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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

424 Stromgeechwindigkeits-Messmigen vor der neuen Hafeneinfahrt von Wilhelmshaven. 
Aus p, k und m erhält man die Geschwindigkeiten: 
1. 0,694 m, 
2. 0,681 m, 
3. 0,674 m, 
4. 0,656 m, 
5. 0,630 m, 
6. 0,599 m, 
7. 0,572 m. 
Mittlerer Fehler = + 0,024 in. 
Eine Vergleichung der berechneten Geschwindigkeiten mit den direkt 
beobachteten und den durch Reduktion erhaltenen ergiebt, dafs sich die Ge 
schwindigkeits-Skalen für Station I und II recht gut durch gemeine Parabeln 
darstellen lassen. Für die übrigen Stationen ist dies jedoch weniger der Fall. 
Die daselbst vorgenommenon Messungen, etwa mit Ausnahme derjenigen auf 
Station V, lassen eine regelmäfsige Aenderung der Geschwindigkeit nach der 
Tiefe hin. nicht erkennen, sondern zeigen beträchtliche Unregelmäfsigkeiten, 
welche wahrscheinlich durch varäabele Einflüsse verursacht worden sind. Von 
diesen würde zunächst der Wind zu betrachten sein, weil er, je nachdem er 
mit oder gegen den Strom weht, dessen Oberflächengeschwindigkeit beschleunigt 
oder verzögert. Der während der Geschwindigkeits-Messungen beobachtete 
Wind war: 
Auf 
Station I: 
n 
» II: 
55 
„ HI: 
55 
» W- 
» 
» V: 
N 
SE 
NW 
NW 
.SE 
mit Stärko 
J? » 
y> 55 
55 W 
» » 
1, 
2, 
0 bis 2, 
3 bis 4, 
1 bis 2, 
hatte mithin, ausgenommen während der Beobachtungen auf Station IV, nur 
geringe Stärke und konnte die Stromgeschwindigkeiten, zumal seine Richtung 
mit der der Strömungen, welche ca WSW resp. EzN waren, ziemlich grofse 
Winkel bildete, diese nur in sehr geringem Mafse oder garnieht beeinflussen. 
Während der Beobachtungen auf Station IV hatte der Wind zwar die Stärke 
3 bis 4, wehte aber über eine Wasserfläche von nur 40 m Breite, in welcher 
Entfernung sich die Station von der Mole befand, und unter einem Winkel von 
ca 70° gegen den Strom. Er konnte daher, wie auch die Geschwindigkeits- 
Messungen ergaben, nur eine Verzögerung der Oberflächengeschwiudigkeit und 
nicht die durch Messungen gefundenen unregelmäßigen Aenderungen der Strom 
geschwindigkeit in der Tiefe verursachen. Diese dürften ihre Erklärung in der 
Lage der Station IV zur Mole und in der Richtung der letzteren zu der des 
Fluthstromes finden. Die Mole erstreckt sich vom Ringe 8, von welchem die 
Station nur 40 m entfernt war, in einem flachen Bogen III in in östlicher Rich 
tung nach ihrem Ende, um welches der ungefähr WSW laufende Fluthstrom 
horumbiegt. Infolge dessen und auch wegen der Reibung des Wassers an den 
Wänden der Mole müssen in deren Nähe unregelmäfsige Wasserbewegungen 
entstehen, welche wieder andere entgegengesetzte hervorrufen und so eine 
Unregelmäfsigkeit der Richtung und Geschwindigkeit der Strömungen erzeugen, 
welche sich auch bis zur Station IV erstreckt haben können. Leider waren 
keine Beobachtungen der Stromrichtung in der Tiefe angestellt worden. Bei 
Station III, welche 55 m von der Mole abstand, aber ca 86 m weiter westlich 
lag, als Station IV, dürfte dasselbe, wenn auch in geringerem Mafse, statt 
gefunden haben. Es ist auch nicht ausgeschlossen, und die berechnete Kurve 
läfst dies vermuthen, dafs der Fluthstrom auf Station III zuerst in der Tiefe 
eingesetzt hatte und daher zur Zeit der Beobachtungen, welche ungefähr 
1 3 A Stunden nach Niedrigwasser stattfanden, bereits eine gröfsere Geschwindig 
keit erlangt hat, als der später an der Oberfläche eingetretene Fluthstrom. 
Das frühere Einsetzen eines Gezeitenstromes in der Tiefe ist mehrfach beob 
achtet worden, z. B. von S. M-Knbt. „Drache“ im Lister- und Homumer Tief, 
sowie in neuerer Zeit von Herrn Wasserbau-Inspektor Lenz auf der Rhede 
von Cuxhaven.
	        
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