Hafen von Castries. Insel St. Lucia. Kleine Antillen.
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Beschreibung und Segelanweisung für den Hafen von Castries,
Insel St. Lucia. Kleine Antillen.
(«Hydrographie. Notice* 3. London 1889.)
Der Hafen von Castries 1 ) liegt ca 7 Sm von dem Nordende der Insel
St. Lucia an der West- oder Leeseite derselben «nd ist einer der sichersten
Häfen in West-Indien. Er hat in der Richtung OSO—WN W eine Länge von
ca 1 Sm, bei einer durchschnittlichen Breite von */$ Sm, und obgleich die Ent
fernung zwischen den an den Seiten des Hafens liegenden Untiefen nur l 5 /a bis
2 Kahllg. beträgt und der Wind gröfstentheils aus dem Hafen heraus weht, so
kann doch ein gut bemanntes Schiff einkreuzen. Mit Dampfern ist die Navigirung
natürlich viel leichter. Im Innern des Hafens liegt die Stadt Gastries, die
Hauptstadt der Insel. Dieselbe hat zwar ein gutes Aeufseros, aber die Strafsen
sind schlecht gepflastert und die meisten Häuser sehr einfacher Art. In den
letzten fünf Jahren sind im Hafen besonders für das Löschen und Einnehmen
von Ladungen grosse Verbesserungen getroffen worden. Au der Nordseite
der Stadt ist ein gemauerter Kai erbaut worden, an der sich längsseit 8,2 m
Wasser befinden; auch ist eiu gutes Fahrwasser nach diesem Kai hin aus
gebaggert worden. Die Bagger sind unaufhörlich thätig und es wird bald die
ganze Mittelbank nördlich der Stadt entfernt sein.
Das im Jahre 1887 eröffnetc Victoria-Hospital ist ein sehönes und wohl
das bedeutendste Gebäude im Häfen; es steht auf der Spitze Bananes. An der
Südseite und oberhalb der Stadt liegt der ca 257 m hohe Berg Fortune, auf
welchem sich das Fort Charlotte und die Kasernen befinden. Diese Gebäude
sind von See aus gut sichtbar.
Das Klima zu Castries ist kühl und gesund.
Ein grofses Kohlenlager von ca 9000 Toris wird hier gewöhnlich gehalten,
und können Schiffe ca 60 Tons dio Stunde einnehmen, wenn sie sich längsseit
der Kohlenbrücko legen, wo sich 8,2 m Wasser befindet. Aufserdem liegen im
Hafen noch fünf Kohlenhulks, welche 750 bis 98 Tons Kohlen enthalten.
Leichterfahrzeuge mit Kohlen liegen stets zur Abfahrt bereit und können Kohlen
sowohl bei Tage wie bei Nacht sofort eingenommen werden.
Das Vorgebirge, welches die Nordseite des Hafens bildet, heifst Vigie-,
dasselbe ist an der Verbindungsstelle mit der Insel nur niedrig, steigt dann
aber allmählich nach dem äufseron Ende zu einem keilförmigen Gipfel auf,
auf dessen höchstem Theil ein achteckiger schwarz und weifs senkrecht gestreifter
Leuchtthurm steht; auf diesem Thurm brennt ein weifse3 festes Feuer 97,8 m
über der Meeres Hache, 2 ) welches 6 Sm weit sichtbar ist. Ferner befindet sich
daselbst eine Signalstation, von welcher jedes in Sicht kommende Schiff
signalisirt wird, und allabendlich um 8 Uhr, sowie wenn ein Postdampfer an
kommt, wird daselbst ein Kanonenschufs abgefeuert.
An der Südseite der Hafeneinfahrt liegt eine kahle tafelförmige Klippe,
welche Tapion Rock benannt ist; dieselbe ist von röthlicher Farbe und 24,4 m
hoch. Trotzdem ist diese Klippe von Norden kommend nicht leicht zu er
kennen. Auf dem Gipfel dieser Klippe steht eine alte Batterie und in dieser
befindet sich ein rothes festes Feuer. Ferner wird im Hafen auf dem Seezeichen
der Cocoa Nut Shoal ein grünes und auf dem der Vieille Ville Shoal ein rothes
festes Feuer wenn nothwendig angezündet; solches findet jedoch selten statt,
Frischen Proviant kann man zu nachstehenden Preisen erhalten: Rind
fleisch 7 d., Hammelfleisch 8 d., Gemüse 2 d., Brot 2 l /-a d. das Pfund; auch sind
Fische, Schildkröten und Geflügel zu haben. Frisches Wasser kann man ans
Röhren aus dem Casims-Thal umsonst erhalten, aber als Trinkwasser ist das
Regenwassex' vorzuziehen.
Die Königlichen Postdampfer kommen hier auf der Heimreise jeden
zweiten Sonntag und auf der Ausreise jeden zweiten Donnerstag an.
Im Jahre 1887 hatte die aus Schnittwaai'cn, Lebensmitteln, Metall-
waaren, Bauholz und 21 408 Tons Kohlen bestehende Einfuhr eineu Werth von
1) „West India Pilot“, Vol. II, London 1887, p. 44.
2) „Xachr. f. Scef.“ 1839, No. 1024.