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Full text: 55, 1936

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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte 
55. Band, Nr. 3 
Beim Eisgang zeigt sich das interessante Ergebnis, daß das Eis erst durchschnittlich einen vollen Monat 
nach dem letzten Frost verschwindet. Dieses Verhältnis ist auffallend konstant, so daß die Abweichungen vom 
Mittel innerhalb der zehn Jahre nur sehr gering sind. Für den Zeitpunkt des Eisganges ist das Maß der Abküh 
lung in der Frostzeit und die Erwärmung im Frühsommer ausschlaggebend. Bei einer Reihe von Jahren (1922/23. 
1926/27, 1930/31 und 1931/32) läßt sich beobachten, wie sich der Eisgang eng an das Auftreten der ersten 
Wärmeperiode über 10° knüpft. Dies trifft jedoch durchschnittlich nicht zu. Plötzliche Stürme können das 
brüchige Frühjahrseis schnell beseitigen, so daß also einzelne Wetterlagen wichtig sind. Betrachten wir das zeit 
liche Verhältnis des Eisganges zur letzten strengen Frostperiode (also unter 10°), so zeigt sich, daß etwa 58 Tage 
später erst das Eis zum Verschwinden gebracht wird. Wie konservativ die Eisdecke gegenüber Wetterverhältnissen 
ist, ergibt sich durch diese Tatsache deutlich. 
Im schon mehrfach erwähnten Winter 1929/30 war der frühe Eisgang durch das sehr zeitige Auftreten 
warmer Lufttemperaturen bedingt. Schon Ende März stieg die Temperatur über 0° und nur Mitte April 
kamen noch drei Tage leichten Frostes, der aber den Eisgang nicht unwesentlich verzögerte; denn trotz des kurzen 
milden Winters bedurfte es nach dieser Aprilfrostzeit doch noch voller 23 Tage, ehe das Eis trieb. Die gegenüber 
dem Durchschnitt ersichtliche Verkürzung der Spanne: letzter Frost — Eisgang ist also in Anbetracht der Wärme 
von 17 Tagen im März—April gar nicht so verwunderlich. 
Die Art und Weise der Eisbildung variiert zum Teil; nicht immer entsteht gleichmäßiges Festeis, das sich 
langsam verstärkt. Bei unruhigen Wetterlagen und Erwärmungen kommt es zu Unterbrechungen der begonnenen 
Eisbildung, die in der Regel durch Treibeis eingeleitet weiden, nur selten verschwindet das Neueis ohne wesent 
liches Treiben. Im Winter 1930/31 bildete sich kurz nach Einsetzen der Eisbildung infolge des Durchzuges eines 
Tiefs bei steifen südlichen Winden Packeis. Ähnlich dürfte es sich zu Beginn der Vereisung 1925/26 verhalten 
haben, wo sich ebenfalls zusammengeschobene Eismassen bildeten. 
Kürzere Wärmeperioden scheinen, soweit die spärlichen Meldungen aus der Hochwinterzeit einen Schluß 
erlauben, von untergeordnetem Einfluß zu sein, da. wie schon erwähnt, die Eisbildung in dem kontinentalen 
Klima zu intensiv ist. Im Winter 1924/25 setzte bereits im November nach einer mäßigen Frostperiode Festeis 
bildung ein, die allem Anschein nach anhielt, obwohl in der Temperaturkurve folgende Wärmevorstöße zu ver 
zeichnen waren: ein 4tägiger unmittelbar nach der Eisbildung, ein 7tägiger gegen Ende November, ein 2tägiger 
vom 10. Dezember, ein 7tägiger vom 17. Dezember, desgl. vom 29. Dezember an, ein 4tägiger gegen Ende Januar, 
ein 3tägiger um den 20. März. Trotz dieser Wärmeperioden, in denen keinerlei Eisbildung stattfinden konnte und 
vorhandenes Eis geschwächt werden mußte, waren die Frostzeiten wirksam genug, um das Festeis bis Mitte Mai 
zu erhalten, der Eisgang trat erst am 24. Mai, über einen Monat nach der letzten Frostperiode, ein. 
Am einfachsten vollzieht sich in der Regel der Eisgang, indem an einem bestimmten Zeitpunkt das Eis zu 
treiben beginnt; das Eistreiben dauert durchschnittlich 3—4- Tage. Das Auftreten von Packeis und Eispressungen 
kurz vor dem Eisgang im Winter 1930/31 sind auf frische südliche Winde zurückzuführen; erst nach Beruhigung 
der Wetterlage begann das endgültige Abtreiben des Eises. 
Über den Verlauf der Vereisung während des Hochwinters liegen nur spärliche Daten vor, da Karlsborg 
im Hochwinter keine Meldungen über die Eisverhältnisse ausgibt. Infolge der kontinentalen Lage des Gebietes 
sind die Frostperioden des Hochwinters lang und selten unterbrochen, so daß die Eisbildung schon frühzeitig 
soweit vorgeschritten zu sein pflegt, daß das Eis sich unverändert verhält. Eine gewisse Ausnahme macht vielleicht 
der Winter 1922/23, wo schon im März infolge milder Witterung und steifer nordwestlicher Winde, die durch ein 
ziemlich lange stationäres Tief über dem Weißen Meer verursacht waren, Eistreiben eintrat, das aber schon nach 
4 Tagen aufhörte. Das Eis wurde wieder fest, so daß bis zum endgültigen Eisgang noch volle 2 Monate ver 
strichen. W r enn diese Unterbrechung auch nach astronomischen Begriffen im „Frühjahr“ stattfand, so muß man 
sie im Rahmen des durchschnittlichen Verlaufs des Winters und der Vereisung im nordbottnischen Gebiet doch 
als durchaus hochwinterlich bezeichnen. Die zum Teil recht strenge Frostperiode von Mitte April und Anfang Mai 
begünstigte noch bis in den Mai winterliche Eisverhältnisse. Allerdings setzte der Eisgang infolge der vor 
geschrittenen Jahreszeit danach relativ eher als durchschnittlich ein, nämlich schon 23 Tage später. 
Es ergibt sich für Karlsborg als Mittel, daß die Eisbildung in den Fahrwässern Mitte November zu erwarten 
ist, allerdings muß mit einer Amplitude von je einem halben Monat vor bzw. nach dem Termin gerechnet werden. 
Der Eisgang tritt etwa um den 25. Mai ein, hier sind die Schwankungen geringer. Die Hauptzeit der Vereisung 
ist der Januar—April, meist auch schon der Dezember, zum Teil auch noch der Mai. Die Eisbedeckung ist während 
des Hochwinters ununterbrochen und ungestört durch kurze Wärmevorstöße in der Atmosphäre. Eine Aufspaltung 
in mehrere Eisperioden kann nicht festgestellt werden. Ausschlaggebend für Eintritt und Verlauf der Vereisung 
sind außer den Frosttemperaturen des Winters bzw. Herbstes die im Wasser aufgespeicherten Wärmemengen des 
vorangegangenen Sommers. Die Vereisung schließt mit einem wenige Tage dauernden Eisgang in der Regel 
Ende Mai ab. 
19. Die Eisverhältnisse von Kemi (Bottnischer Meerbusen). Abb. 24. 
Kemi, an der Mündung des Kemi-Flusses gelegen, entspricht in seiner Lage etwa dem schwedischen Hafen 
Luleä bzw. Karlsborg westlich der finnischen Grenze. Die finnischen Eisbeobachtungen beziehen sich jedoch nicht 
auf Kemi (fehlt jedenfalls in den Tabellen), sondern auf Röyttä einerseits, das ziemlich auf der finnischen Grenze
	        
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