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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Vieiteljahrs-Wetter-iiiuidschau der Deutschen Seewarte, Hei bst 1885. 
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bangendes Hochdruckgebiet mittlerer Breiten war damals im Atlantik nicht vor 
handen, An seiner Statt dehnten sich in. nordsüdlicher Richtung zwei getrennte 
Hochdruckgebiete weit nach Norden hin aus, und waren diese Verhältnisse 
wohl die Ursache des angetroffeuen ungünstigen Passats, wie auch der merk 
würdigen Bahn des letzterwähnten Tiefdruckgebietes. (Siehe Karte 5.) Am 
23. Oktober Mittags war der Schiffsort von „Palme“ in 27,2° N-Br und 
40,5° W-Lg, der von „Savannah“ in 27,6° N-Br und 35,5° W-Lg. Nach dieser 
Zeit verfolgte letzteres Schilf, mit der Absicht, den Passat aufzusuchen, einen 
hoch südlichen Kurs, während „Palme“ auch ferner auf der direkten Route 
ausharrte. Da „Savannah“ bis nach 19° N-Br hinunter gehen mufste, um dort 
einen nur wenig befriedigenden Passat zu finden, war „Palme“ im Stande, auf 
dem letzten Reiseabschnitt gegen ihren Mitsegler zu gewinnen. Sie gelangte 
zur Mündung des Delaware am 13. November, während „Savannah“ dies erst 
am 23. November that. Jene Reise war in 41, diese in 45 Tagen vollendet 
worden. 
Ganz ähnlich wie die Reise von „Savannah“, verlief die der Brigg 
„Marie“, welche auf einer Reise vom Kanal nach Portorieo begriffen war. Am 
20. Oktober schnitten diese beiden Mitsegler den Meridian von 30° West, jenes 
Schiff in 29° N-Br und dieses, welches trotz des südlich liegenden Bestimmungs 
platzes bei dem günstigen Winde zunächst einen gut westlichen Kurs verfolgte, 
in 41° N-Br, Dagegen kreuzten beide Schiffe die Länge von 50° West in 
nahezu gleicher Breite und auch nach nahezu gleicher Zeit. Fast ebenso 
ungünstig wie „Savannah“ fand „Marie“ den Passat. Der beständigste Ostwind 
der Reise war auf dem ersten östlich und nördlich von 28,5° N-Br in 45° W-Lg 
liegenden Abschnitt angetroffen worden. Nachdem man diesen Punkt verlassen 
hatte, waren die zwar meist noch aus östlicher Richtung kommenden Winde 
nur von unbeständiger Art. Nur einen Tag später als „Marie“ hatte das auf 
einer Reise nach New-York begriffene Vollschiff „Hedwig“ den Kanal verlassen. 
Der Führer dieses Schiffes hatte sich von vornherein für Befolgung der Passat 
route entschieden. Es wurde deshalb im offenen Oeean gleich eiu hoch südlicher 
Kurs eingesohlagen, im Gegensätze zu dem anfangs westlicheren, welchen die 
„Marie“ verfolgte. Die Folge davon war, dafs am 21. Oktober Mittags der 
Sekiffsort der Brigg in 38,8° N-Br und 33,2° W-Lg, der des Vollschiffes in 
41,4° N-Br und 16,6° W-Lg war. An diesem Tage endete bei „Hedwig“ der 
seit einigen Tagen wehende Ostwind, und an seine Stelle trat westlicher Wind, 
der am 23, Oktober stürmisch wehte. Bei „Marie“ dagegen trat keine Unter 
brechung des Ostwindes ein. Die Ursache dieser verschiedenen Verhältnisse 
war die damalige ungewöhnliche Vertbeilung des Luftdruckes. Wie schon an 
anderer Stelle erwähnt, gab es zu dieser Zeit kein grofses zusammenhängendes 
Hochdruckgebiet; dasselbe, in rascher Umbildung begriffen, war vielmehr in 
zwei Theile getrennt und einige Tage später nur über dem nördlichsten Theile 
des Atlantik lagernd. Dafür aber bewegten sieh von Norden oder Westen her- 
kommende Niederdruckgebiete auf ungewöhnlichen Bahnen und in ungewohnter 
Breite. (Siehe Karte 5.) „Marie“ gewann infolge dieser Verhältnisse gegen 
„Hedwig“ in der Weise, dafs ihr Standpunkt am Mittage des 26. Oktober 
28,5° N-Br in 45° W-Lg, dagegen der von „Hedwig“ 29° N-Br in 26,5° W-Lg 
geworden war. Nach dieser Zeit änderten sieh aber die Verhältnisse zu Gunsten 
des letzteren Schiffes. Im westlichen und mittleren Theile des Atlantik hatte 
sieh inzwischen ein kleineres Gebiet hohen Luftdrucks gebildet, welches jetzt 
günstige Winde für das Vollschiff, ungünstig© aber für die Brigg verursachte. 
(Siehe Karte 7.) Die Folge davon war, dafs als „Marie“ sieh am 9. November 
in 16,6° N-Br und 61,7° W-Lg in Sicht der kleinen Antillen befand, „Hedwig“ 
auch schon nach 22,6° N-Br in 61,8° W-Lg vorgerückt war. Bei diesem Schiffe 
veränderte sich damals der stürmisch wehende, von häufigen Gewittern und 
Regen begleitete Wind bei auf 758 mm gesunkenem Luftdrucke durch Süd nach 
SW. Dies Umlaufen des Windes, welches bei „Marie“ nicht erfolgte, wurde 
bewirkt durch ein Tiefdi’uekgebiet, welches laut Karte 9 am 9. November in 
geringer Entfernung nordöstlich von den Bahama-Inseln erschienen war. Das 
Wetter war damals für mehrere Tage derartig unruhig und Unheil verkündend, 
dafs der Kapitän die Nähe eines tropischen Orkans vermuthete. Da das Tief 
druckgebiet sieh aber rasch weiter nach Nordosten bewegte, beruhigte sich das
	        
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