	        
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