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Segelanweisung für Bahia Bianca (Port Bel grano). Argentinien.
seite bezeichnet. Nach Aussage des Lootsen findet man auf 50 bis 60 m Ab
stand von den Pricken die gröfsten Wassertiefen. Dieser Theil des Fahrwassers
macht mit Ausnahme des Passirens der NapostoÆ&rvo beim Navigiren keine
Schwierigkeit. Die W«pori«-Mündung ist schon bei mittleren Wasserständen
schwer zu erkennen, dieselbe befindet sich zwischen dem 2. und 3. Pricken,
wenn solche von Westen an gezählt werden. Oberhalb der IVa/msia-Mündung
reicht die vom Ufer ausgehende Bank bis zwischen die Pricken 1 und 2, und
mufs man deshalb ca 100 m von diesen Pricken abbleiben, aber auch nicht viel
mehr, da man sonst den Bänken auf der anderen Seite des Fahrwassers zu nahe
kommt, welche durch das Wrack eines Schiffes gegenüber der Woposia-Bank
zu erkennen sind.
Hat man die Barre passirt, so kann man direkt auf den Ankerplatz
steuern; die Mole und die Festmaehetonne im Hafen von Bahia Bianca sind
leicht zu erkennen.
Der beste Ankerplatz liegt südöstlich des Ostendes der Mole, auf 6,5 m
Wasser, Sehlammgrund. Doch liegt man hier ziemlich weit vom Landungsplätze
entfernt, was für den Bootsverkehr in der 2 bis 3 Sin starken Strömung sehr
erschwerend ist.
Der Kommandant des „Étoile“, welcher keine Kenntnifs von der Be
schaffenheit des Ankergrundes hatte, wählto seinen Ankerplatz südlich des kreis
förmigen Molentheiles, dicht bei dem Landungsplätze; es ist jedoch daselbst
schlechter Ankergrund, welcher nur von einer sehr dünnen Sehlammschicht
überdeckt ist, so dafs die Anker nicht halten. Während der Pamperos steht
häufig hohe See auf dem Ankerplätze.
Die Mole erstreckt sich zuerst senkrecht von dem Ufer, macht dann einen
Bogen und geht sehliefslich parallel zum Ufer. Die Schiffe legen nur an dem
letzteren Ende an, woselbst man auf eine Strecke von ca 100 m 8 bis 8,5 m
Wassertiefe an der äufseren Seite und 7 bis 7,5 m an der inneren Seite findet.
Diese Mole soll noch verlängert werden, auf derselben befiuden sich zwei Eisen
bahngeleise und hydraulische Ladekrähne.
Winde und Gezeiten. Die Gezeiten sind, obwohl sie in gewissem
Grade durch die Winde heeioflufst werden, regelmäfsig, Der Strom erreichte
während des Aufenthaltes der „Étoile“ häufig eine Geschwindigkeit von 3 Knoten.
Der gröfste Unterschied im Wasserstande betrug 4,6 m und der mittlere 3,8 m.
Bei Springzeit dürfte die Flutbhöhe 5 bis 5,2 m betragen. Die Winde waren
meistentheils leicht aus West wehend, und schönes Wetter; das Barometer stand
tief, und die Seebriese setzte sehr spät ein.
Lootsen. Die Regierung unterhält zu Bahia Bianca drei LootseD, zwei
derselben wohnen am Orte, und der dritte ist beim Berge Hermo&o stationirt
und hat die Ankunft von Schiffen telegraphisch zu melden. Diese drei Lootsen
sind für die argentinische Flotte bestimmt, bilden die Hafenpolizoi und haben die
Betonnung zu unterhalten. Die Seebehörde bietet ihre Dienste den Kriegsschiffen
aller Nationen unentgeltlich an. Aufserdem sind zu Bahia Bianca noch zwei Privat-
lootsen. Diese wohnen in der Stadt und haben, um eio Schiff zu besetzen, 36 Sm
mit ihrem Segelboote zurückzulegen. Es ist deshalb besser, sobald man Land
gemacht hat, ohne Lootsen bis Port Belgrano zu gehen und dort zu ankern.
Der Lootsendiensfc soll geändert werden, sobald der beabsichtigte Schlepp
dampfer in Dienst gestellt sein wird.
Yorräthe. Man kann in Bahia Bianca Brot und Fleisch erhalten,
orsteres ist theuer aber von guter Qualität, letzteres billig.
Kohlen sind nur von der Eisenbahngesellschaft zu erhalten, und da keine
Leichterfahrzeuge sind, mufs man zum Einnehmen derselben an die Mole anlegen.
Der Preis der Kohle ist gleich dem in Montevideo.
Trinkwasser ist gleichfalls nur durch die Eisenbahngesellschaft zu be
kommen. Am Molenkopfe befindet sieh eine Leitungsröhre, und ist das Ein
nehmen des Wassers von dort ohne Schwierigkeit zu bewirken. Für 1000 Tons
Wasser zahlt man durchschnittlich 6 Mark (7 l / 2 Francs). Der „Etoile“ erhielt
sein Wasser unentgeltlich.
Das Land ist reich an frischen Lebensmitteln, Früchten und Gemüsen,
aber da sich kein Markt daselbst befindet, sind dieselben schwer zu bekommen.
In der Umgebung der Stadt ist viel Wild, und die Bucht ist sehr fischreich.