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Full text: 6, 1883

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Zwanzigstes Experiment. Untersuchen wir nun aber die Deviation, welche durch solche Eisenmassen an einer Seite 
des Kompasses bewirkt wird, so zeigt uns zunächst die längsschiffs gerichtete, vor dem Kompass befindliche Stange, dass 
dieselbe auf N-Kurs keine Deviation, auf NO-Kurs eine östliche Deviation, auf 0-Kurs wieder keine Deviation, aufSO-Kurs 
eine westliche Deviation u. s. w. hervorrufen muss. Ebenso wirkt, wie das Modell zeigt (Auszuführen!), eine achter dem 
Kompass angebrachte Stange. Da wir nun gesehen haben, dass an Bord von Schiffen die durch die Induktion seitens 
der Horizontal-Komponente des Erd-Magnetismus hervorgerufene Deviation im entgegengesetzten Sinne verläuft, so 
würden wir durch derartige längsschiffs gerichtete Eisenmassen nur die Deviation vergrössern, wenngleich wir auch die 
Richtkraft des Kompasses dadurch verstärken würden. Anders aber ist es mit dwarsschiffs gerichteten und seitlich vom 
Kompass angebrachten Eisenmassen. Diese Stange am Modell an Steuerbordseite ruft auf N-Kurs keine Deviation, auf 
NO-Kurs eine westliche Deviation, auf Ost-Kurs keine Deviation, auf SO-Kurs eine östliche Deviation u. s. w. hervor. 
Ebenso ist es mit einer Stange an Backbordseite. (Am Modell zu zeigen!) Wir werden daher in der Praxis zur Aus 
führung der Kompensation stets dwarsschiffs gerichtete Eisenmassen wählen, und zwar da beide Eisenmassen, sowohl die 
an Steuerbordseite wie die an Backbordseite ganz in demselben Sinne wirken, werden wir zweckmässig an beiden Seiten 
des Kompasses solche horizontale dwarsschiffs gerichtete Eisenmassen anbringen. 
Es war dieses praktische Resultat auch sofort aus dem Umstande abzusehen, dass, wie wir vorhin 
erläuterten, an Bord die Wirkung der dwarsschiffs gerichteten Eisenmassen überwiegt; der Einfluss der 
selben aber nur durch ebenfalls dwarsschiffs gerichtete Eisenmassen aufgehoben werden kann. — Hier wird 
uns nun auch sofort klar, worin der von uns schon zweimal erwähnte Ausnahmefall, dass an Bord unter 
gewissen, selten eintretenden Umständen, ein negativer Werth des Koeffizienten D beobachtet wird, seinen 
Grund hat. Derselbe kann nur dann eintreten, wenn sich an einer oder an beiden Seiten des Kompasses 
horizontal dwarsschiffs gerichtete Eisenmassen befinden, welche nicht unter dem Kompass durch sich fort 
setzen, so dass ihre beiden Pole auf derselben Seite des Kompasses liegen, z. B. wenn der Kompass über 
einem Oberlicht (Skylight) aufgestellt ist. — Die alsdann an beiden Seiten des Kompasses durchbrochenen 
Decksbalken bewirken in diesem Falle eine Kompensation des Koeffizienten D, welche unter Umständen 
stärker sein kann, als der Einfluss des Pols im Schiffe selbst. 
Zur Ausführung einer derartigen Kompensation wählte man in der Praxis früher ziemlich allgemein 
eiserne Ketten, welche an beiden Seiten des Kompasses in Messingkästchen angebracht wurden. In neuerer 
Zeit werden sie weniger zur Anwendung gebracht. Am besten eignen sich statt derselben eiserne Kugeln. 
Diese sind jedoch nicht leicht völlig homogen herzustellen, so dass in jeder Richtung derselben (Durch 
messer) eine gleichstarke magnetische Induktion erfolgt; es werden dieselben daher, wenn sie gut sind, 
meistens ziemlich kostspielig. Für die Praxis genügen auch nach den bisherigen Erfahrungen leicht er 
hältliche eiserne Röhren, Stücke von Kesselröhren; jedoch ist darauf zu achten, dass dieselben vor ihrer 
Verwendung sorgfältig von etwa in ihnen vorhandenem festen Magnetismus befreit sind, was durch Aus 
glühen und langsames Abkühlen bewirkt wird. Dass dieselben vor starken Erschütterungen zu bewahren 
sind, ist nach den Erläuterungen im Anfänge unserer Untersuchungen selbstverständlich. Auch sind die 
selben sorgfältig vor Rost zu schützen, da durch diesen die Induktionsfähigkeit des Eisens vermindert wird. 
Man überzieht dieselben daher mit einer Fettschichte (am besten eignet sich dazu Vaselin) oder mit dicker 
Oelfarbe (Mennige) und umgiebt sie darauf mit einer schützenden Holz- oder Messing-Umhüllung. 
Kehren wir nun einen Augenblick zu unserem letzten Experiment zurück, so sehen wir, dass 2 Eisen 
stangen (Massen), beide dwarsschiffs oder beide längsschiffs an den Seiten des Kompasses angebracht, sich 
in ihrer Wirkung verstärken, dagegen die längsschiffs gerichteten Eisenmassen die Wirkung der dwarsschiffs 
gerichteten in Bezug auf die Ablenkung des Kompasses (Deviation) aufheben. Wenn daher die Induktions- 
Fähigkeit für flüchtigen Magnetismus in allen Eisenstangen gleich gross ist, dieselben gleiche Masse haben 
und sie dem Kompass alle gleichweit genähert sind, so werden zwei längsschiffs gerichtete und zwei dwars 
schiffs gerichtete Eisenstangen keine Deviation bewirken. Ebenso ist es, wie leicht einzusehen (Zerlegung 
der Kräfte), mit einem System von mehr als 4 symmetrisch um den Kompass angebrachten Eisenstangen. 
Dieselben werden ebenfalls keine Deviation bewirken können, aber jede Stange — wir sahen das ja sowohl 
bei den längsschiffs als bei den dwarsschiffs gerichteten Stangen — vermehrt die Richtkraft des Kompasses. — 
Hierauf beruht der Intensitäts-Multiplikator, welcher in der Oesterreichischen Marine allgemein eingeführt ist 
und in der Praxis sich sehr gut zu bewähren scheint. — Nach den bisher gemachten praktischen Er 
fahrungen kann nur der Rath ertheilt werden, den Koeffizienten D, namentlich zur Vermehrung der Richt 
kraft des Kompasses, in allen Fällen zu kompensiren, wo derselbe den Betrag von 4 bis 5 Grad übersteigt. 
In anderen-Fällen, und wohl auch allgemein, da eine vollständige Reduzirung desselben auf Null durch
	        
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