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Ann. d. Hydr. etc., XVII. Jalirg. (1889), Heft XI.
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Stromgeschwindigkeits-Messungen vor der neuen Hafeneinfahrt
von Wilhelmshaven.
In der Zeit vom 22. September bis 1. Oktober 1886 wurden auf der
Rhede von Wilhelmshaven vor der neuen Hafeneinfahrt auf fünf verschiedenen
Stationen und in verschiedenen Tiefen Stromgoschwindigkeits-Messungen aus
geführt. Zu denselben wurde ein vom Ingenieur E. Suchier verbesserter
hydrometrischer Flügel Amsier-Laffon’scher Konstruktion benutzt. Der hierzu
verwendete Apparat giebt die Geschwindigkeit in Metern pro Sekunde und
unterscheidet sieh von dem gewöhnlichen Amsler-Lafibn’schen Flügel insofern,
als ein besonderes Universalgelenk die horizontale Lago des Flügels sichert
nnd das Ein- und Ausrücken des Zählerwerks am Flügel mit zwei Fallgewichten
bewirkt wird, durch deren Bohrung das Drahtseil, an welchem der Apparat
hängt, frei hindurchgeht. Die Messungen der Stromgeschwindigkeiten geschahen
der Reihe nach von der Wasserfläche nach dem Grunde und unter gleichzeitiger
Ermittelung der Tiefen, in welchen erstere vorgenommen wurden. Da die Tiefen
an dem mit der Trommel, auf welcher das Drahtseil aufgewiekelt ist, ver
bundenen Zählerwerk unmittelbar abgelesen werden können, waren besondere
Tiefenmessungen nicht erforderlich. Während der Dauer jeder Beobaehtungs-
reihe wurden die Aenderungen der Oberflächengeschwindigkeit notirt nnd an
der alten Hafeneinfahrt Pegel-Bobachtungen angeatellt. Schliefslich wurden
alle diese Beobachtungen graphisch dargestellt. Auf diesen graphischen Dar
stellungen beruhen die weiterhin folgenden Berechnungen. Aus den Kurven
konnten für jede Beobachtungsreihe mit ziemlicher Genauigkeit die Tiefen, die
denselben entsprechenden Geschwindigkeiten, die Aenderungen des Wasser-
Standes und der Oberflächengeschwindigkeit, sowie die zwischen der ersten und
letzten Beobachtung einer Gezeitenphase verflossene Zeit entnommen werden.
Zunächst wurden die Tiefen, falls sich der Wasserstand während der Beob-
achtungsreiho geändert hatte, auf die Zeit der letzten Beobachtung reducirt
und aus diesen die Abstände vom Grunde berechnet. Diese Reduktion wurde
ebenfalls mit den beobachteten Geschwindigkeiten vorgenommen, wenn die
Oberflächengeschwindigkeit inzwischen zu- oder abgenommen hatte. Bei letzterer
Reduktion wurden aufserdem die veränderten Abstände, wenn der Wasserstand
nicht derselbe geblieben war, in Rechnung gezogen. Hierbei wurde angenommen,
dafs zu allen Geschwindigkeits-Messungen einer und derselben Reihe gleiche
Zeit verwendet wurde und dafs die Intervalle zwischen den Beobachtungen
ebenfalls gleich waren; sowie ferner, dafs sich Wasserstand und Oberflächen
geschwindigkeit gleichförmig änderten. Sind diese Annahmen auch nicht absolut
richtig, so haben sie doch eine gewisse Berechtigung, und dürften die auf den
selben beruhenden Rechnungen Resnltate geben, welehe nur wenig von der Wirk
lichkeit differiren. Die reducirten Abstände vom Grunde sind in den Berech
nungen mit a und die reducirten Geschwindigkeiten (Meter in der Sekunde)