Aus dem Reiseberichte der deutsches Bark „Triton“.
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Port Adelaide am Golf von St. Vincent und Port Germain
am Spencer-Golf (Süd-Australien).
Von Kapt. G. Rein icke, Führer der deutschen Bark „Triton“.
(Mittheilung von der Deutschen Seemtfleh
Am 10. Dezember 1886 legten wir unser Schiff iu das neue Dock von
Port Adelaide und fingen am 14. an, die von Gefte angebrachte Hohlladung zu
löschen. Diese Arbeit ging nur langsam von Statten, liieils weil die Empfänger
keine Eile mit der Entgegennahme der Ladung hatten, theils auch wegen der
gerade etattfmdenden vielen Feiertage, Weihnachten und Heujahr. Am 8. Januar
1887 wurde endlich das Schiff leer, worauf wir, mit 120 Tonnen Weizen und
dem unter der Holzladung gehabten Ballast an Bord, am 11. Januar wieder in
See gingen, um nach Port' Germain zu gehen und dort eine volle Ladung
Weizen für Europa einzunehmeu. Bei schönem günstigem Wetter schleppte uns
ein Dampfer zunächst nach Fake Bay, wo wir am Mittag des 13. Januar
ankerten. Nachdem am 14. Januar der Ballast hier entlöscht war, wurde das
Schiff am folgenden Tage nach Port Germain weiter geschleppt.
Während unserer Anwesenheit in Port Adelaide, vom 10. Dezember 1886
bis 11. Januar 1887, war das Wetter, wie gewöhnlich in dieser Jahreszeit,
hoifs; doch wäre dies erträglich gewesen, wenn man nicht so sehr vorn Staube
und in noch höherem Mafse von Musquitos belästigt worden wäre. Letztere,
welche einem die wunderbaren Abende gänzlich verderben, waren besonders
zahlreich an der den Häusern gegenüberliegenden Seite des Hafens. Am
9. Januar 1887 stieg die Temperatur der Luft an Deck unter dem Sonnensegel
auf 45° C., während sie gleichzeitig unter Deck 38° C. betrug. Es ist hier sehr
auf eine zweckmäßige. Bekleidung zu achten, die am Tage nicht zu unbequem
ist, aber auch genügenden Schutz gegen die am Abend mit südwestlichem Winde
eintretende Abkühlung gewährt. In Port Germain haben wir keine so hohe
Temperatur wieder gehabt; im Gegentlieü war hier das Wetter für unsere
Empfindung angenehm kühl, und wir lageu so weit vom Laude, dafs wir durch
Staub und Insekten nicht belästigt wurden. Mit grofser Regelmäfsigkeit wehte
von ll h a. m. an eine irische Soebriese, die oft zur Zeit dos Sonnenunterganges
stürmisch auftrat und selten vor Mitternacht ihr Ende erreichte. Iu den meisten
Fällen holte der Wind nach Sonnenuntergang langsam von SW nach SE und
ging auf diese Weise in die Landbriese über, die gewöhnlich ununterbrochen
bis zum folgenden Vormittag anhielt. Eicht selten erfolgte auch der Uebergang
von der Land- zur Seebriese, ohne dafs vorher Windstille eintrat. Eine andere
Art der Entstehung der Landbriese haben wir in der ganzen Zeit nur ein oder
zwei Mal gehabt, und dann war sie sehr flau. An den beiden Tagen, währeod
welcher wir in der Fähe Bay unseren Ballast löschten, wehte es in den späten
Nachmittags- und frühen Abendstunden so hart aus Süd, dafs wir die beiden
Anker mit zusammen 240 m (130 Fad.) Kette aushaben mufsten, um nicht zu
treiben. Die See erreichte eine bedeutende Höhe, nahm aber, als der Wind
schwächer wurde, rasch wieder ab.
Während noch vor zwei Jahren Schiffe mit einem Tiefgange von über
3,7 m (12 Fufs) in Port Germain ihre Ladung vermittelst Leichter auf der Rhede
einnehmen mufsten, können sie jetzt an die neu erbaute Brücke (Jetty) legen
und die Ladung direkt den Eisenbahnwagen entnehmen. Zum Anlegen an die
Brücke nimmt man — wenigstens in den Sommermonaten — am besten die
Naehinittagsstunden, wenn die Seebriese ziemlich genau derselben entlang weht.
Man segelt unter passenden Segeln etwa von SW her in schräger Richtung auf
die Brücke zu, läfst einen Anker, je nachdem man viel oder wenig Kette an
Bord hat, 90 bis 110 m (50 bis 60 Fad.) von dem Aufsenende derselben entfernt
fallen und holt dann das Schiff, nachdem es auf den Wind gesehwait ist, mit
einer Leine, unter Ausstecken der nöthigen Kettenlänge an eine der Seiten der
Brücke. Zur Erleichterung dieser Arbeit ist auf jeder Seite der Brücke eine
Boje zum Festmachen der Trossen verankert. Dieselben sind aber kaum
genügend haltend, besonders wenn der Wind quer zur Brücke weht und
man das Schiff an deren Luvseite zu legen hat. An dem äufseren Ende der