398
YierteljabrS'Wefter-Kutttisehau der Deutschen Seewarte, Herbst 1885.
schlugen bei denselben einen zum Passatgebiet führenden Kurs ein, während
„Palme“ und „Cleopatra“ de» kürzesten Weg zum Ziele verfolgten. „Caroline“,
welche die Strafse von Gibraltar am 9. September verlassen hatte, segelte bei
Ostwind in 6 Tagen bis nach 30° N-Br in 21° W-Lg. Nachdem man hier einen
Tag durch leisen Zug aufgehälte» worden war, stellte sich der, später noch
wiederholt durch schwache, unbeständige Winde unterbrochene und überall
nicht sehr kräftig wehende Passat ein. Die niedrigste Breite, welche das Schiff
berührte, war 25° Nord in 50° W-Lg. Recht günstige "Winde fand „Caroline“
auf dem letzten, westlich von 60° W-Lg liegenden Reiseabschnitt. Als Folge
des ungewöhnlichen Auftretens eines kleinen Hochdruckgebietes über dem nord
östlichsten Theile der Vereinigten Staaten (siehe Karten 4 und 5) begleiteten
südliche und östliche Winde das Schiff ganz bis zur Mündung des Delaware.
Als diese erreicht wurde, waren 35 Tage seit der Abreise vom Mittelmeer ver
flossen. Bei „Ameliadie im offenen Ocean zunächst auch fast nur günstige
Winde fand, ging der nördliche Wind später ohne Störung in den Passat über,
worauf die Reise dann für längere Zeit einen ungestörten Verlauf nahm. Das
Schiff hielt sich beim Ablaufen der Länge meistens zwischen 20° und 21° N-Br.
Nachdem man aber westlich von 60° W-Lg gelangt war, wurde der Passat
gestört, so dafs infolge dessen und besonders auch, weil in geringer Entfernung
vom Bestimmungshafen durch Gegenwinde noch eine längere Verzögerung hervor
gerufen wurde, der letzte Reiseabschnitt eine lauge Zeit beanspruchte. Am
27. Oktober, nach 43tägiger Fahrt, gelangte „Amelia“ zur Mündung des Dela
ware. In viel kürzerer Zeit, in der That in weniger als der Hälfte derselben,
vollendete „Gle&patra“ ihre ausgezeichnete Fahrt über den Ocean. Dieselbe
nahm von Anfang an einen äufserst günstigen Verlauf. Die auf Karten 2 und 3
verzeichnete günstige Lage des grofsen Hochdruckgebietes des Atlantik bewirkte
für dies Schiff kräftige nördliche und östliche Winde, bei denen auf direkter
Route grofse Entfernungen gutgemacht werden konnten. In 6 Tagen durch
segelte das Schiff 1472 Sm; es entwickelte während dieser Zeit also eine
mittlere Schnelligkeit von 10 Kn die Stunde. Nachdem „Cleopatra“ westlich
von 35° W-Lg gelangt war, nahm der Wind, als Folge der geringen westlichen
Ausdehnung des Hochdruckgebietes, allmählich eine südliche Richtung an. (Siehe
Karten 3 uud 4.) Westlich von 57° W-Lg wurde die Fahrt an mehreren Tagen
durch ganz leichte Winde, bei denen sich in 48 Stunden nur ein Fortgang von
128 Sm erzielen liefe, verzögert, und in derselben ungünstigen Weise wirkten
auch die am 9. und 12. Oktober auftretenden Stürme. Der letztere derselben,
hervorgerufen durch das mit seinem Mittelpunkte am 12. Oktober über Georgia
liegende Tiefdruckgebiet (siehe Karte 5) wollte zwar aus günstiger Richtung,
doch konnte er der Nähe der Küste halber nicht mehr voll ausgenutzt werden.
Am 13. Oktober, dem Tage nach diesem Sturme, wurde nach einer ausgezeich
neten Reise von 21 Tagen ab Gibraltar der Bestimmungshafen erreicht. Dor
Mitsegler „ Amelia“ kam, trotz seiner eine Woche früher erfolgten Abfahrt, wie
schon erwähnt, zwei volle Wochen später an. Schön am 28. September waren
beide Schiffe gleich weit nach Westen hin vorgerückt gewesen. Am Mittage
dieses Tages hatte sich „Amelia“ in 22,4° N-Br und 34,7° W-Lg und „Cleopatra“
in 35,8° N-Br und 35,4° W-Lg befunden. Bis zum 9. Oktober segelte dann
jenes Schiff nach 21,2° N-Br und 66° W-Lg. Gerade hier überstand „Cleopatra“
einen heftigen W oststur in, welcher, von dem flachen Niederdruckgebiete der
Karte 4 herrührend, sich zwischen zwei Hochdruckgebieten nach Nordosten
bewegte. „Palme“ und „Savannah“, die beiden letzten der Mittelmeerschiffe,
passirten die Strafse von Gibraltar während der ersten 10 Tage des Oktober.
Sie fanden im Atlantik anfänglich auch noch günstige Verhältnisse, bei denen
sie zunächst einen ziemlich westlichen Kurs verfolgten. Ocstliche Winde führten
jenes Schiff bis zum 14. Oktober nach 28,5° N-Br in 35° W-Lg, dieses bis zum
16. Oktober nach 3l c N-Br in 25° W-Lg. Nach dieser Zeit trafen die Schiffe
für lange Zeit keinen Ostwind wieder an. Am 17. Oktober erlebte „Palme“
bei 27° N-Br in 27° W-Lg einen Weststurm, der durch seine grofse Stärke,
wie durch die ungewöhnliche Bahn des den Sturm verursachenden Tiefdruck
gebietes bemerkenswert!! ist. Letzteres bewegte sieh nahezu recht südlich
zum 30. Breitengrade und verfolgte in der Nähe desselben und 35° W-Lg für
mehrere Tage eine merkwürdige, gekrümmte Bahn. Ein grofses zusammen