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Zwanzigstes Experiment. Untersuchen wir nun aber die Deviation, welche durch solche Eisenmassen an einer Seite
des Kompasses bewirkt wird, so zeigt uns zunächst die längsschiffs gerichtete, vor dem Kompass befindliche Stange, dass
dieselbe auf N-Kurs keine Deviation, auf NO-Kurs eine östliche Deviation, auf 0-Kurs wieder keine Deviation, aufSO-Kurs
eine westliche Deviation u. s. w. hervorrufen muss. Ebenso wirkt, wie das Modell zeigt (Auszuführen!), eine achter dem
Kompass angebrachte Stange. Da wir nun gesehen haben, dass an Bord von Schiffen die durch die Induktion seitens
der Horizontal-Komponente des Erd-Magnetismus hervorgerufene Deviation im entgegengesetzten Sinne verläuft, so
würden wir durch derartige längsschiffs gerichtete Eisenmassen nur die Deviation vergrössern, wenngleich wir auch die
Richtkraft des Kompasses dadurch verstärken würden. Anders aber ist es mit dwarsschiffs gerichteten und seitlich vom
Kompass angebrachten Eisenmassen. Diese Stange am Modell an Steuerbordseite ruft auf N-Kurs keine Deviation, auf
NO-Kurs eine westliche Deviation, auf Ost-Kurs keine Deviation, auf SO-Kurs eine östliche Deviation u. s. w. hervor.
Ebenso ist es mit einer Stange an Backbordseite. (Am Modell zu zeigen!) Wir werden daher in der Praxis zur Aus
führung der Kompensation stets dwarsschiffs gerichtete Eisenmassen wählen, und zwar da beide Eisenmassen, sowohl die
an Steuerbordseite wie die an Backbordseite ganz in demselben Sinne wirken, werden wir zweckmässig an beiden Seiten
des Kompasses solche horizontale dwarsschiffs gerichtete Eisenmassen anbringen.
Es war dieses praktische Resultat auch sofort aus dem Umstande abzusehen, dass, wie wir vorhin
erläuterten, an Bord die Wirkung der dwarsschiffs gerichteten Eisenmassen überwiegt; der Einfluss der
selben aber nur durch ebenfalls dwarsschiffs gerichtete Eisenmassen aufgehoben werden kann. — Hier wird
uns nun auch sofort klar, worin der von uns schon zweimal erwähnte Ausnahmefall, dass an Bord unter
gewissen, selten eintretenden Umständen, ein negativer Werth des Koeffizienten D beobachtet wird, seinen
Grund hat. Derselbe kann nur dann eintreten, wenn sich an einer oder an beiden Seiten des Kompasses
horizontal dwarsschiffs gerichtete Eisenmassen befinden, welche nicht unter dem Kompass durch sich fort
setzen, so dass ihre beiden Pole auf derselben Seite des Kompasses liegen, z. B. wenn der Kompass über
einem Oberlicht (Skylight) aufgestellt ist. — Die alsdann an beiden Seiten des Kompasses durchbrochenen
Decksbalken bewirken in diesem Falle eine Kompensation des Koeffizienten D, welche unter Umständen
stärker sein kann, als der Einfluss des Pols im Schiffe selbst.
Zur Ausführung einer derartigen Kompensation wählte man in der Praxis früher ziemlich allgemein
eiserne Ketten, welche an beiden Seiten des Kompasses in Messingkästchen angebracht wurden. In neuerer
Zeit werden sie weniger zur Anwendung gebracht. Am besten eignen sich statt derselben eiserne Kugeln.
Diese sind jedoch nicht leicht völlig homogen herzustellen, so dass in jeder Richtung derselben (Durch
messer) eine gleichstarke magnetische Induktion erfolgt; es werden dieselben daher, wenn sie gut sind,
meistens ziemlich kostspielig. Für die Praxis genügen auch nach den bisherigen Erfahrungen leicht er
hältliche eiserne Röhren, Stücke von Kesselröhren; jedoch ist darauf zu achten, dass dieselben vor ihrer
Verwendung sorgfältig von etwa in ihnen vorhandenem festen Magnetismus befreit sind, was durch Aus
glühen und langsames Abkühlen bewirkt wird. Dass dieselben vor starken Erschütterungen zu bewahren
sind, ist nach den Erläuterungen im Anfänge unserer Untersuchungen selbstverständlich. Auch sind die
selben sorgfältig vor Rost zu schützen, da durch diesen die Induktionsfähigkeit des Eisens vermindert wird.
Man überzieht dieselben daher mit einer Fettschichte (am besten eignet sich dazu Vaselin) oder mit dicker
Oelfarbe (Mennige) und umgiebt sie darauf mit einer schützenden Holz- oder Messing-Umhüllung.
Kehren wir nun einen Augenblick zu unserem letzten Experiment zurück, so sehen wir, dass 2 Eisen
stangen (Massen), beide dwarsschiffs oder beide längsschiffs an den Seiten des Kompasses angebracht, sich
in ihrer Wirkung verstärken, dagegen die längsschiffs gerichteten Eisenmassen die Wirkung der dwarsschiffs
gerichteten in Bezug auf die Ablenkung des Kompasses (Deviation) aufheben. Wenn daher die Induktions-
Fähigkeit für flüchtigen Magnetismus in allen Eisenstangen gleich gross ist, dieselben gleiche Masse haben
und sie dem Kompass alle gleichweit genähert sind, so werden zwei längsschiffs gerichtete und zwei dwars
schiffs gerichtete Eisenstangen keine Deviation bewirken. Ebenso ist es, wie leicht einzusehen (Zerlegung
der Kräfte), mit einem System von mehr als 4 symmetrisch um den Kompass angebrachten Eisenstangen.
Dieselben werden ebenfalls keine Deviation bewirken können, aber jede Stange — wir sahen das ja sowohl
bei den längsschiffs als bei den dwarsschiffs gerichteten Stangen — vermehrt die Richtkraft des Kompasses. —
Hierauf beruht der Intensitäts-Multiplikator, welcher in der Oesterreichischen Marine allgemein eingeführt ist
und in der Praxis sich sehr gut zu bewähren scheint. — Nach den bisher gemachten praktischen Er
fahrungen kann nur der Rath ertheilt werden, den Koeffizienten D, namentlich zur Vermehrung der Richt
kraft des Kompasses, in allen Fällen zu kompensiren, wo derselbe den Betrag von 4 bis 5 Grad übersteigt.
In anderen-Fällen, und wohl auch allgemein, da eine vollständige Reduzirung desselben auf Null durch