Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Aeolüs“.
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Der Import von Port Angeles besteht in Kaufmannsgütem und Salz, der
Export in Kaffee und Häuten. Vor Kurzem hat man etwa i (t Stn ostwärts von
hier eine Erdölquelle entdeckt. Dasjenige was ich von diesem Oel gesehen
habe, hatte dieselbe Farbe und denselben Geruch, als das amerikanische Naphtha.
Einmal in jedem Monat kommt ein Dampfer auf der Reise von -Sa« Francisco
nach Panama uud ebenso auf der Rückfahrt nach Port Angeles. Derselbe geht
aber nicht zu Anker, sondern stoppt außerhalb des Hafens.
Die Witterung war sehr heifs bei leichten Winden, wohl hauptsächlich
eine Folge der eingeschlosseuen Lage der Bai zwischen hohen Bergefa. Des
Nachts bildet sich häufig starker Thau. Eine grofse Plage waren Musquitos
und Sandfliegen.
Tecuanapa. Am 17. Januar 1888 vcrließöu wir um 10 Uhr Abends
mit der ersten Landbriese Port Angeles, um nach Tecuanapa zu segeln. Ein
günstiger SB- bis Südwind brachte uns rasch vorwärts, und schon am 20. er
reichten wir unseren Bestimmungsplatz, wo wir auf einer Wassertiefe von
14Va m (8 Fad.) ankerten. Hier erhielten wir 1373 Ballen Baumwolle, die in
4 Tagen übergenommen wurden. Tecuanapa, an dem Flusse Duke gelegen, ist
nur ein kleiner Ort. Die geographische Lage desselben bestimmte ich zu
16° 31' N-Br und 98° 4P W-Lg. Der genannte Flufs liefert das schönste
Trinkwasser an der ganzen Küste von Mexiko. Der beste Ankerplatz ist in
der Peilung: die Stadt NO. Die Stadt in eine nördlichere Peilung zu bringen,
ist nicht statthaft, denn je w r eiter südwärts man geht, desto größer wird die
Wassertiefe, welche auf der Süd—Nord-Linie mit der Stadt und 1 Sm außer
halb der Barre bereits über 180 m (100 Fad.) beträgt. Auf der Barre ist der
Wasserstand zur Springzeit 3 bis 37* m (10 bis 12 Fufs), bei tauber Gezeit
27> bis 3 m (8 bis 9 Fufs), innerhalb derselben 6 bis 9 m (20 bis 30 Fufs).
ln den Monaten Mai bis Oktober ist die Barre häufig nur mit Gefahr zu passiren,
in der übrigen Jahreszeit findet man aber meistens eine ruhige See, und das
Entlöschen und Beladen der Schiffe geht alsdann rasch von statten. Der Anker
grund hält vorzüglich. In der schlechten Jahreszeit (Mai bis Oktober) sollte
dieser Platz eigentlich nicht von Schiffen angelaufeu werden, weil alsdann, wie
schon angedeutet, das Löschen und Laden durch die hohe Brandung auf der
Barre sehr oft verhindert wird. Die Ausfuhr besteht in Baumwolle nach San
Blas, die Einfuhr geht über Acapulco.
Erfrischungen sind in Tecuanapa reichlich vorhanden und daher sehr
billig, billiger als an irgend einem anderen Platz der Küste. In der Bucht er
scheinen häufig Walfische, und an jedem Tage kamen Schaaren von Delphinen
dicht an die Barre heran. Der Fischreichthum soll ein großer sein; wir be
obachteten häufig grofse Mengen kleiner Fische.
Während unseres Aufenthaltes auf der Rhede von Tecuanapa wehte der
Wind gewöhnlich von 10 bis 12 Uhr Mittags aus einer südlichen Richtung und
holte im Laufe des Tages allmählich westlicher. Von 8 bis 10 übr Abends
war es gewöhnlich still; dann kam die Landbrieso von NE durch, die bisw r eilen
recht frisch war. Die Nächte waren gewöhnlich kühl, bei starker Thaubildung.
Von Tecuanapa nach San Blag. Am 27. Januar 1888 des Abends
um 8 Uhr verließ „Aeolvs“ die Rhede von Tecuanapa wieder und trat eine
Reise von dort nach San Blas an. Auf dieser wurde zunächst mit See- und
Landbrieso, welch letztere jedoch westlich von Acapulco sich nur noch selten
einstellte, nahe der Küste entlang gearbeitet. Vom 25. bis 31. Januar war
eine Periode sehr unbeständigen Wetters mit heftigen Gewittern und Winden
aus allen Himmelsrichtungen, die bisweilen die Stärke 7 erreichten, wobei dio
Reise indessen gut gefördert werden konnto. Mit dem darauf am 1. Februar
durchkommenden und stetig- bis zum 6. wehenden Nordwinde standen wir nach
Westen bis nach 108° W-Lg, von wo aus, mit dem hier ointretenden südlichen
Wiude Kurs auf -Sa« Blas gesteuert wurde, woselbst wir am 9. Februar Anker
warfen. Am 8. und 9. Februar war das Wetter sehr veränderlich, mit Gewittern,
die von SB herüberkameu uud von heftigem Regen begleitet waren. In der
Nacht vom 21. zum 22, Februar traten in San Blas viele Schauer auf, die bis
zum folgenden Morgen um 10 Uhr anhielten.
San Blas. Die Rhede von San Blas ist entschieden sicherer als die
jenige von Mazatlan, und der aus Mudd bestehende Ankergrund hält sehr gut,