Vierteljahrs-Wetter-Bundscbau der Deutschen Seewai'te, Herbst 1885.
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sich das erstevo Schiff in 10,4° N-Br und 25° W-Lg, das letztere in 10,1° N-Br
und 25,2° W-Lg, also fast in Sicht von einander. Boi beiden Schiffen endete
der Passat bald nachher, indem sich der noch frisch 'wehende Wind in unge
wöhnlicher Weise durch Ost nach Süd drehte und dann in Stille überging, Als
östlichsten Punkt erreichte „Adolph“ 4,5° N-Br in 21° W-Lg am 27. September
und „Madeleine Rickmen* 8,8° N-Br in 20,4° W-Lg am 26. September. Um
von dort aus die Linie zu erreichen, gebrauchte das erstere Schiff fast einen
Tag länger als das letztere. »Alice Rickmers“, die fast gleichzeitig mit »Adolph*
von nördlicher in südliche Breite überging, erzielte den Gewinn ihrer Reise
gegen »Adolph* auf der zwischen 10° N-Br und Aequator liegenden Strecke,
und zwar weil letzteres Schiff gleich südlich von 10° N-Br durch leichte Winde
und Mallung viel länger zurückgehalten wurde, als es bei »Alice Rickmers“ der
Fall war. Dieses Schiff gebrauchte, um von 10° N-Br nach 5° N-Br zu ge
langen, 6 lüge, während der Mitsegler für dieselbe Strecke 9 Tage benöihigte.
Im Monat September traten 12 von den in der Liste angeführten Schiffen
ihre Reise zur Linie aü. Dieselben erreichten, mit Ausnahme dos „Richard
Rickmen“ und der „Kriemhildwie des von New-York ausgegangenen „Paul
Thormannmit nur wenigen Tagen Unterschied in der Reise den Aequator.
Die Reisedauer war um ein Geringes länger, als die Durchschuittsfahrt aller
Schiffe, nur »Auguste* und „Kriemhild“ machten bedeutend längere Fahrten.
»Auguste*, die zwei Tage nach „Richard Rickmers“ den Parallel von 50° Nord
verlassen hatte, fand gleich südlich von demselben bedeutend ungünstigere Ver
hältnisse als das letztere Schiff. Der Uebergang in das Passatgebict erfolgte
für beide in ganz günstiger Weise, indem sowohl bei „Richard Rickmers“ als
bei „Auguste* in etwa 40° N-Br Nordostwind eintrat, der später ohne vorher
gehende Störung zum Passat wurde. Beide Schiffe sehlugen die östliche Route
ein. Auf derselben gelangte „Richard Rickmers“ bis zum 1. Oktober nach
8,3° N-Br in 23° W-Lg und „Auguste“ bis zum 8. Oktober nach 9,3 5 N-Br in
22,6° W-Lg. In der Nähe dieser Punkte endete der Passat, und nun folgte,
und zwar besonders für „Auguste*, eine sehr lange Zeit der Mallung. West
licher stehenden Schiffen wurde es damals leichter, den Stillengürtel zu kreuzen.
So schnitten „Undine“ und „ Urania“ den Parallel von 10° Nord später als die,
anscheinend aber auch nur geringe Schnelligkeit besitzende „Auguste 8 und
erreichten die Linie doch früher als dieses Schiff.
Die Mitsegler „Anna“, „Indra*, „Undine“, „Urania“, „Amor“, »George“,
»Josefa“ und »Maria Rickmers“ befanden sich am 29. September alle in der
Nähe von 30° N-Br. Dieselben waren während der ersten Tage nach ihrer
Abfahrt durch leichte westliche Winde, die an der Nordseite des sich weit in
Europa hinein erstreckenden Hochdruckgebietes der Karte 2 wehten, zurück-
gehalten worden. Nachdem sich aber am 24. Oktober eine Umformung jenes
Gebietes vollzogen hatte, durch welche sich alle Schiffe an den östlichen Rand
desselben versetzt sahen, stellte sich ein äufserst frischer beständiger Nordost
wind ein, der später ohne vorhergehende Störung zum Passat wurde. (Siehe
Karte 3.) Der Passat selbst trat weniger befriedigend auf, und zwischen 24°
und 20° N-Br wurden fast alle Schiffe für mehrere Tage durch leichte Winde
und Stillen aufgehalten. Dio äquatoriale Passatgreuze fanden die meisten in
der Nähe von 8° N-Br. Da vom südwestlichen Monsun kaum noch Spuren
angetroffeu wurden, erforderte die Uebersehreitung des Stillengürtels eine ver-
bältnifsmäfsig lange Zeit. Alle Schiffe, aufser „Indra“, waren der West von
den Kap Verden, liegenden Route gefolgt, und würde auch jenes in diesem
Falle anscheinend besser dabei gefahren sein, „Kriemhilddas letzte Schiff
der Liste, welches seine Fahrt im September antrat, hatte eine bedeutend längere
Reise, als die eben vorher angeführten. Es fand südlich von 50° N-ßr anhaltendo
Westwinde, die unter dem Einflüsse jenes ausgedehnten Tiefdruckgebietes der
Karte 4, welches mit seinem Mittelpunkte in geringer Entfernung West von
Nordschottland lag, am 30. September bis zuui heftigen Sturme Zunahmen.
Bei den auf diesen Sturm folgenden schwächeren Westwinden rückte »Kriemhild“
daun in mäfsig rascher Fahrt nach Süden hin vor, bis schliefslich am 5. Oktober
in der Nähe von 37° N-Br und 15° W-Lg ein frischer, später zum Passat
werdender Nordostwind angetroffen wurde. Das Schiff segelte nun bis zum
11. Oktober nach 25° N-Br in 23,7° W-Lg. Hier endete der Passat ganz un-
Ajcm. ä. Hycfr. etc, T 1880, Heft X. 0