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,Aas dem Reiseberichte der deutschen Bark „Aeolus“.
nur langsam vorwärts, besonders auch deshalb, weil uns häufig ein nordwest
licher Strom entgegenlief. Die Luft war fast immer von Schauern bezogen,
die von Südosten herüberkamen. Längs der ganzen Küste war eine kurze süd
östliche Dünung vorhanden; besonders hoch und knapp war dieselbe ostwärts
von Acapuko. Als die Ursache derselben erachte ich den im Golf von
Tekuantepec vorherrschenden Nordwind, der weiter vom Lande ab östlicher holt.
In Port Angeles kommt die östliche Dünung nach den Aussagen der dortigen
Bewohner fast das ganze Jahr hindurch vor.
Am 3. Januar 1888 gingen wir nach einer 17 tägigen Reise, da der Wind
zu flau iür das Einsegoin in die Bai wurde, in der Nähe von Port Angeles unter
der Küste zu Anker. Noch an demselben Tage kam der Hafenmeister an Bord
und blieb während der Nacht, um das Schiff am folgenden Tage in den Hafen
zu bringen. Der Strom setzte auf unserem Ankerplatz mit einer beträchtlichen
Geschwindigkeit nach Osten. Am folgenden Morgen, als der Strom bedeutend
abgeschwächt war, konnten wir mit leichter Landbriese von NE in die Bai von
Port Angeles einsegeln. Das Schiff wurde vorne und hinten verankert. Der
Buganker stand auf einer Wasser tiefe von 14y s m (8 Fad.), der hintere Anker,
an dem 18 m (10 Fad.) Kette aasgesteckt waren, auf 9 m (5 Fad.). Unsere
aus 560 Tonnen bestehende Salzladung wurde in 5 Tagen gelöscht.
Port Angeles ist nur ein kleiner Hafenplatz, der von See ans schwer
zu entdecken ist, zumal die wenigen Häuser (8 an der Zahl) an der Ostseite
der Bai hinter felsigen Höhen versteckt liegen. Die Einwohnerzahl beziffert
sich auf nur 20 bis 30. Eigentliche Lootsen sind nicht vorhanden, aber wenn
ein Schiff erwartet wird, passen die Bootsleute gut auf und fahren demselben
bei seiner Annäherung weit entgegen, um bereitwilligst Hülfe und Dienst zu
leisten. Ebenfalls der Hafenmeister, den ich als einen der liebenswürdigsten und
tüchtigsten Beamten an der ganzen mexikanischen Küste kennen gelernt habe.
Von Norden kommend hat. man an Piedra Bianca eine gute Ansegelnngsmarke
für Port Angeles. Diese Klippe sollte man in einem Abstande von etwa 500 m
passiren und dann in einer gleichen Entfernung der Küste entlang segeln. An
der Ostseite der Einfahrt befindet sieh auf einem Hügel eine Flaggenstange,
auf welcher, wenn die Ankunft eines Schiffes in Aussicht steht, eiue Flagge
weht. Die Ostspitze der Einfahrt liegt weiter nach innen, also nördlicher, als
die Westspitze derselben. Eben östlich von Piedra Bianca befindet sich ein
weifser Snndstrand; nachdem dieser ungefähr */» Sm achteraus ist, kommt ein
zweiter weifser Saudstrand, derjenige von Port Angeles, in Sieht. Die geo
graphische Lage der Einfahrt nach Port Angeles ist nach meinen Beobachtungen
15° 39' N-Br und 96° 31' W-Lg. Da die Strömung unter der Küste sehr un-
regelmäfsig ist und sich vorher nicht bereehuen läfst, aber eine Geschwindigkeit
von 1 bis 3 Kuoten erreicht, und besonders in der Nähe des Landes sehr stark
auftritt, sollte beim Einsegeln nach Port Angeles ein Boot mit Leine und Wurf
anker zum sofortigen Gebrauch bereit gehalten werden. Sobald man sich mit
dem Heck des Schiffes innerhalb der Einfahrt befindet, Iäfst man den Buganker
fallen, bringt eine Leine in östlicher Richtung nach dem Lande und holt nun
das Schiff, mit dem Heck voran, weiter einwärts. Nachdem vorne genügend
Kette ausgesteckt ist, wird von hinten ein schwerer Anker mit 18 bis 27 m
(10 bis 15 Fad.) Kette ausgebracht. Für gröfsore Schiffe ist die Einsegelnug
nach Port Angeles meistens mit Schwierigkeiten verknüpft, da die Einfahrt nur
etwa 150 m (500 Fufs) breit und vor derselben kein Ai.kergrund vorhanden ist.
„Aeolus“ war das erste fremde Schiff, welches diesen Hafen besuchte, und
daher der Besuch von Leuten vom Lande an Bord ein reger. In der Bai ist
fast; immer Dünung vorhanden, manchmal eine sehr hohe.
Trinkwasser ist nur in spärlichen Mengen vorhanden und mufs ungefähr
1 Sm weit in kleinen Behältern von 5 Gallonen Inhalt auf Mauleseln an den
Strand geschafft werden. Der Preis desselben ist 2 bis 3 Cts. die Gallone.
Alle Lebensmittel sind hier sehr theuer, da am Orte keine erzeugt werden.
Dieselben müssen vielmehr aus der 10 Sm landeinwärts gelegenen Stadt Bot-
ckuetla, woselbst auch die Hafen- und Zollbehörden ihren Sitz haben, beschafft
werden. Das Fleisch kostet 15 Cts. pro ‘/i kg. Her Preis des Ballastes beträgt
1 Doll, die Tonne.