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Vierteljahrs-Wetter-Rimdsoliau der Deutschen Seewarte, Herbst 1886.
erwarteter Weise, und stellte sich ein solcher auch nachher nicht wieder ein.
Die Ursache dieser Störung war das Nichtvorhandensein eines grofsen zusammen
hängenden Hochdruckgebietes in den mittleren Breiten des Atlantik und die
anstatt dessen eingetretene ungewöhnliche Lage und Gestaltung mehrerer Hoch
druckgebiete, wie sie die Karte 5 zeigt. Der Verlauf der Reise war infolge
dessen nach dieser Zeit ein sehr langsamer. Unweit von 21® N-Br in 25,5° W-Lg
wurden am 16. Oktober leichte Südwinde angetroffen, die drei Tage lang an
hielten. Nach dieser Zeit herrschten wieder östliche Winde vor, doch verdienten
dieselben den Namen Passat nicht mehr. In der Nähe von 8° N-Br in 25° W-Lg
erreichte „Kriemhild“ am 27. Oktober den Stillengürtel. Nachdem man acht
Tage in demselben zugebraeht hatte, stellte sieh unweit 2,7° N-Br und 27° W-Lg
der Südostpassat ein, bei dem am 7. November die Linie in 39,2° W-Lg über
schritten wurde.
In recht günstiger Weise verliefen die Reisen der in der ersten Hälfte
des Oktober ähre Fahrt beginnenden Schiffe. Es waren dies „Birma“, „Emanuel“,
„Magnat“, „Suaheli“ und „ Wega“. Dieselben fanden auf dem ersten Theile
ihrer Reise, so lange wie die vomlO. bis zum 14. Oktober dauernde günstige
Lage des Hochdruckgebietes der Karte 5 anhielt, recht befriedigende Verhält
nisse, während dies später in geringerem Mafse der Fall war. Recht günstig
wurde dagegen der Verlauf der Reisen, nachdem das Hochdruckgebiet wieder
jene normalere Form und Lage, wie sie Karte 7 darstellt, angenommen hatte.
Entsprechend derselben fand bei einigen der Schiffe ein Drehen des Windes
von West durch Nord nach Nordost statt, und bei allen stellte sich ein rasch
auffrischender Ostwind ein. Dasselbe geschah bei „Birma“ in 27° N-Br und
19° W-Lg am 24. Oktober, bei „Emanuel“ an demselben Tage in 30° N-Br
und 19,2° W-Lg, bei „Magnat“ in 31,4° N-Br und 21,6° W-Lg, bei „Suaheli“
in 35° N-Br und 17,2° W-Lg und bei „Wega“ in 35,3° N-Br und 20,4° W-Lg
am 23. Oktober. Das Passatgebiet konnte von den von frischen Winden be
günstigten Schiffen in ziemlich rascher Fahrt durchsegelt werden. Die äquatoriale
Grenze desselben erreichten vier der Schiffe am 1. November und nur „Suaheli“
einen Tag später. Bei „Birma“ endete der Passat in 8,1® N>ßr und 25,2° W-Lg,
bei „Emanuel“ in 8,5° N-Br und 25,2° W-Lg, bei „Magnat“ in 8° N-Br und
25° W-Lg, bei „Suaheli“ in 9,8° N-Br und 26,4® W-Lg und bei „Wega“ in
8° N-Br und 26° W-Lg. Beim Uüberschreiten des Stillengürtels fand „Suaheli“,
welches denselben am weitesten nach Norden hin angetroffen hatte, die un
günstigsten Verhältnisse, während „Birma“ und „ Wega“ denselben bei leichten,
meist westlichen Winden in verhältnifsmäfsig kurzer Zeit kreuzen konnten.
Wie verschieden im Stillengürtel die von nahe bei einander stehenden Schiffen
augotroffenen Winde oft sind, zeigen die Erfahrungen von „Magnat“ und „ Wega“.
Am Mittage des 4. November befand sich das erster© Schiff in 5,8° N-Br und
24,4® W-Lg, das letztere in 5,5° N-Br und 24® W-Lg. Bei beiden Schiffen
herrschte damals leichte westliche Brieso. Während der nächsten Tage fand
„Wega“ aber eine viel günstigere Gelegenheit, so dafs sie am 6. und 7. No
vember bei mäfsig starkem Südwinde 326 Sm auf B-B.-Halsen zurücklegte,
während „Magnat“ gleichzeitig nur 213 Sm gutmachen konnte. Infolge dessen
befand sich „Magnat“, als „ Wega“ am 8. November den Aequator in 29,5° W-Lg
schnitt, noch in 3° N-Br und 26,2° W-Lg, und es dauerte noch 3 1 /* Tage, bis
dieses Schiff die Linie erreichen konnte.
Die nächste Gruppe der in Betracht kommenden Schiffe, bestehend aus
„Irene“, „Louise fy Georgine“, „Roland“, „Fortuna“, „Industrie“ und „Carl“,
trat im letzten Drittel des Oktober die Reise nach Süden an. Ihre Fahrten
wurden in nahezu derselben Zeitdauer, wie sie das Mittel aller Schiffe der Liste
ergiebt, vollendet. Eine verhältnifsmäfsig lange Zeit erforderte die Zurücklegung
des nördlichsten Reiseabschnittes, während die zwischen 10° N-Br und Aequator
liegende Strecke in günstigerer Weise durchsegelt werden konnte. Die ersten
Tage der Reise verliefen unter dem Einflüsse der verschiedenen Tiefdruckgebiete,
welche wählend des letzten Drittels des Oktober, von Nordwesten herkommend,
sich nördlich und südlich von Grofsbritannien hinbewegten. (Siehe Karte 6.)
Dieselben verursachten bei den Schiffen Winde, die theils unerwünscht stürmisch
und ungünstig, theils aber auch sehr günstig waren. Recht günstig erwies
sich für „Irene“ und „Louise & Georgine“ die auf Karte 8 vcrzeichnete Lage