Stromgeschwindigkeits-Messimgen vor der neuen Hafeneinfahrt von 'Wilhelmshaven. 425
Eine für alle Fälle passende Geschwindigkeits-Skala läfst sich selbst
verständlich nicht feststellen; selbst für gleich tiefe Ströme und Kanäle ist dies
nicht möglich, um so weniger noch für Gezeitenströmungen, deren mittlere Ge
schwindigkeit sieh sowohl hinsichtlich der Tiefe, in welcher sie stattfindet, als
auch hinsichtlich ihrer Stärke fortwährend ändert. Für die Ausgleichung der
vorstehenden Beobachtungen wurde eine gemeine Parabel mit horizontaler Axe
angenommen, weil sie nach verschiedenen Versuchen sich als arn besten den
Messungen ansehraiegend gefunden wurde und die auf dieselbe basirte Rechnung
viel weniger umständlich ist, als bei der Wahl einer Kurve höheren Grades.
Eine gleichfalls einfache Rechnung gewährt die von G. Hagen 1 ) ge
gebene Gleichung y n = px, in welcher eine vertikale A xo und die Maximal
geschwindigkeit an der Oberfläche angenommen ist. Diese giebt nach der
Methode der kleinsten Quadrate folgende Werthe:
Fluth n = 3,7358, p — 0,8497
Ebbe n = 5,6672, p = 26,402
Fluth n = 7,682, p = 457,26
Ebbe n = 6,0487, p — 83,66
mit dem mittleren Fehler +0,015, +0,017, +0,009 und +0,016. Für die
übrigen Stationen werden die mittleren Fehler in allen Fällen gröfser, als die
jenigen, welche man erhält, wenn man die gemeine Parabel mit horizontaler
Axe zur Berechnung der Geschwindigkeits-Skala benutzt.
Reise S. M. S. „Olga“ von Sydney durch die Torres-Strafse
nach Aden.
Bericht des Kommandanten S. M. S. „Olga“, Korv.-Kapt. Freiherr von Erliardt
Hierzu Tafel 17.
S. M. Kr.-Korv, „Olga“ verliefs den Hafen von Sydney behufs Antritts
der Heimreise durch die Torm-Strafse am 20. Juni 1889 Mittags. Obgleich
mir allerseits gerathen wurde, die Passage innerhalb des grofsen Bam'er-Riffs
zu, nehmen, weil die Aufsenpassage im Ganzen mangelhaft vermessen, voll vieler
Untiefen und gefährlich sei, weshalb die von Australien heimwärts gehenden,
oder durch die Torres-Strafse nach auswärts kommenden englischen Kriegs-
schüfe in den letzten Jahren auch die Passage zwischen dem Festlande und dem
grofsen Barmr-Riff gewählt haben, so entsehlöfs ich mich dennoch, einerseits
der Unkosten wegen, welche durch die hohen Lootsengebühren verursacht
werden, andererseits wegen der durch das viele Ankern auf dieser Passage
eintretendon Verzögerungen der Reise, die äufsere Route zu wählen.
Für ein Kriegsschiff, welches die Maschine klar hat und stets im Stande
ist, den in der Karte empfohlenen Kurs inne zu halten, sind keine besonderen
Gefahren vorhanden. Grofse Vorsicht ist natürlich geboten, besonders wenn
man nicht täglich durch astronomische Beobachtungen das Besteck reguliren
kann. Dafs bisher unbekannte Untiefen im Korallenmeer vorhanden sind, dürfte
keinem Zweifel unterliegen, und spricht hierfür die Thatsaehe, dafs, wie man
mit ziemlicher Sicherheit annimmt, in diesem Theil des Stillen Oeeans in den
letzten Jahren mehrere Schiffe spurlos verschwunden sind.
Mit nördlichem Kurse wurde am 21. und 22. Juni unter Dampf in etwa
20 Sm Abstand der Küste entlang gesteuert. Der Wind war westlich und flau;
so oft als angängig wurden die Raascgel verwandt. Am 22. Juni Mittags kam
1) Geschwindigkeit des strömenden Wassers in verschiedenen Tiefen, untersucht nach den
von Brünings ausgefiihrten Messungen von G. Hagen. Berlin 1883. Vertag der Königlichen
Akademie der Wissenschaften.
Ara, <J. llycfcr. etc., 1SS9, Eefi XI,
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