Yicrteijuhrs-'W'etter-Sundsv'hau der Deutschen See warte, Herbst 1885, 401
günstigt von den Winden wurde „Niagara“ dagegen wieder gegen „Mozart“
auf dem letzten Roiseabschnitt. Der während der letzten Tage stürmisch
wehende Passat führte „Niagara“ bis zum 13, Dezember nach 30,2° N-Br in
79,3° W-Lg, von welchem Punkto aus man mit ferneren günstigen Winden in
zwei Tagen zum Ziele gelangte. Dagegen rauft te „Mozart“, nachdem am 17. De
zember 30° N-Br in 72,5° W-Lg überschritten worden war, noch bis zum
3. Januar gegen oft stürmische Gegenwinde kämpfen, bevor es gelang, die Bai
von New-York zu erreichen. Diese Reise hatte 53 Tage in Anspruch genommen,
während „Niagara“ im Hafen von Savannah nach 40tägiger Fahrt hatte ankern
können.
2. Reisen von West nach Ost.
Der Seewarte wurden 26 meteorologische Journale zurückgcliefert, welcho
auf ostwärts gerichteten Reisen über den Nordatlantik während des Herbstes
1885 ansgeführt wurden. Yon denselben verliefsen 22 nach dem Kanal be
stimmte Schiffe Häfen, die an der Nordostküste der Vereinigten Staaten lagen,
während 2 Schiffe vom Golf von Mexiko kamen. Zwei von Philadelphia aus-
gegangeue Schiffe hatten als Reiseziel einen am Mittelmeer gelegenen Hafen.
Die erste der erwähnten Gruppen legte die Reise im Durchschnitt in 25 Tagen
zurück. Die schnellste Reise wurde in 20 Tagen ausgeführt, während die längste
41 Tage in Anspruch nahm. Die beiden von südlicher gelegenen Häfen her-
kommenden Schiffe gebrauchten 45 Tage zu ihrer Fahrt. Recht günstig ge
stalteten sich die Reisen der beiden zum Mittelmeer bestimmten Schiffe; denn
das eine derselben erreichte die Strafse von Gibraltar schon nach 29tägiger,
das andere sogar schon nach 20tägiger Fährt.
Das erste der angeführten Schiffe ist der „Schiller“, welcher Mitte August
vou New-York abging und der den Kanal nach rascher Fahrt von 22 Tagen
erreichte. Im Anfang liefs sich diese Reise wenig günstig an; leichte, unbe
ständige, meist östliche Winde waren derai’t vorherrschend, dafs man bis zum
22. August nur nach 40° N-Br in 60° W-Lg vomieken konnte. Nach dieser
Zeit wehten aber last fortwährend frische, durchstehende Westwinde, bei denen
man in 15 Tagen den noch übrigen Th eil der Reise zurücklegen konnte.
Die nächste Gruppe von Schiffen, welche die Liste enthält, besteht aus
„Romeo“, „Bertha“, „Mozart“, „Olbers„Felix Mendelssohn„Niagara“,
„Salisbury“ und „Diamant“. Das erste derselben kam von Cuba, überschritt
70° W-Lg jedoch zu angenähert gleicher Zeit, wie die übrigen von nord-
amerikanischen Häfen abgegangenen Schiffe. Die kürzeste Reise von 22 Tagen
machte der „Diamant“, die längsten von 31 Tagen „Mozart“ und „Olbers“.
xAIle Reisen wurden von Stürmen nicht sehr beunruhigt. Der heftigste, den
man beobachtete, war derjenige, welchen die gröfsere Zahl der in Frage
stehenden Schiffe am 30. September auf dem letzten Theil ihrer Reise über
stand. Derselbe wurde verursacht durch jenes Tiefdruckgebiet der Karte 4,
welches, von der Ostküste Grönlands kommend, sieh damals in gekrümmter
Bahn um Island bewegte. Er war indessen aus günstiger Westrichtung und
wehte bei keinem der betroffenen Schiffe so stark, dafs nicht bequem dabei
gelenzt werden konnte. „Romeo“, welcher den Meridian von 70° West in
36° N-Br überschritt, machte von dort aus im Vergleich mit den diese Länge
in nördlicherer Breite kreuzenden Schiffen eine ganz befriedigende Reise zum
Kanal. Vielleicht wäre diesolbo noch günstiger ausgefallen, wenn bei den im
westlichen Theile des Atlantik angetroffenen leichten Ostwinden mit St-B.-Halsen
gesegelt worden wäre. „Mozart“, „Olbers“, „Felix Mendelssohn“ und „Niagara“,
die nur mit einem Tag Unterschied den Hafen verlassen hatten, wurden auf der
westlichen Hälfte ihrer Reisen verhältnifsmäfsig lange durch Ostwinde zurück
gehalten. Letztere waren die Folge des Auftretens mehrerer flacher Tiefdruck
gebiete, die sich vom 5. bis zum 10. und vom 12. bis zum 14. September in ver
hältnifsmäfsig niedrigen Breiten nach Osten bewegten. (Siehe Karten 1 und 2.)
Das letztere dieser Tiefdruckgebiete zeigte schon die zur Zeit des nördlichen
Herbstes so häufig zu beobachtende Neigung, im östlichen und mittleren Theile
des Atlantik eine südöstliche Bahn einzuscblagen. „Bertha“, das einzige dieser
Schiffe, welches von dem am 30. September vor dem Kanal herrschenden West
sturme verschont geblieben war, hatte östlich von 54° W-Lg kaum Ostwiude